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Sophie Hunger „Ich mach’ einfach, und es passiert“

 ·  Die Sängerin und Songwriterin Sophie Hunger ist nicht nur in ihrer Schweizer Heimat ein Star. Auch in Deutschland verliebt sich das Publikum in ihren leicht verrätselten Kammerpop.

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© Michael Kretzer Vergrößern Alles handgemacht: Hunger vor einem Konzert im Karlstorbahnhof in Heidelberg.

Mit ihrem Auftritt am Abend zuvor ist sie nicht zufrieden. Klar, die Leute im Saal hatten glückliche Gesichter beim Rausgehen, es gab drei Zugaben. Und auf ihrer Facebook-Seite bedankt sich nicht nur ein junger Mann mit Bart und in Denkerpose namens Matthias für einen „grandiosen, unvergesslichen Abend“ in Frankfurt. Doch Sophie Hunger hat bei sich und ihrer Band das letzte Quentchen Energie und Konzentration vermisst, das ein Konzert für sie perfekt macht. „Wir können ein tolles Konzert für die Leute spielen, aber unter uns war es diesmal nicht so toll“, erzählt die Sängerin, Bandchefin und Songschreiberin mit den großen dunklen Augen und einem manchmal fast swingenden Schweizer Akzent.

In eine Strickjacke eingemummelt, auf einer harten Bank im ungeheizten Tresenraum eines Heidelberger Musikclubs, beantwortet die jünger als 29 wirkende Künstlerin ganz unprätentiös alle Fragen, oft garniert mit einem glucksenden Lachen am Ende ihrer Sätze. Das Publikum im ausverkauften Frankfurter Mousonturm jedenfalls hat nichts gemerkt von Schwächen im mitreißenden Vortrag der Schweizer Künstlerin, die seit mehr als sechs Wochen mit den Songs ihrer neuen Platte „Danger of light“ durch Deutschland, Frankreich, die Schweiz und Österreich tourt.

Kleines Orchester statt Band

Anders als auf ihrer Facebook-Seite, wo sich mehr als 30.000 Menschen zwischen 25 und 35 zu ihrer Begeisterung für Hungers Musik und vor allem ihrer Live-Präsenz bekennen, sind hier im Frankfurter Nordend neben den jungen Indie-Nerds auch viele Zuhörer jenseits der 40 gekommen. Und viele Pärchen, die eng umschlungen fast andächtig Hunger lauschen und sich bei ihren leisen Liedern im Takt wiegen. Auf der Bühne wird keine verschwitzte Rockshow geboten, sondern eine Art Kammerpop mit viel Jazz, gerne auch in der Spielart „free“. Alles handgemacht, mit etwas Soul und Folk, dazu ein Schuss Punk.

Statt der klassischen Band kommt ein kleines Orchester in wechselnder Besetzung zum Einsatz: Flügelhorn, Hammondorgel, Gitarren, Klavier, Cello, Bass, Schlagzeug und Glockenspiel. Und natürlich Sophie Hungers intensive, zwischen kraftvoll, donnernd und zart wechselnde Stimme, die Zorn, Wehmut, Klage, Hoffnung, Trauer und Lebensfreude ausdrückt.

In der Heimat füllt sie die großen Hallen

Mit ihren oft melancholisch grundierten Songs und den vertrackten, verrätselten Texten in Englisch, Französisch, Deutsch und Schwyzerdütsch ist sie vor sechs Jahren in ihrer Heimat über Nacht zum Star geworden. Nach einer ersten, noch in ihrer Wohnung in Zürich aufgenommenen Platte schossen ihre beiden ersten offiziellen Alben „Monday’s ghost“ und „1983“ an die Spitze der Schweizer Charts.



In Zürich, Bern, Lausanne und Luzern füllt sie neben den kleinen Clubs auch große Hallen. Gefeiert wurde sie auf dem legendären Jazz-Festival von Montreux. Beim größten britischen Rock-Festival in Glastonbury hatte sie 2010 als erste Schweizer Künstlerin überhaupt einen Auftritt, neben Pop-Giganten wie U2 oder den Pet Shop Boys.

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