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Sophie Hunger zum Echo : „Ihre Entscheidung war katastrophal“

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Sophie Hunger während eines Konzertes in Darmstadt (Archivaufnahme) Bild: Henner Rosenkranz

Die Schweizer Sängerin Sophie Hunger hat dem Ethik-Beirat des Echo-Musikpreises einen wütenden Brief geschrieben. „Warum haben Sie sich Ihrer Verantwortung entzogen?“, fragt sie darin unter anderem.

          Die Schweizer Sängerin Sophie Hunger hat sich nach der umstrittenen Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang mit deutlichen Worten an den Ethik-Beirat des Echo-Musikpreises gewandt. Die Aufgabe des Beirats sei es nicht gewesen, eine philosophische Antwort auf die Frage nach den Grenzen der Kunstfreiheit zu finden, so die Musikerin in einem offenen Brief. „Nein, die Frage, die es zu beantworten galt, war: Sollen Künstler, die in ihren Texten mit der Verhöhnung des Holocaust arbeiten die Möglichkeit haben den höchsten Deutschen Musikpreis zu bekommen? Die Antwort auf diese Frage hätte lauten müssen: Nein!“

          Weiter schrieb Sophie Hunger in dem Brief, den sie auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte, der Beirat habe sich einer Verantwortung entzogen, die er von anderen eingefordert hatte. Denn der Ethik-Beirat hatte im Schreiben zu seiner Entscheidung, die umstrittenen Rapper nicht vom Echo auszuladen, eine gesellschaftliche und politische Debatte über die Grenzen von Kunst- und Meinungsfreiheit eingefordert. Dabei, so Hunger, wäre es doch die Aufgabe des Ethik-Beirats gewesen, diese Debatte zu führen.

          Hungers Brief endet mit den Worten: „Einen Preis zu verleihen ist weit mehr als das Ertragen von gesellschaftlichen Extremen. Einen Preis zu verleihen bedeutet einer ganzen Gesellschaft und Jugend vorzuleben: Das ist richtig, das ist gut, das ist das Beste. In diesem Sinne war Ihre Entscheidung katastrophal.“ Ihr Facebook-Post wurde mehr als 2500 Mal geteilt, knapp 6500 Menschen gefiel er.

          Die beiden Rapper Kollegah und Farid Bang hatten am vergangenen Donnerstag den Echo in der Kategorie Hip-Hop/Urban National gewonnen. Ihre Nominierung und Einladung zum Echo hatte im Vorfeld eine heftige Kontroverse ausgelöst, die sich vor allem an der Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ entzündet hatte. Der Musikpreis hatte deshalb seinen Ethik-Beirat eingeschaltet. Das Album sei zwar ein „Grenzfall“, erklärte der. Die künstlerische Freiheit werde von den Rappern aber „nicht so wesentlich übertreten, dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre“.

          Während der Echo-Gala hatte sich nur der Frontmann der Toten Hosen, Campino, kritisch zu den antisemitischen, frauenfeindlichen und homophoben Texten der Rapper geäußert. Er bekam dafür viel Lob, während der Echo von jüdischen Funktionären und Politikern heftig kritisiert wurde. Am Sonntag gaben die Gewinner des „Echo Klassik 2017“ ihre Auszeichnung aus Protest gegen die Ehrung der Rapper zurück. Das Notos Quartett aus Berlin erklärte am Sonntag auf Facebook: „Die Tatsache, dass dieser Preis offenen Rassismus toleriert, ihm gar eine Plattform bietet und ihn auszeichnet, ist für uns nicht tragbar“.

          Als Reaktion auf all die Kritik wollen die Veranstalter des Echos das Konzept des Preises nun erneuern. Der Preis werde auf Entscheidung des Vorstandes überarbeitet werden, erklärte Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie, am Sonntag. Das schließe die „umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen“ ein. Details nannte Drücke noch nicht.

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