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Schauspielerin Susanne Wolff : „Weinen im Kino geht schneller als Lachen“

  • -Aktualisiert am

Susanne Wolff, die 1973 in Bielefeld geboren wurde und aus Theater und Film bekannt ist, denkt gern über das Leben nach. Bild: Julia Zimmermann

Die Schauspielerin Susanne Wolff über den Film „Rückkehr nach Montauk“, Entspannungsrituale vor dem Auftritt und ihre Faszination für männliche Rollen.

          Frau Wolff, können Sie als Profi selbst weinen und lachen, wenn Sie im Kino sitzen?

          Interessante Frage. Im Film „Wilde Maus“ von Josef Hader habe ich gerade gelacht. Aber das ist nicht so ein hemmungsloses Lachen. Weinen geht schneller. Und ich könnte noch viel mehr im Kino weinen, aber ich kontrolliere mich dann. Man weiß ja auch: Der Film ist irgendwann zu Ende, und dann muss man rausgehen und will da nicht mit verheulten Augen stehen. Ich gehe leidenschaftlich gern alleine ins Kino. Und ich wünsche mir eine Telefonnummer, bei der man anschließend anrufen kann, um über den Film zu diskutieren. Und dann hätte ich je nach Tagesform gern einen streitbaren Partner oder einen, der absolut meiner Meinung ist. Ich bin sehr emotional, so ein Kinobesuch kann mir einen ganzen Tag verhageln.

          Wie erleben Sie eine Filmpremiere wie für „Rückkehr nach Montauk“ im Vergleich zum Theater? Ist es nicht merkwürdig, wenn man sich auf der Leinwand selbst beim Spielen zusieht?

          Es ist schon komisch, auch weil zwischen Dreharbeiten und fertigem Film in der Regel ein Jahr vergangen ist. Das ist gigantisch lange. Am Theater bin ich von Anfang bis Ende dabei und im Moment. Ich habe das auch auf der Premierenfeier festgestellt. Ich war in einer ganz anderen Verfassung.

          Inwiefern?

          Wenn man Theater gespielt hat, ist man waidwunder. Da muss man sehr vorsichtig sein, was man anschließend alles hören möchte. Aber durch den zeitlichen und auch körperlichen Abstand war ich in einem anderen Zustand. Ich wollte sofort losdiskutieren, über den Film und über mich. Das wäre mir als Theaterschauspielerin überhaupt nicht möglich. Da denke ich dann: Sag mir mal lieber nur die positiven Sachen. Da bin ich dünnhäutig.

          Kinotrailer : „Rückkehr nach Montauk“

          Beim Film überlassen Sie einem Regisseur, in diesem Fall Volker Schlöndorff, ein großes Stück von sich selbst, und er macht später damit, was er will. Wie gehen Sie damit um?

          Das ist tatsächlich der größte Unterschied zwischen Film und Theater. Weil ich in den vergangenen zwei Jahren mehr vor der Kamera als auf der Bühne stand, ist mir das besonders aufgefallen. Das ist auch das größte Wehleid, sage ich jetzt mal pathetisch. Da habe ich so gar nichts mehr in der Hand. Es sind ja viele Leute, die das interpretieren, was ich gemacht habe, im Schnitt oder mit der Musik, die darunter gelegt wird. Vielleicht suchen sie eine Szene aus, in der ich mich gerade nicht gut fand. Ich denke dann manchmal: Aber da fehlt doch dieses und jenes, und das ist auch nicht drin, die Szene ist viel zu kurz, man kann sie gar nicht begreifen. Das macht mich unruhig. Trotzdem scheint sie für die Zuschauer zu funktionieren. Das muss ich sinken lassen und verarbeiten.

          Wo wäre Ihr „Montauk“, der Ort, an dem Sie über das Leben und die Liebe reflektieren würden?

          Mir fallen da spontan Orte ein, die mich auf Reisen beeindruckt haben. Da möchte ich noch einmal hin. Aber das sind keine Sehnsuchtsorte, an denen sich etwas so Herausragendes ereignet hat, dass ich da noch einmal über mein Leben nachdenken müsste. Das ist eher ein lustvolles Denken an Orte, die eine unglaubliche Energie hatten. Mexiko hat mich zum Beispiel sehr beeindruckt.

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