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Hollywood : Frau verlässt Weinstein nach Vergewaltigungsvorwürfen

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Dem Hollywood-Produzenten wird nun auch Vergewaltigung vorgeworfen. Berühmte Schauspielerinnen wie Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie berichten über unangenehme Erfahrungen mit Weinstein. Die Obamas sind „angewidert“.

          Der Skandal um den Hollywoodmogul Harvey Weinstein zieht immer größere Kreise. Inmitten der Vorwürfe über sexuelle Belästigungen trennte sich auch Ehefrau Georgina Chapman (41) von dem 65-jährigen Weinstein, wie verschiedene amerikanische Medien übereinstimmend berichteten. Sie leide mit allen Frauen, die „nach diesen unverzeihlichen Aktionen“ unermesslichen Schmerz erlitten hätten, zitierte unter anderem das Magazin „People“ aus einer Erklärung Chapmans.

          Das Magazin „New Yorker“ hatte zuvor berichtet, drei Frauen beschuldigten den 65-Jährigen der Vergewaltigung. Die 42-jährige Asia Argento berichtete, dass Weinstein sie vor 20 Jahren in einem südfranzösischen Hotelzimmer zum oralen Sex gezwungen habe. Wegen der enormen Größe des Ex-Produzenten, der in der Vergangenheit bis zu 136 Kilo wog, sei sie voller Furcht gewesen: „Es wollte nicht aufhören. Es war ein Albtraum.“ Ähnlich lautete die Schilderung der Schauspielerin Lucia Evans. Sie berichtete, Weinstein habe sie 2004 im New Yorker Büro des Filmstudios Miramax zum Oralsex gezwungen. Eine weitere Frau, die anonym bleiben wollte, erzählte, dass Weinstein sie unter einem Vorwand in ein Hotelzimmer gelockt habe. Dort habe er dann plötzlich in den Bademantel gewechselt und sei über sie hergefallen. Der Film-Mogul wehrte sich gegen diese neuen Vorwürfe: „Alle Anschuldigungen über nicht einvernehmlichen Sex werden von Herrn Weinstein unmissverständlich zurückgewiesen,“ erklärte eine Sprecherin.

          Unterdessen warfen aber zahlreiche weitere prominente Weggefährten warfen dem Produzenten unter anderem sexuelle Belästigung vor. Weinstein habe sie als 22-Jährige angefasst und massieren wollen, sagte Schauspielerin Gwyneth Paltrow der „New York Times“. Sie habe sich aber geweigert. Auch ihre Kollegin Angelina Jolie berichtete der Zeitung von einer „schlechten Erfahrung“ mit Weinstein in ihrer Jugend. „Als Ergebnis habe ich mich entschieden, nie wieder mit ihm zu arbeiten, und andere vor ihm zu warnen. Dieses Verhalten gegenüber Frauen ist in jeder Branche und in jedem Land inakzeptabel.“

          Hillary Clinton und Barack Obama zeigen sich entsetzt

          Auch die frühere Außenministerin und Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zeigte sich entsetzt. „Ich war schockiert und entsetzt von den Enthüllungen“, teilte Clinton (69) über ihren Sprecher auf Twitter mit. Weinsteins Verhalten könne nicht hingenommen werden. „Ihr Mut und ihre Unterstützung anderer ist entscheidend dabei, derartiges Verhalten zu beenden.“  Der ehemalige Präsident Barack Obama und seine Ehefrau Michelle zeigten sich „angewidert“ von dem Verhalten des Großspenders der Demokratischen Partei. „Jeder Mann, der Frauen in solcher Art erniedrigt und herabsetzt, muss verurteilt und zur Rechenschaft gezogen werden, unabhängig von seinem Reichtum oder Status“, erklärten die beiden. Zugleich lobten sie den Mut der Frauen, die mit ihren „schmerzhaften Geschichten“ an die Öffentlichkeit gegangen seien.

          Weinstein hatte amerikanische Demokraten in verschiedenen Wahlkämpfen nach CNN-Angaben insgesamt Zehntausende Dollar gespendet. Darunter waren neben Hillary Clinton und Obama auch Senatoren wie Elizabeth Warren und Chuck Schumer. Einige Senatoren kündigten nach den Enthüllungen an, Spenden Weinsteins für wohltätige Zwecke zu spenden.

          Zuvor waren bereits Weggefährten wie Meryl Streep, George Clooney, Lena Dunham, Judi Dench, Kate Winslet, Mark Ruffalo und Christian Slater auf Distanz zu Weinstein gegangen. Die Frauenrechtsanwältin Gloria Allred forderte Weinstein am Dienstag auf, an einem Mediationsverfahren teilzunehmen. „Wenn er ein Verfahren zulässt, das Gerechtigkeit möglich macht, würde ihm das sehr dabei helfen, seinen Ruf zu reparieren“, sagte Allred bei einer Pressekonferenz in Los Angeles.

          Nach Berichten der „New York Times“ soll der einflussreiche Produzent jahrzehntelang junge Talente und Mitarbeiterinnen sexuell belästigt und mit Abfindungen zum Schweigen gebracht haben. Weinstein hatte daraufhin erklärt, eine Auszeit nehmen zu wollen. Am Sonntag erhielt er von seinem Filmstudio The Weinstein Company (TWC), das er zusammen mit seinem Bruder Bob gegründet hat, die Entlassung.

          Der ältere Weinstein-Bruder Harvey hatte mit seinem Bruder Bob 1979 das Studio Miramax gegründet. 1993 veräußerten sie das Unternehmen an Walt Disney Co., führten es aber aktiv weiter. Im Jahr 2005 gründeten die beiden eine neue Firma, The Weinstein Company (TWC). An dieser hielten sie zuletzt einen Anteil von 42 Prozent.

          Quelle: spo./dpa/AFP

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