http://www.faz.net/-gum-753ie
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 Plus

Veröffentlicht: 20.12.2012, 16:21 Uhr

Sophie Hunger „Ich mach’ einfach, und es passiert“

Die Sängerin und Songwriterin Sophie Hunger ist nicht nur in ihrer Schweizer Heimat ein Star. Auch in Deutschland verliebt sich das Publikum in ihren leicht verrätselten Kammerpop.

von
© Michael Kretzer Alles handgemacht: Hunger vor einem Konzert im Karlstorbahnhof in Heidelberg.

Mit ihrem Auftritt am Abend zuvor ist sie nicht zufrieden. Klar, die Leute im Saal hatten glückliche Gesichter beim Rausgehen, es gab drei Zugaben. Und auf ihrer Facebook-Seite bedankt sich nicht nur ein junger Mann mit Bart und in Denkerpose namens Matthias für einen „grandiosen, unvergesslichen Abend“ in Frankfurt. Doch Sophie Hunger hat bei sich und ihrer Band das letzte Quentchen Energie und Konzentration vermisst, das ein Konzert für sie perfekt macht. „Wir können ein tolles Konzert für die Leute spielen, aber unter uns war es diesmal nicht so toll“, erzählt die Sängerin, Bandchefin und Songschreiberin mit den großen dunklen Augen und einem manchmal fast swingenden Schweizer Akzent.

Thomas Holl Folgen:

In eine Strickjacke eingemummelt, auf einer harten Bank im ungeheizten Tresenraum eines Heidelberger Musikclubs, beantwortet die jünger als 29 wirkende Künstlerin ganz unprätentiös alle Fragen, oft garniert mit einem glucksenden Lachen am Ende ihrer Sätze. Das Publikum im ausverkauften Frankfurter Mousonturm jedenfalls hat nichts gemerkt von Schwächen im mitreißenden Vortrag der Schweizer Künstlerin, die seit mehr als sechs Wochen mit den Songs ihrer neuen Platte „Danger of light“ durch Deutschland, Frankreich, die Schweiz und Österreich tourt.

Kleines Orchester statt Band

Anders als auf ihrer Facebook-Seite, wo sich mehr als 30.000 Menschen zwischen 25 und 35 zu ihrer Begeisterung für Hungers Musik und vor allem ihrer Live-Präsenz bekennen, sind hier im Frankfurter Nordend neben den jungen Indie-Nerds auch viele Zuhörer jenseits der 40 gekommen. Und viele Pärchen, die eng umschlungen fast andächtig Hunger lauschen und sich bei ihren leisen Liedern im Takt wiegen. Auf der Bühne wird keine verschwitzte Rockshow geboten, sondern eine Art Kammerpop mit viel Jazz, gerne auch in der Spielart „free“. Alles handgemacht, mit etwas Soul und Folk, dazu ein Schuss Punk.

Statt der klassischen Band kommt ein kleines Orchester in wechselnder Besetzung zum Einsatz: Flügelhorn, Hammondorgel, Gitarren, Klavier, Cello, Bass, Schlagzeug und Glockenspiel. Und natürlich Sophie Hungers intensive, zwischen kraftvoll, donnernd und zart wechselnde Stimme, die Zorn, Wehmut, Klage, Hoffnung, Trauer und Lebensfreude ausdrückt.

In der Heimat füllt sie die großen Hallen

Mit ihren oft melancholisch grundierten Songs und den vertrackten, verrätselten Texten in Englisch, Französisch, Deutsch und Schwyzerdütsch ist sie vor sechs Jahren in ihrer Heimat über Nacht zum Star geworden. Nach einer ersten, noch in ihrer Wohnung in Zürich aufgenommenen Platte schossen ihre beiden ersten offiziellen Alben „Monday’s ghost“ und „1983“ an die Spitze der Schweizer Charts.



In Zürich, Bern, Lausanne und Luzern füllt sie neben den kleinen Clubs auch große Hallen. Gefeiert wurde sie auf dem legendären Jazz-Festival von Montreux. Beim größten britischen Rock-Festival in Glastonbury hatte sie 2010 als erste Schweizer Künstlerin überhaupt einen Auftritt, neben Pop-Giganten wie U2 oder den Pet Shop Boys.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Popstar Prince Der Meister des musikalischen Alleingangs ist tot

Vor wenigen Tagen musste sich Prince wegen einer Grippe im Krankenhaus behandeln lassen. Jetzt wurde der Musiker tot in seinem Haus gefunden. Seine künstlerische Bedeutung für den modernen Pop, Funk und R&B lässt sich kaum ermessen. Mehr

21.04.2016, 20:57 Uhr | Feuilleton
Video Spontankonzert in der S-Bahn wird zum Internethit

Die beiden Sängerinnen KIDDO KAT und Heidi Joubert haben nach einem Besuch auf der Frankfurter Musikmesse ein ganzes S-Bahn Abteil mit einem spontanen Konzert begeistert. KIDDO KAT hat gerade ihre neue EP Why Am I So Funky?! veröffentlicht und Heidi Joubert arbeitet an einem Album. Das Spontankonzert hilft da sicher bei der Vermarktung. Mehr

18.04.2016, 18:36 Uhr | Gesellschaft
Hauskonzerte Beethoven und Jazz am Zürichberg

Musiker aus aller Welt dürfen in seiner Villa spielen. Ein Schweizer Pensionär richtet Hauskonzerte aus. Notfalls wäscht er nachts auch mal eine Tischdecke. Mehr Von Fabienne Bonino, Kantonsschule Zürcher Oberland, Wetzikon

04.05.2016, 11:51 Uhr | Gesellschaft
Video Sanders sorgt in Schnellrestaurant für Menschenauflauf

Eigentlich hatte der demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders nur Hunger. Doch sein Sauerkraut-Hot Dog sorgt für reges Interesse. Mehr

11.04.2016, 12:04 Uhr | Politik
Parlamentsbeschluss Schweiz will ausgebeutete Kinder entschädigen

Geknechtet, unterernährt, geschlagen und missbraucht – nicht wenige Verdingkinder erlitten in der Schweiz ein schreckliches Schicksal. Nun sollen Tausende Opfer entschädigt werden. Mehr Von Johannes Ritter, Zürich

27.04.2016, 18:33 Uhr | Politik

Besuch beim Astronauten Hannelore Kraft würde gern mal ins All fliegen

Hannelore Kraft träumt von den Weiten des Weltalls, David Coulthard ist in Frankreich geblitzt worden und Jörg Hartmann will seine beiden Töchter zu selbstbewussten Frauen erziehen – der Smalltalk. Mehr 7

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden