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Stars und die Kirche : So verbeugt sich nur ein Messdiener

Weihrauchschwenker: Thomas Gottschalk Bild: Reuters

Gottschalk, Jauch, Elstner, Raab und viele andere: Zahlreiche Showgrößen sind in ihrer Kindheit Ministranten gewesen. Der frühere Chef des ZDF versucht nun zu ergründen, ob das ein Zufall oder göttliche Fügung ist.

          Das ist doch mal eine gute Idee, um sich während der sonntäglichen Messe die Zeit zu vertreiben. Wenn sich die Predigt des Priesters mal wieder arg in die Länge zieht, könnte man sich der Reihe nach alle Ministranten anschauen und überlegen, welchem von ihnen die ganz große Karriere bevorstehen mag. Dem Kleinen ganz links, der den Leuchter hält? Der Kreuzträgerin mit den Zöpfen? Oder doch dem Schlaks, der so lässig das Rauchfass schwang? Man sollte sich ihre Gesichter gut merken, denn eines Tages könnte man sie im Fernsehen wiedersehen. Und zwar gar nicht unbedingt beim „Wort zum Sonntag“, sondern in einer Unterhaltungssendung.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn man nämlich einem neuen Buch Glauben schenkt, dann ist unsere Showbranche in weiten Teilen unterwandert worden. Nicht von Freimaurern oder ähnlichem, sondern von ehemaligen Messdienern. Unter den 25 bis 30 größten Showmastern der jüngeren Zeit, schreibt Markus Schächter in seinem Buch „Die Messdiener“, sagten „gut 15“ von sich, dass sie einst Ministranten waren. Auf der beeindruckenden Liste stehen Thomas Gottschalk, Günther Jauch, Stefan Raab, Jürgen von der Lippe, Alfred Biolek, Frank Elstner oder Reinhold Beckmann. Grund genug für Schächter, „eine besondere, bisher unbeachtete Verbindungslinie zwischen Showbiz und Messdienst“ zu suchen.

          Nun ist gerade der Buchautor selbst ein Beispiel dafür, dass es auch anders laufen kann, dass es einen ehemaligen Ministranten nicht auf die Bühne zieht, sondern hinter die Kulissen. Jahrelang war Schächter in leitenden Positionen beim ZDF tätig, bis März 2012 war er dessen Intendant. Immerhin half ihm seine Vita, problemlos Zugang zu seinen prominenten Gesprächspartnern zu bekommen. Und wenn auch das Phänomen des massierten Messdienerauftretens im Showgeschäft kein unbekanntes ist, so haben doch noch nie so viele seiner Vertreter freimütig über ihre Jahre im Talar gesprochen wie nun mit Markus Schächter.

          Lanz versucht seine Messdienerkindheit herunterzuspielen

          „Ich nehme an, dass ich schon früh eine Vorliebe für die Musik, den Weihrauch und die Gewänder hatte“, sagt Alfred Biolek. „Ich stand als Ministrant ja auch vorne, vor Publikum. Das hat mir damals schon gefallen und hat mich mein Leben lang begleitet, nur auf anderen Bühnen.“ Als Lektor während der Messe, so Reinhold Beckmann, sei ihm klargeworden, dass es ihm liege, „mit meiner Stimme zu arbeiten, und ich habe den Klang der Worte im Kirchenschiff sehr bewusst erlebt“. Einen Messdiener und einen Moderator vereine, „dass sie Gefallen daran haben, Teil einer Show zu sein“, glaubt die Kinderfernsehlegende Willi Weitzel. „Als Messdiener steht man am Altar mittendrin und lernt das, was man Timing nennt: die richtige Verbeugung, das synchrone Umdrehen mit seinem Messdienerkollegen oder das punktgenaue Klingeln, wenn der Kelch hochgeht.“ Als Musterbeispiel sieht Weitzel einen großen Kollegen: „Wenn sich Thomas Gottschalk vor seinem Publikum verneigt, dann merkt man, wo er das gelernt hat. So verbeugen sich nur ehemalige Messdiener.“

          Sonntäglicher Kreuzträger: Günther Jauch

          Wenn es denn stimmt, dass einstige Ministranten ihrer Konkurrenz nicht nur den korrekten Diener, sondern auch das Gespür für Timing und den großen Auftritt voraushaben, dann verwundert es nicht, dass Elstner und Gottschalk mit „Wetten, dass..?“ reüssierten, wohingegen der jugendgeweihte Wolfgang Lippert scheiterte. Beherrscht womöglich eine Klingelbeutel-Connection die Medien? Andererseits hat Markus Lanz, der die Show gerade zu Grabe tragen muss, eine der schillerndsten Ministrantenkarrieren hinter sich. „Die Kirche lag direkt neben der Skipiste“, erinnert er sich an seine Kindheit, in der er morgens um sechs durch den Tiefschnee auf den Berg stapfen musste. „Oft war es so, dass wir vor der 14-Uhr-Andacht über die Skischuhe und den Skianzug noch schnell die Messdienerröcke angezogen haben.“

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