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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Showbusiness Rudi Carrell ist tot

 ·  Einer der ganz Großen des deutschen Fernsehens ist tot: Rudi Carrell starb bereits am Freitag im Alter von 71 Jahren in Bremen. Mit Shows wie „Am laufenden Band“, „Rudis Tagesshow“ oder „Sieben Tage, sieben Köpfe“ hatte Carrell Fernsehgeschichte geschrieben.

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Rudi Carrell ist tot. Wie Radio Bremen am Montag mitteilte, starb der Entertainer bereits am Freitag im Alter von 71 Jahren in Bremen. Anfang 2005 war bei dem Kettenraucher Lungenkrebs diagnostiziert worden. Carrell hatte es mit Fassung getragen und über den nahenden Tod gesprochen: „Ich werde noch lange als Wiederholung weiterleben.“

Bei seinem letzten Fernsehauftritt zeigte Rudi Carrell, daß er die Lektion seines Vaters verstanden hatte: „Das Publikum muß zweimal am Abend weinen“, hatte der Showmaster André Carrell seinem Sohn eingepaukt. Als Rudi Carrell im Februar die Goldene Kamera für sein Lebenswerk in Empfang nahm, weinten viele. Zum einen aus Sorge um den wegen seines Lungenkrebses schon spindeldürren Niederländer - aber auch aus Rührung über den Witz, den er sich auch im Angesicht des Todes bewahrt hatte. Nur mit piepsiger Stimme konnte der 71jährige damals noch sprechen, und nahm es dennoch mit Humor. „Mit so einer Stimme wird man in Deutschland noch Superstar.“

Im Gegensatz zu den von ihm verspotteten Fernseh-Nachwuchssängern war der nun seinem Krebsleiden erlegene Carrell zeitweilig ein wirklicher Superstar in Deutschland. Mit Showmastern wie Peter Alexander, Peter Frankenfeld oder Hans-Joachim Kuhlenkampf hatte er die Fernsehunterhaltung in Deutschland in den sechziger und siebziger Jahren groß gemacht - und unterhielt auch am Ende seiner Karriere mit „7 Tage - 7 Köpfe“ auf RTL noch immer ein Millionenpublikum. „Die Sendung hat mir übrigens am meisten Spaß gemacht“, sagte er im Rückblick auf seine Erfolge. Dabei konnte Carrell in der von schnellen Gags lebenden Produktion gar nicht die ganzen Facetten des Showmastertums zeigen, das der Schulabbrecher ab seinem 17. Lebensjahr auf den Bühnen seines Heimatlands erlernt hatte. „Da mußt du alles können: Klamotte machen, Drama, singen, tanzen, schreiben, zaubern - alles“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“ in einem seiner letzten Interviews.

Video: Goldene Kamera für Rudi Carrell

Straßenfeger „Am laufenden Band“

Das Format, in dem der am 19. Dezember 1934 im holländischen Alkmaar als Rudolf Wijbrand Kesselaar geborene Carrell alle Seiten seines Talents zeigen konnte, war auch gleichzeitig sein erfolgreichstes. „Am laufenden Band“ war von 1974 bis 1979 einmal im Monat der Straßenfeger am Samstagabend. Der ARD bescherte die von Alfred Biolek produzierte Show aus Spielen, Sketchen und Musik regelmäßig Einschaltquoten von über 60 Prozent. Den Besuch Muhammed Alis, gegen den er sich 1975 zusammen mit vier Kandidaten einen halbstündigen Gag-Fight in einem eigens im Studio aufgebauten Ring lieferte, bezeichnete Carrell selbst als Höhepunkt seiner Karriere.

Zu dieser Zeit war der Holländer schon Stammgast in den deutschen Wohnzimmern: Nachdem er 1964 zu Radio Bremen gegangen war - Angebote aus Hamburg oder München lehnte Carrell ab, weil er Bremen so „holländisch-gemütlich“ fand - wurde er rasch zum Zuschauermagneten. Auf über ein Dutzend Fernsehshows brachte er es - und produzierte kaum Flops. Ob „Die Rudi Carrell Show“, „Die Verflixte 7“ oder „Laß dich überraschen“ - fast immer wieder folgte ein Millionenpublikum dem Moderator. Seine Kuppelshow „Herzblatt“ lief fast zwanzig Jahre lang, zuletzt mit dem siebten Moderator.

Als Sänger gelangen ihm Klassiker

Und „Rudis Tagesshow“ wird noch heute immer wieder als Wiederholung in den dritten Programmen gezeigt. Mit einer Ausgabe der Comedy sorgte Carrell 1987 lange vor dem Karikaturen-Streit für einen Skandal, der ihm Morddrohungen und der Bundesregierung Ärger mit Iran einbrachte: Er ließ Ayatollah Khomeini von verschleierten Frauen mit Dessous bewerfen. Daß Carrell quasi nebenbei auch als Filmschauspieler arbeitete, war vor allem ein Phänomen der Zeit. Anfang der siebziger Jahre gedrehte Werke wie „Tante Trude aus Buxtehude“ und „Wenn die tollen Tanten kommen“ paßten zur damaligen Lust der Deutschen auf alberne Klamotte.

Als Sänger gelang Carrell dagegen 1976 mit „Wann wird's mal wieder richtig Sommer?“ sogar ein Evergreen, ebenfalls ein Klassiker wurde „Goethe war gut“. Auch wenn der dreimal verheiratete Vater von drei Kindern und Großvater von drei Enkelkindern während seiner Karriere als eher unnahbar galt und bei seinen Kollegen wegen seiner Wutausbrüche teilweise sogar gefürchtet war, war er am Ende doch mit sich im Reinen. Er verspüre eine große Dankbarkeit für sein Leben und seine Entscheidung, nach Deutschland gegangen zu sein, sagte er in einem Interview. Bei der Verleihung der Goldenen Kamera gab er diesen Dank auch an seine Fans weiter: „Es war eine Ehre, in diesem Land und vor diesem Publikum Fernsehen machen zu dürfen.“

Rudi Carrell im O-Ton:

„Ich stelle mir mein Publikum immer so vor, wie es ist: nämlich im Wohnzimmer.“

„Wenn jemand das Bundesverdienstkreuz verdient, dann bin ich es, denn ich habe gezeigt, daß die Deutschen Humor haben.“

„Keiner ist so publikumsnah wie ich.“

„Witze kann man nur dann aus dem Ärmel schütteln, wenn man sie vorher hineingesteckt hat.“

„Nachrichtensprecher fangen stets mit „Guten Abend“ an und brauchen dann 15 Minuten, um zu erklären, daß es kein guter Abend ist.“

„Aber mich reizt auch das große Familienprogramm nicht mehr, denn es gibt die Familie nicht mehr, die Samstagabend geschlossen vorm Fernseher sitzt.“

„Die Leute, die eine Rolle in meinem Leben gespielt haben, die mir wichtig waren, von denen sind die meisten gestorben.“

„Wenn das bei der Goldenen Kamera mein letzter Auftritt war, dann kann man sich keinen schöneren Abschied vorstellen.“

„Mit dieser Stimme kann man in Deutschland immer noch Superstar werden.“

Rudi Carrells größte Erfolge:

„Rudi-Carrell-Show“ (1965-1974 und 1988-1992): Die auch unter dem Titel „Laß dich überraschen“ bekannte Unterhaltungs-Show bot Musik, Tanz, Parodie und Sketch.

„Am laufenden Band“ (1974-1979): Die Gewinner der Quizshow mußten sich Gegenstände merken, die auf einem Förderband an ihnen vorbei liefen. Woran man sich erinnerte, das durfte man behalten. Die Einschaltquoten erreichten bis zu 64 Prozent.

„Rudis Tagesshow“ (1981-1987): Mit der Persiflage auf die Tagesschau gelang Carrell ein glänzendes Comeback. Außenpolitischen Ärger gab es 1987 nach einer Film-Montage über den damaligen iranischen Staatsführer Ajatollah Khomeini.

„Herzblatt“ (1987-1993): Die Single-Show kam beim Publikum gut an und blieb auch mit anderen Moderatoren beliebt.

„7 Tage - 7 Köpfe“ (1996-2005): Der satirische Wochenrückblick mit verschiedenen Komikern war Carrells erfolgreiche Sendung bei RTL. Zuletzt litt die Serie jedoch unter niedrigen Einschaltquoten.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP, dpa
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