08.02.2005 · Rund 44.000 Kilometer im Segelboot legte Ellen MacArthur in der Weltrekordzeit von 71 Tagen zurück. Damit unterbot die 28jährige Britin die erst im Februar 2004 aufgestellte Bestzeit des Franzosen Joyon.
Mit einem Wal und einem Eisberg wäre sie beinahe zusammengestoßen. Sie hat mit Stürmen und Wellen im Atlantik gekämpft - und gewonnen: Die Engländerin Ellen MacArthur ist in Rekordzeit alleine um die Welt gesegelt.
Als die 28jährige Frau in der Nacht zum Dienstag nach über 44.000 Kilometern und mehr als 71 Tagen die Ziellinie überquerte, waren die einsamen Stunden und die schlaflosen Nächte auf hoher See vergessen. „Ich bin überglücklich, es geschafft zu haben“, sagte die neue Weltrekordlerin. Tausende Briten erwarteten MacArthur im englischen Küstenort Falmouth.
Die Seglerin lag entspannt auf dem Deck ihres Bootes, als sie begleitet von mehr als 100 Booten, Hubschraubern und zahlreichen Fernsehkameras auf die englische Küste zusteuerte. „Ich bin so froh, wieder zu Hause zu sein“, sagte MacArthur dem englischen Rundfunksender BBC. „Der Empfang war überwältigend, ich hätte mir keinen besseren vorstellen können. Ich bin wirklich überrascht, wie viele Leute gekommen sind.“
Glückwünsche von der Queen
Die Queen sandte königliche Glückwünsche auf das Siegerboot: „Viele Menschen in Großbritannien und auf der ganzen Welt haben Ihre Reise verfolgt und sind von Ihrem Mut, Ihrem Durchhaltevermögen und von Ihren Fähigkeiten beeindruckt.“MacArthur soll für ihre Rekordleistung von der britischen Königin Elizabeth II. zur Dame geadelt werden, teilte ein Sprecher des britischen Premierministers Tony Blair kurz vor ihrer Ankunft mit.
Tony Blair gratulierte staatsmännisch: „Das ganze Land ist sehr stolz auf Ellen MacArthur.“ Und die Seglerin selbst war einfach nur müde: „Es ist toll, daß ich jetzt mein Gehirn ausschalten kann und mich nicht mehr auf Windgeschwindigkeiten und das Tempo meines Bootes konzentrieren muß.“
Joyon als fairer Verlierer
Die alte Seefahrernation England feiert ihre Extremsportlerin als Heldin. Schließlich löste MacArthur mit ihrem Rekord die Franzosen ab, die seit 20 Jahren bei der Weltumseglung die Nase vorne hatten. Mit ihrer Zeit von exakt 71 Tagen, 14 Stunden, 18 Minuten und 33 Sekunden war die Einhand-Seglerin von der Insel mehr als einen Tag und acht Stunden schneller als der bisherige französische Weltrekordhalter Francis Joyon.
Der Franzose zeigte sich als fairer Verlierer und gratulierte als einer der ersten. „Es ist schon eine Heldentat, daß sie imstande war, die Welt nonstop zu umrunden. Daß sie gleichzeitig auch noch den Rekord geknackt hat, verdient meine herzlichsten Glückwünsche“, sagte er. MacArthur ist nach Joyon der zweite Mensch, der diese Tortur bewältigt hat. Und sie ist die jüngste, die den Versuch wagte.
An Schlaf war kaum zu denken
Von ihrem Boot hat die Britin erst einmal genug. Seit dem 27. November war sie ohne Zwischenstopp mit der nach ihrem Sponsor benannten „B&Q“ auf hoher See unterwegs. Die Engländerin war allein auf dem 8,3 Tonnen schweren, 23 Meter langen und über 27 Meter hohen Trimaran - unterstützt von jeder Menge Technik wie einem Anti- Kollisionssystem, Radar und Satellitentelefon. Das in Australien konstruierte Boot war wegen seiner drei Rümpfe besonders schnell. Es erreichte Geschwindigkeiten von über 30 Knoten, das sind 56 Kilometer in der Stunde.
Zu kämpfen hatte MacArthur vor allem mit ihrer Müdigkeit. In stürmischen Zeiten war an Schlaf kaum zu denken. Obwohl ein Spezialist der amerikanischen Harvard Universität eigens Schlafpläne für die Seglerin entwickelt hatte, stand sie manchmal kurz vor dem Zusammenbruch: „Ich war noch nie in meinem Leben so müde“, schrieb MacArthur nach einem Sturm an ihre Anhänger, die ihre Reise per Internet verfolgten.
Über 61.000 E-Mails
Die Fans schickten Glückwünsche und feuerten die Hochseeheldin, die in die Geschichtsbücher segelte, an. Mehr als 61.000 E-Mails erhielt MacArthur in den vergangenen Wochen. Etwa diese: „Glückwunsch, Ellen! Und wenn Du nie wieder in Deinem Leben etwas tust (ziemlich unwahrscheinlich), dann hast Du doch mehr erreicht als 99,999 Prozent der Menschen. Du bist eine Inspiration für die Welt.“