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Sobibor in Polen : Schmuck von Frankfurter Mädchen in NS-Lager gefunden

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Eine Frauenuhr, die bei Grabungen im ehemaligen NS-Vernichtungslager Sobibor gefunden wurde (undatierte Aufnahme). Bild: dpa

Auf Karolines Anhänger stand der Name der Stadt am Main. Möglicherweise gibt es auch eine Verbindung zu Anne Frank. Nach Angehörigen oder Bekannten des Mädchens wird gesucht.

          Bei Ausgrabungen im ehemaligen NS-Vernichtungslager Sobibor haben Forscher persönlichen Schmuck von Holocaust-Opfern gefunden. Darunter sei auch ein Anhänger, der vermutlich einem Mädchen aus Frankfurt gehört habe, teilte die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am Sonntag mit. Das Vernichtungslager Sobibor wurde während der deutschen Besatzungszeit 1942 in einem Waldgebiet in Südostpolen eingerichtet.

          Auf einer Seite des dreieckigen Anhängers stehen auf Hebräisch die Worte „Mazal tov“ (herzlichen Glückwunsch) und das Geburtsdatum 3. Juli 1929 sowie die Ortsangabe Frankfurt a. M. – auf der anderen Seite sind der hebräische Buchstabe „Hej“ zu sehen, der auch Gott symbolisiert, sowie drei kleine Davidsterne. Yad Vashem geht davon aus, dass der Anhänger einem Mädchen namens Karoline Cohn gehörte.

          Der Anhänger sowie andere Schmuckstücke und Uhren seien bei Ausgrabungen von Forschern aus Polen, Israel und den Niederlanden gefunden worden, hieß es in der Mitteilung. Der Fundort befindet sich vermutlich an der Stelle, an der die Frauen und Mädchen sich auf dem Weg in die Gaskammern ausziehen und sich die Haare scheren lassen mussten. Dabei fielen die persönlichen Gegenstände vermutlich unter die Holzdielen.

          Ein Mahnmal für das deutsche Vernichtungslager, aufgenommen im November 2005 in Sobibor, Polen.

          Yad Vashem geht davon aus, dass der Anhänger einem Mädchen namens Karoline Cohn gehörte. Er ähnele sehr einem Anhänger der in Bergen-Belsen ermordeten Anne Frank, die durch ihr Tagebuch weltberühmt wurde. Cohn und Frank seien im selben Jahr in Frankfurt geboren worden und möglicherweise verwandt, hieß es in der Mitteilung.

          Die Gedenkstätte in Jerusalem rief Verwandte oder Bekannte von Karoline Cohn auf, sich zu melden. Gesucht wird acuh nach Kontaktpersonen zu Sophie Kollmann, die 1978 Gedenkblätter für Karoline und ihre Eltern Richard und Else Cohn ausgefüllt hatte. Kontaktadresse ist Yoram Haimi, mit der Mail-Adresse yoramhi@israntique.org.il.

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