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Spaniens Königin Sofía wird 70 Für Obama, gegen Gay-Paraden

 ·  Sofía von Spanien hat rechtzeitig vor ihrem 70. Geburtstag ihre Diskretion abgelegt - und Homosexuelle gegen sich aufgebracht. In ihrer neuen Biographie spricht sie auch über ihre Ehe und ihre Schwiegertochter. Wir haben schon mal reingelesen.

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Er nennt sie zu Hause zärtlich „Sofi“. Sie nennt ihn „Juanito“. Und wenn sie bei anderen über ihn spricht, fügt sie noch „der König“ hinzu. Das ist eine der eher harmlosen Enthüllungen, welche die Journalistin Pilar Urbano in einer soeben in Madrid vorgestellten und sonst bemerkenswert freimütigen Biographie der spanischen Königin Sofía aus Anlass ihres siebzigsten Geburtstags am Sonntag mitzuteilen weiß. Das Buch mit dem Titel „La Reina muy de cerca“ (Die Königin aus nächster Nähe), erschienen im Verlag Planeta, enthält zum ersten Mal Meinungen der Porträtierten zu politischen, gesellschaftlichen und religiösen Themen. Sie ist zum Beispiel für den Religionsunterricht in den Schulen, aber gegen Abtreibung und „würdigen Tod“ durch Euthanasie. Schließlich ist auch sie für Obama – so wie 96 Prozent ihrer „Untertanen“.

Sofía trug es mit Fassung, als radikale Provinznationalisten in Katalonien unlängst Fotos des Königspaars verbrannten. Das seien ja „nur Papierfetzen gewesen, die verlöschten“. Auch was böswillige Karikaturen, Witze und üble Nachrede angehe, müsse man in ihrer Position immer die Nerven behalten. Sie sei zwar auch verletzlich und „nicht aus Stein“. Aber: „Könige verteidigen sich nicht.“

Juan Carlos sollte ihr einen Maulkorb umbinden

Genau dazu wurde sie indes kurz darauf gezwungen. Sie habe nichts dagegen, dass Homosexuelle zusammenlebten oder heirateten, so wird die Königin zitiert. „Aber dies darf man nicht als Ehe bezeichnen.“ Für solche Lebensgemeinschaften gebe es andere Bezeichnungen wie zum Beispiel Partnerschaftsvertrag. „Ich kann verstehen, akzeptieren und respektieren, dass es Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung gibt. Aber sollen sie darauf stolz sein? Sollen sie deshalb auf Wagen steigen und Umzüge abhalten?“, fragte die Königin. „Wenn wir alle, die wir keine Gays sind, auf Kundgebungen durch die Straßen zögen, bräche der Verkehr zusammen.“

Nach empörter Kritik an diesen politischen Einlassungen von Seiten mehrerer Schwulen- und Lesbenorganisationen sowie der Linksparteien – die Sozialisten und die Konservativen schwiegen – ließ man am Hofe eine Erklärung verbreiten, wonach die Königin „nicht ganz exakt“ und überdies mit „privaten“ Äußerungen zitiert worden sei. Während sogar der König aufgefordert wurde, seiner für ihre Diskretion bekannten Gattin doch am besten einen „Maulkorb“ umzubinden, versicherte die Autorin, dass ihr Buch an entscheidender Stelle „gelesen und gebilligt“ worden sei. Darin steht auch als Antwort Sofías auf eine Frage Frau Urbanos: „Du hast mehr Meinungsfreiheit als ich.“

Sie sieht sich als Freundin ihres Mannes

Das spanische Königspaar, das in einem von Adelsskandalen recht freien Ambiente überdauert, macht nicht nur in der Öffentlichkeit einen bis zur Komplizenschaft reichenden solidarischen Eindruck. Sie, die als Sophia von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg am 2. November 1938 bei Athen geboren wurde und nach der Rückkehr von einer Lateinamerika-Reise mit ihrem Mann am Sonntag mit traditioneller Schlichtheit im Zarzuela-Palast ihren Siebzigsten feiern wird, hat ihr Verhältnis zu Juan Carlos von Bourbon und Bourbon einmal so geschildert: „Unsere Liebe hat sich zu einer Freundschaft entwickelt. Es ist eine große Freundschaft. Ich bin seine Gefährtin. Wir sind Reisegefährten.“ Der Platz, den sich die aus Griechenland mit Umwegen vor 46 Jahren nach Spanien eingewanderte Urenkelin des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. an der Seite Juanitos und in den Augen ihrer neuen Landsleute geschaffen hat, ist mehr als eine bescheidene Nische. Von der Zeit an, als sie noch den alten Diktator Franco charmierte, der sich reiflich überlegte, ob er ihren Mann wirklich zum Nachfolger als Staatschef und restaurierten König machen sollte, bis zum Übergang in die Demokratie mit einem versuchten Militärputsch und zu einer nunmehr drei Jahrzehnte währenden stabilen parlamentarischen Monarchie war sie nicht nur Gefährtin, sondern Beraterin und einflussreich diskreter Machtfaktor.

In jener Nacht des 23. Februar 1981, als rechte Militärs die Madrider Cortes besetzten und Löcher in die Decke schossen, soll sie dem der Verfassung verpflichteten König den Rücken gestärkt haben. Sie tat das aus bitterer eigener Erfahrung. Denn ihr Bruder, König Konstantin von Griechenland, hatte im Jahr 1967, als in Athen die Militärs erfolgreich putschten, laviert und taktiert und sich nicht nur um die Sympathien seiner Landsleute, sondern auch um den Thron gebracht.

Ihr Onkel führte Salem

„Sofi“ und „Juanito“ sind beides Exilkinder. Sie musste einst mit ihren Eltern, König Paul und seiner Frau Friederike, vor den Truppen Hitlers und Mussolinis nach Ägypten und Südafrika flüchten. Erst 1946 konnte sie nach Griechenland zurückkehren. Juan Carlos verbrachte derweil seine Kinder- und Jugendjahre mit dem Vater in Rom und später bei Lissabon. Die beiden lernten sich im Schwabenland beim Grafen von Altshausen kennen. Die gelernte Krankenschwester, die fünf Jahre lang in Salem, wo ein Onkel das vornehme Internat führte, zur Schule ging – Sofía spricht seitdem gut und noch immer gern Deutsch –, heiratete den „Prinzen von Spanien“ am 14. Mai 1962. Um die Dinge für den Thronprätendenten zu erleichtern, trat sie von der griechisch-orthodoxen zur römisch-katholischen Kirche über. Drei Tage nach Francos Tod wurde Juan Carlos I. dann am 23. November 1975 zum König ausgerufen.

Die polyglotte Reisegefährtin des leutseligen Monarchen, dem die Frauen und der Wein allemal gefielen, hat ihn seitdem durch alle innerspanischen Turbulenzen und bei den meisten seiner Weltreisen als verständige Botschafterin ihres neuen Heimatlandes begleitet. Sie gebar ihm drei Kinder – die Töchter Elena und Cristina und den Thronfolger Felipe –, kümmerte sich um Kunst und Soziales und war bei jeder Naturkatastrophe und jedem Attentat (von Eta bis zu den Islamisten) als nationale Trösterin zur Hand. Ihr Ansehen bei den spanischen Landsleuten ist nicht geringer als das ihres Mannes.

Sie macht es Letizia nicht schwer

Seit Kronprinz Felipe, der ihr im Wesen ähnelt, erwachsen, verheiratet und Vater zweier Töchter ist, wuchs Sofía nicht nur noch stärker in die vielfache Großmutterrolle hinein. Sie war es vielmehr, die die bürgerliche, geschiedene Fernsehjournalistin Letizia Ortiz im Palast sogleich als Schwiegertochter aufnahm, als der König sich noch etwas reserviert zu verhalten schien. Und inzwischen ist sie wohl die wichtigste Ratgeberin und Freundin bei der Vorbereitung der künftigen Königin auf ihre Aufgaben und Rolle geworden.

„Es ist gut, dass das Königshaus sich öffnet“, sagte sie, wann immer aus dem spanischen Hochadel Zweifel an der Eignung der zur Prinzessin von Asturien arrivierten Frau ihres Sohnes geäußert wurden. Die erfahrene Amtsinhaberin, die, wie ihre Biographin verrät, „gerne barfuß läuft“ und weder auf Spanisch noch auf Deutsch, sondern „auf Englisch träumt“, macht es Letizia nicht schwer. Ihr Charakter und ihr Berufsverständnis – der König nennt sie „einen wahren Profi“ – sind nun einmal, wie sie selbst zu sagen pflegt: „Pflichterfüllung und Herzlichkeit“.

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Jahrgang 1950, politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel, Marokko und Tunesien mit Sitz in Madrid.

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