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Skibergsteigerin Gela Allmann : Wettkampf gegen den eigenen Körper

Gela Allmann beim Fotoshooting an der Isar im März 2016 Bild: Jan Roeder

Im Leben von Gela Allmann galt immer: höher, schneller, weiter. Bis die Skibergsteigerin eines Tages stürzte – 800 Meter tief.

          Es ist der Albtraum jedes Bergsteigers. Und der Albtraum vieler Nichtbergsteiger. Ein falscher Schritt, ein Schreck, ein Fall. Ein endloser Fall, so scheint es, das Gefühl der Machtlosigkeit, des nahen Endes. Bis das Erwachen dem Albtraum seinerseits ein Ende setzt.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Für Gela Allmann war das Ganze kein Albtraum. Sie hat so einen endlos scheinenden Sturz wirklich erlebt: 800 Höhenmeter eine Bergflanke hinab. Und sie hat ihn überlebt. Nicht nur das. Sie ist heute, zwei Jahre später, wieder leidenschaftlich gern in den Bergen unterwegs. Obwohl das anfangs kaum jemand für möglich hielt. Doch Allmann hat den furchtbaren Verletzungen, die sie erlitt, eine schier unfassbare Willensstärke entgegengesetzt.

          April 2014, ein sonniger Tag auf Island. Gela Allmann, Extremsportlerin, Bergläuferin, Fernsehjournalistin, Sportmodel, ist für ein Skitouren-Shooting unterwegs. Für ein paar letzte Bilder an diesem Tag steigt sie, die Ski am Rucksack, einen Steilhang hinauf. Sie rutscht aus, verliert den Halt. Schießt im Nu den Hang hinab, über Schnee, Eis und Fels. Überschlägt sich, spürt, wie Knie, Schulter, Arme zerschlagen werden, wie Sehnen und Bänder reißen. Irgendwann nimmt sie wahr, dass der Schnee weicher, dass das Gelände flacher wird. Und kann den Sturz stoppen.

          Wo sie die Kraft dafür hernimmt, weiß sie später selbst nicht. Fest steht: Ein paar Sekunden später wäre sie über eine steile Klippe in den Fjord gestürzt und untergegangen. So bleibt sie im Schnee liegen. Schwer verletzt.

          Höllensturz bei vollem Bewusstsein

          Gela Allmann hat diesen Höllensturz bei vollem Bewusstsein erlebt. „Ich habe mich immer gefragt: Wieso musst du das alles miterleben? Ich wollte ja während des Sturzes wahnsinnig gern bewusstlos werden“, sagt sie. „Aber dann wäre ich weiter ins Wasser gestürzt. Und dann wäre es zu Ende gewesen. Es hatte wohl seinen Grund, dass ich nicht bewusstlos wurde. Alles hat eben seinen Grund.“ Sagt sie und lacht.

          Trümmerbruch, zerfetzte Bänder, abgerissene Muskeln: Gela Allmann wenige Tage nach dem Unfall im Krankenhaus in Reykjavík

          Allmann ist eine beeindruckende Person. Offen, positiv, mitreißend. Sie hat mit ihrer Art auch vielen Ärzten, Pflegern, Physiotherapeuten imponiert, mit denen sie in den Monaten nach dem Sturz zu tun hatte. Mit ihrer extremen Motivation, dem unbedingten Willen, sich zurückzukämpfen. „Ich kann im Leben schon immer alles positiv sehen, das haben mir meine Eltern gut mit auf den Weg gegeben“, sagt sie. „Aber ich glaube auch, dass man es lernen kann, ein Glas halb voll oder halb leer zu sehen. Und wenn du es halb voll siehst und denkst, es soll jetzt auch noch voll werden, kann man unfassbar viel schaffen.“

          Wie in ihrem Fall. Bei dem fürchterlichen Sturz in Island riss ihre Hauptarterie am rechten Bein. Es bestand die Gefahr, dass sie verblutete. Ihr rechtes Bein war so zerstört, dass die Amputation des rechten Unterschenkels drohte. Trümmerbruch des Schienbeinkopfs, zerfetzte Bänder, kaputter Knorpel und Meniskus, abgerissene Muskeln. Dazu kamen Brüche und Bänderrisse an der Schulter, ein gebrochener Lendenwirbel, großflächige, tiefe Hautabschürfungen. Die Kräfte beim Sturz waren so gewaltig, dass ihr Skistiefel vom rechten Fuß gerissen wurde.

          „Ich will da wieder hin“

          Es gibt ein Foto von Allmann in den ersten Tagen in der Klinik in Reykjavík. Beide Beine sind bandagiert, der Arm genauso, der Körper ist an mehreren Stellen verkabelt, das Gesicht verschrammt. Ein Mensch, wie zerschmettert. Woher nimmt man da die Kraft, die Energie, das positive Denken?

          Allmann sagt: „Dadurch, dass ich alles so bewusst miterlebt habe, dass es so schlimm war und ich wirklich dachte, das kannst du nicht überleben, habe ich in dem Moment, als ich den Sturz gestoppt habe, gedacht: Krass, du lebst ja noch. Du hast es geschafft. Jetzt musst du auch alles dafür geben, dass es wieder gut wird.“ Diese Dankbarkeit hat ihr viel Kraft gegeben, nicht nur am Anfang: Dankbarkeit dafür, dass die Hubschrauberrettung klappte, die Operationen gut verliefen, keine Entzündung auftrat und keine anderen Komplikationen.

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