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Söldner Profiteure des Krieges

Gunny, Norman und Dirk verdienen ihr Geld in Kriegs- und Krisengebieten. Während der Einsätze funktionieren sie einfach, doch auf das, was in Irak geschah, waren sie nicht vorbereitet: Die Wirklichkeit ist immer brutaler und schrecklicher als alle Theorie.

© dpa Vergrößern Zur Zeit wohl der bekannteste „Söldner” in Deutschland: Leonardo DiCaprio, links, in dem Kinofilm „Blood Diamond”

Blutbeschmierte Panzer und romantische Sonnenaufgänge, verkohlte Leichname und Männer in Schutzwesten, die stolz ihre Sturmgewehre in die Höhe recken, die Augen hinter verspiegelten Sonnenbrillen verborgen. „Das ist die Realität eines ganz normalen Jobs“, sagen die Männer. Gunny, Norman und Dirk, die Nachnamen tun nichts zur Sache. Drei Norddeutsche, die ihr Geld im Irak und in Bosnien verdient haben. Sie sind Private Military Contractors - private militärische Auftragnehmer. Söldner, die ihr Geld verdienen, wo Kriege und Unruhen herrschen. Wo jene Fotos entstehen, die nun über den Computer eines Büros am Rande des Lübecker Industriegebiets flimmern.

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Söldner. Ein Wort, das Gunny und Dirk nicht gerne hören. Nur Norman hat nichts dagegen. „Wenn damit gemeint ist, dass ich für Geld in Kriegsgebiete fahre, dann bin ich ein Söldner.“ Doch seien sie weder Kopfgeldjäger auf der Suche nach Terroristen, noch führten sie Kampfhandlungen aus. „Wir machen nur Dinge, die im Einklang mit internationalem Recht stehen, und wir arbeiten auch nicht für jeden.“ Firmen und Regierungen werden überprüft, der Einsatz so gut wie möglich geplant. Bei ihren Einsätzen als Personenschützer oder Ausbilder gehe es um reine Selbstverteidigung. Natürlich gebe es Tage, an denen man kämpfen muss. Gunny schrieb am 15. Juni 2004 in sein Einsatztagebuch: „Es war ein guter Tag, keine Toten oder Verletzten . . . Das wird nicht so bleiben.“

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Wer hier tätig ist, kennt das Antlitz des Krieges

Am Rande eines Naturschutzgebiets mit Blick auf brachliegende Industrieanlagen und Schrottpressen haben Gunny, Norman und Dirk ihre Zentrale. Die Bodyguard Academy von Thorsten Möller hat sich auf „High-risk-Operationen“ spezialisiert, mit Repräsentanten in Kolumbien, Venezuela, den Philippinen und einigen afrikanischen Ländern, die ungenannt bleiben. „The Face of Battle“ von John Keegan liegt auf der Fensterbank, in Vitrinen sind Übungswaffen ausgestellt. Wer hier tätig ist, kennt das Antlitz des Krieges. Das Motto: „Libertas in tuto“, Freiheit in Sicherheit, grafisch unterlegt mit zwei Skorpionen.

Auf ihre linke Brust haben sich die drei Zweimetermänner mit den kurzgeschorenen Haaren ihre Blutgruppe tätowieren lassen, die rechte Brust zieren bei Gunny und Norman die Worte „Alpha Team, The Wall of Steel, Baghdad, 08/25/04, Always Remember“. Symbol des Zusammenhalts, Erinnerungen an ein Gefecht mit Irakern, die ihren Konvoi angegriffen hatten. Gunny und Norman waren mit anderen Personenschützern für die Sicherheit von zwei Ingenieuren zuständig. 15 Iraker starben im Kugelhagel der Private Military Contractors, des im Auftrag der amerikanischen Regierung tätigen Alpha Teams. Zwei Jahre lang waren die Deutschen im Irak. Drei Monate Einsatz, dann einen Monat frei. Drei Monate Irak, einen Monat Schleswig-Holstein. Drei Monate Krieg, einen Monat Familie.

Viele tote Körper sind über den Boden verteilt

„Menschen liegen am Boden und schreien, viele tote Körper sind über den Boden verteilt . . . Ich habe schon viel gesehen und auch selbst schon im Feuerkampf gestanden, aber das ist eine ganz andere Dimension“, schrieb Gunny am 26. Juni 2005 in sein Einsatztagebuch. Auf das, was die Anschläge im Irak anrichten, war auch Gunny nicht vorbereitet, der Schweigsame, der schon mit der Bundeswehr im Kosovo war, bevor er Dirk und Norman kennenlernte und beschloss, als Privatmann in Kriegsgebiete zu ziehen. Gunny, der vor dem Irak-Einsatz zusammen mit Dirk und Norman in Bosnien einen deutschen Richter und eine amerikanische Schutzperson bewachte, die beim Büro des Hohen Repräsentanten tätig waren.

Während der Einsätze, so sagt Gunny, funktioniert er einfach. Denkt nicht darüber nach, dass auch ihn eine Kugel treffen könnte. „Darüber muss man sich sowieso im Klaren sein.“ Jeden kann es treffen, jederzeit. Und dann reden sie von 196 Anschlägen am Tag in Bagdad, von Frauen mit Kindern, die als Selbstmordattentäter unterwegs sind, und von Doggy-Bombs - mit Sprengstoff gefüllten Hundekadavern.

Sturmgewehre vom Schwarzmarkt

Ihren Einsatzbefehl erhalten die Männer per Mail. Man meldet sich zu Einsätzen, sendet seine Referenzen. Zwei bis drei Monate hatten sie Vorlaufzeit vor dem Irak-Einsatz. Dann ging es über Hamburg, Istanbul und Kuweit nach Bagdad. Die Sturmgewehre besorgte die auftraggebende Firma am Ort, wahrscheinlich auf dem Schwarzmarkt.

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Veröffentlicht: 22.05.2007, 15:44 Uhr