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Funktionsbekleidung : Pistenkönig mit Bandagen

Auf zu neuen Horizonten: Tagelang Skifahren ohne Muskelkater versprechen sich Evelyn Grosse und Harald Quecke von ihrer Funktionsbekleidung. Bild: AP

Harald Quecke und Evelyn Grosse haben sich nach einem schweren Unfall zurück ins Leben gekämpft. Durch das Unglück kam den beiden eine Geschäftsidee: Hosen und Shorts, die Gebrechen aller Art vergessen lassen. Das könnte tausenden Menschen helfen.

          Den 27. April 2007 werden Evelyn Grosse und Harald Quecke niemals vergessen. Frisch verliebt waren sie, als es passierte, auf der Via Mala, auf dem Weg ins Wochenende jenseits der Alpen. Mit 100 oder 120 Sachen fuhr Harald Quecke mit seinem Motorrad frontal in ein entgegenkommendes Auto, das ebenso schnell war. „Sie haben aber viel Pech gehabt“, sagte einige Wochen später eine Krankenhaus-Seelsorgerin mit Blick auf die Verletzungen der beiden.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          So ziemlich alles war gebrochen: Handgelenke, Schultern, Rippen, Kreuzbeine, Wirbel, das Becken. Dazu kamen innere Verletzungen, und bei einer der Operationen war Quecke kurz vor einem Herz- und Lungenversagen. Zwölf Tage lag er im Koma. Wochenlang war er bewegungslos. Pech? „Nein“, sagte Quecke zu der Seelsorgerin. „Ich habe Glück, ich lebe noch.“

          Mit dieser Einstellung haben die beiden sich zurück ins Leben gekämpft - und sind jetzt, mit 50 und 51 Jahren, unter die Unternehmer gegangen. Den ganz großen Wurf können Sie noch nicht vorweisen. Nur einen Online-Shop, die Unterstützung eines Unternehmers mit einem in Amerika schon erfolgreichen Produkt und den Willen zum Erfolg. Das haben die beiden gelernt in den Jahren nach dem Unfall: Man muss geduldig sein und zäh. Sie glauben an sich - und an ihr Produkt.

          Produkt könnte Tausenden Menschen helfen

          Was sie zu bieten haben, könnte Tausenden Menschen helfen, da sind sie sich sicher. Es sind Hosen und Shorts, die Gebrechen aller Art vergessen lassen: „Ich kann wieder stundenlang gehen“, sagt Evelyn Grosse, deren Becken zertrümmert war. Und Harald Quecke schwärmt: „Mit so einer Hose kann man tagelang Ski fahren, ohne Muskelkater zu bekommen.“ Vom Skifahren träumt der Schwabe nicht nur, er macht es auch längst wieder, obwohl er immer Schmerzen hat und bleibende Schäden. Das rechte Bein ist vom Knie abwärts gefühllos, das Sprunggelenk lässt sich nicht steuern. Mit seinem Therapeuten in der Reha schloss er damals eine Wette ab, ob er jemals wieder würde laufen können. Er hat die Wette gewonnen, hat die Klinik auf zwei Beinen verlassen, an Krücken zwar, aber mit dem Bewegungsdrang des ehrgeizigen Freizeitsportlers. Skifahren kann er auch wieder, dank der Sportlerwäsche ganz gut.

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          Ein Wunderding? An sich selbst haben die beiden leidenschaftlichen Skifahrer die Funktionstextilien wirklich so erlebt. Aber Grosse und Quecke sind vorsichtig mit der Beschreibung - beim Thema Gesundheit ist man in Deutschland besonders heikel. Jede Formulierung, die als falsches Versprechen ausgelegt werden könnte, kann teuer werden. In Oberschwaben, wo Grosse und Quecke zu Hause sind, hat man gerade erst eine Traditionsbrauerei verklagt, weil sie ihr Bier - wie schon seit Großvaters Zeiten - als bekömmlich bezeichnete. Wohl auch deshalb liest sich die Homepage des Online-Shops wie der Auszug aus einem anatomischen Lehrbuch.

          Das Produkt unter dem Namen Opedix soll durch eine besondere Verarbeitung der Textilfasern auf die Haltung des Trägers wirken. Mit der so erzielten korrekten Ausrichtung von Muskeln, Faszien und Gelenken sollen Überlastung und Schmerzen vermieden werden.

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