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„Selfies“ : Ich knipse, also bin ich

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Wer ist Promi, wer Groupie? Harald Schmidt und Boris Palmer schießen 2012 ein „Group Selfie“.
Wer ist Promi, wer Groupie? Harald Schmidt und Boris Palmer schießen 2012 ein „Group Selfie“. : Bild: Gyarmaty, Jens

Yasemin ist 17 Jahre alt, sie geht noch zur Schule und trifft sich gerne mit Freunden, so schreibt sie im Chat. Das fand sie besser als telefonieren. Fast jeden Tag postet sie ein neues Bild bei Instagram, da hat sie 150 Follower, das variiert aber von Tag zu Tag. Likes seien ihr nicht so wichtig, schreibt sie. Also nicht, ob es fünf oder 20 sind. Aber sie freut sich schon ein bisschen manchmal, so wie heute, da hat sie gesehen, dass jemandem ihr Bild gefällt. Und der ist megahübsch und megagefragt! Sie sei sehr selbstkritisch, zum Beispiel bei ihrer Figur. Da sei es schön, wenn mal jemand kommentiert: „Heftige Figur.“

Yasemin schreibt, bei den Selfies könne sie selbst entscheiden, was sie aussagen will. Meistens lächele sie, um zu zeigen, wie schön der Moment oder Tag ist. Aber es gebe da auch eins, wo sie ernster guckt, beinahe arrogant. Das ging an einen Jungen, mit dem sie Stress hat. Sie lasse sich doch nicht verarschen.

Kontrolle. Darin liege der große Reiz, erklärt die Soziologin Bernadette Kneidinger von der Universität Bamberg. Sie hat Facebook-Nutzer befragt, wie sie in dem Netzwerk interagieren, auch mit Bildern. Man habe es selbst in der Hand, sagt sie, im wahrsten Sinne des Wortes natürlich: Die Bilder sollen zeigen, wer man ist. Frauen lächelten deshalb auch öfter, während Männer manchmal nicht mal in die Kamera schauen. Das würde nicht zu ihrem Rollenbild passen.

Kontrolle und Identität, darum geht es vielleicht am Ende allen, egal ob sie selbstverliebt oder unsicher sind.

Da sind die fünf amerikanischen Mädchen auf dem Sofa, die eine Sendung zum Thema „Wie mache ich das perfekte Selfie?“ aufzeichnen. 60.000 Menschen haben sich das Video auf Youtube angeschaut. Kein Zweifel, die Mädchen mögen sich und ihre Bilder. Das sagen sie sehr oft und sehr laut. Eine schwierige Kindheit muss das gewesen sein. Damals, als sie nichts tun konnten außer lächeln. Und warten. Und hoffen. Dass der andere hinter der Kamera den Moment erwischt hat. Diese Zeiten sind vorbei. Jetzt haben sie die Kontrolle.

Aber Vorsicht! Es wird kompliziert. Trick 1: Man nehme eine Spiegelreflex-Kamera, die macht nämlich bessere Bilder. Dann lädt man das Bild auf den Computer und schickt es sich als Mail aufs Smartphone. Trick 2: Mit einem zweiten Smartphone die Videofunktion anschalten und dann deren Blitz verwenden. Oder so ähnlich. Das gebe jedenfalls ein gutes Licht. Ja, so was machen nur Verliebte.

Braucht noch Hilfe: vier Jahre alter „Selfie“-Nachwuchs, geknipst vom Vater.
Braucht noch Hilfe: vier Jahre alter „Selfie“-Nachwuchs, geknipst vom Vater. : Bild: AP

Aber da sind auch noch Prominente wie Elyas M’Barek, bekannt vor allem aus der Serie „Türkisch für Anfänger“. Auf Facebook oder Instagram zeigt er sich in der Natur, im Fitnessstudio oder am Set für einen neuen Film. Es sei die direkteste und ehrlichste Art, den Moment mit den Fans zu teilen, sagt er. Wenn er jemanden frage, das Bild für ihn zu machen, sei es ja gleich wieder gestellt. Und so möchte er wohl nicht wirken, wie ein Promi mit Promi-Fotograf. Ich knipse, also bin ich. Ganz normal. Echt jetzt.

Und dann gibt es Menschen wie die Bloggerin Inka, 31 Jahre, Nickname „Knitterfee“. Sie sagt, sie beobachte sich gerne selbst über die Jahre. Seit Anfang des Jahres nehme sie ab, manchmal färbe sie sich die Haare, oft verändere sich etwas, es sei auch eine Form des „Wie geht’s mir gerade?“. Inka erzählt: „Man wird ja von so vielen gesehen; wie man sich selbst sieht, das kannst du am besten zeigen, indem du ein Foto von dir machst.“ Nicht alles poste sie natürlich; online, das sei nur ein Ausschnitt ihres Lebens. Meist der, in dem es ihr gutgeht.

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