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Selbstverbrennung „Nicht aus Angst, sondern aus Protest“

 ·  Schock, Entrüstung, Ratlosigkeit: Nach der Selbstverbrennung des Pfarrers Roland Weisselberg in Erfurt weiß niemand so recht, warum er Suizid begangen hat. Weisselberg war ein eloquenter, gottesfürchtiger und bis zuletzt agiler Mann.

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Auf der Pressekonferenz am Mittwoch nachmittag zeigen sich Bischof Axel Noack aus Magdeburg und der Kurator des Augustinerklosters in Erfurt, Lothar Schmelz, ratlos. Was sollen sie, die selbst noch erschüttert sind, zur Selbstverbrennung des Pfarrers Roland Weisselberg am Reformationstag vor dem Erfurter Augustinerkloster sagen? Die Erfurter Pröpstin Elfriede Begrich, die mit Verspätung zur Pressekonferenz kommt, macht den Bischof wohl noch ratloser. Denn sie berichtet, daß sie bis eben mit der Witwe gesprochen habe und mit ihr einig sei, das Motiv des Pfarrers offenzulegen, um Spekulationen vorzubeugen. Roland Weisselberg sei es mit seinem Selbstmord „um die Ausbreitung des Islam und die Haltung der Kirchen dazu gegangen. Das war immer sein Anliegen.“ Seit drei Jahren habe er darum gebeten, sich des Themas anzunehmen. Es sei „das große Thema, das uns bewegt für die nächsten Jahre“. Weisselberg habe in Briefen dazu aufgefordert, „das Problem ernster zu nehmen“. Es sei für ihn „wirklich ein Dauerthema gewesen“. Die Kirche, sagt die Pröpstin, habe sich zwar damit beschäftigt, „aber nicht so exzentrisch“.

Sie schildert den 73 Jahre alten Mann als „sehr, sehr aktiv“. Bis vor vierzehn Tagen habe er noch Gottesdienstvertretungen übernommen. Und zu Weihnachten wollten die Weisselbergs zu ihrem Sohn nach Schweden reisen. Er habe ein exzellentes Gedächtnis gehabt, sei stets froher Sinne gewesen, habe in jeder Versammlung Gedichte zitieren können, und er habe in Gedichten gelebt, vor allem in jenen Fontanes und Hölderlins. Wo er theologisch gestanden habe? Woher er seine Haltung abgeleitet habe? Von Fontane und Hölderlin, lautet die Antwort. Ob es eine Begegnung mit dem Islam oder einem Muslim gegeben habe, die sein Motiv erhellen könnte? Das, antwortet die Pröpstin, wisse sie nicht.

Der Bischof glaubt, es war kein Zufall, daß Weisselberg seine Tat am Reformationstag an jenem Ort beging, wo Luther vor ziemlich genau 500 Jahren ins Kloster eintrat und seinen Weg in die Theologie und zur Veränderung der Welt begann. Weisselberg hatte sein Auto einen Fußweg von fünf bis zehn Minuten entfernt vom Kloster in der Nähe des Angers geparkt. Den Schlüssel hatte er an der Rezeption des Klosters hinterlegt. „Deponieren Sie ihn hier. Ich hole ihn nachher wieder ab“, habe Weisselberg gesagt, erinnert sich Kurator Schmelz. Offenbar wollte Weisselberg in die Kirche, um am Festgottesdienst teilzunehmen. Er wählte jedoch eine Tür, die gewöhnlich geöffnet ist, an diesem Tag aber geschlossen war, weil dahinter das Podest des Chores errichtet und es sehr windig war. Dann, sagt Schmelz, sei alles sehr schnell gegangen. Zwischen 10.30 und 10.40 Uhr sei Weisselberg auf jene 2,50 Meter tiefe und mit einem leichten Gitter abgesperrte Baugrube zugegangen, an deren Stelle die alte Bibliothek wiedererrichtet werden soll. Aus einem kleinen Kanister, den er bei sich führte, habe er sich brennbare Flüssigkeit über den Kopf gegossen und die Namen „Jesus“ und „Oskar“ gerufen. Mit letzterem sprach er offenbar Oskar Brüsewitz an, der sich am 18. August 1976 in der Fußgängerzone von Zeitz mit Benzin übergoß und entflammte, um als lebende Fackel durch die Straße zu laufen und ein Zeichen gegen den Kommunismus zu setzen. Auch Brüsewitz starb später an seinen Verbrennungen.

Seine Frau ahnte, wo sich ihr Mann aufhielt

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