Mrs. Beckinsale, als ich mich vorbereitet habe, war das Erste, was ich in deutschen Zeitungen gefunden habe, ein Zitat darüber, dass Sie nicht gerne Unterhosen tragen. Wie finden Sie es, dass sich anscheinend Menschen in aller Welt für so etwas interessieren?
Das ist wirklich albern. Ehrlich, dieser Unterwäsche-Journalismus. Es ist ja offensichtlich, dass ich jetzt welche trage. (lacht) Ich denke, das ist eine dieser Sachen, die einen jemand am Ende eines langen Interviews fragt - und plötzlich steht es überall. Aber das bin nicht wirklich ich. Das ist jemand, der in einen Raum reingeht und verkündet: „Ich trage keine Unterwäsche.“
Lesen Sie Klatschmagazine?
Ich versuche, das zu vermeiden. Es ist sehr frustrierend, falsch dargestellt und falsch zitiert zu werden. Und man kann nicht viel dagegen machen. Deswegen ist es besser, seine Energie in Dinge zu stecken, die einen weiterbringen.
Was lesen Sie dann? Dostojewski?
Nein, ich lese ja nicht unbedingt Bücher noch einmal, die ich schon gelesen habe. Und Dostojewski habe ich gelesen, ich glaube schon, ich habe das ja lange studiert.
Was haben Sie von Dostojewski gelernt?
Von Dostojewski speziell? Keine Ahnung. Aber Russisch zu studieren war etwas Wunderbares. Dostojewski war nicht mein russischer Lieblingsschriftsteller. Die Dichterin Anna Achmatowa hat mich sehr begeistert. Und ich war ein großer Fan von Solschenizyn.
In Oxford studierten Sie neben russischer auch französische Literatur. Warum haben Sie das Studium nach drei Jahren abgebrochen?
Dafür gab es viele Gründe. Einige waren persönlich, andere hatten damit zu tun, dass ich ein Jahr in Paris war. Als ich zurückkam, wollte ich nicht mehr einfach weitermachen. Ich war nicht so wild darauf, einen Abschluss zu bekommen.
Ihre ersten Filme waren Shakespeare- und Austen-Adaptionen. Jetzt spielen Sie meistens in Fantasy- und Actionfilmen. Fühlen Sie sich manchmal unterfordert?
Mmmh, manchmal. Intellektuell unterfordert: ja. Körperlich: nein. Ich nehme gerne Rollen an, die mich herausfordern. Und man kann nicht nur intellektuell herausgefordert werden. Ich versuche das auszugleichen, indem ich auch Independent-Filme mache, in denen ich mich geistig wohler fühle. Die sehen halt weniger Leute.
Ihre Kollegen Channing Tatum und Matthew McConaughey sagten in einem Interview, dass es für Männer so schwer sei, sexy auszusehen. Und für Frauen so einfach. Würden Sie dem zustimmen?
Nein. Was meinten sie damit?
Sie sagten, wenn ein Mann versuche, sexy auszusehen ...
Oh, ja. Wahrscheinlich ist es für Frauen ein bisschen einfacher. Also in dem Sinn: Wenn Sie Ihre Freundin beeindrucken wollen und sexy Unterwäsche kaufen. An einem Mann sieht alles komisch aus.
Sie selbst wurden zur „Sexiest Woman Alive“ und dergleichen gekürt. Sind Sie darauf stolz?
Es ist ja keine Beleidigung. Aber es ist auch nichts, worüber ich mir viele Gedanken mache. Es wäre befremdlich, wenn ich herumlaufen und sagen würde: Oh Gott, ich bin die heißeste Frau der Welt.
Wie bringen Sie Ihrer 13 Jahre alten Tochter bei, dass es im Leben um mehr geht als um schöne Körper und Inszenierungen?
Ganz einfach, ich lebe das ja selbst nicht. Es gibt niemanden in ihrer Nähe, der diese Dinge über alles preist. Ich liebe es zu lesen und zu diskutieren - und meine Tochter ist sich sehr bewusst, wer ich bin.
Und die anderen Mädchen, die die private Kate Beckinsale nicht kennen: Denken Sie, dass die von inszenierten, vielleicht manipulierten Fotos beeinflusst werden?
Ja. Junge Mädchen sind von Natur aus sehr unsicher und verletzlich. Es ist schwer, eine Teenagerin zu sein, es gehört zu den schwersten Sachen überhaupt. Und ich denke, es ist entmutigend, manipulierte, unrealistische Fotos zu sehen.
Indem Sie für solche Fotos posieren, denken Sie ...
Ich habe keine Kontrolle darüber, ob die Fotos bearbeitet werden. Ich weiß nicht, ob Ihnen das klar ist, aber wenn ich solche Fotos mache: A bekomme ich kein Geld dafür. B darf man die Bilder nicht autorisieren, ich sowieso nicht. Wenn jemand die Bilder mit Photoshop bearbeiten will, dann macht er das, ganz egal, wie sehr einen das aufregt. Ich finde das wirklich schlimm, aber ich gebe nicht die Anweisungen dazu.
Wie erging es Ihnen selbst als junge Frau?
Es war schwer, ich fand das hart. Es war hart, aufzuwachsen. Die Jahre als Teenager waren ein echter Kampf, und ich war froh, als ich in meine Zwanziger kam.
Was waren die Schwierigkeiten, vor denen Sie damals standen?
Über diese persönlichen Dinge will ich nicht unbedingt sprechen.
Können Action-Heldinnen in so einer Situation Vorbilder sein?
Ich denke, es gibt Kraft, starke Frauen in Filmen zu sehen. Frauen, die nicht nur irgendwelche Opfer sind oder passive Rollen haben. Ich erinnere mich noch, wie ich als junge Frau „Thelma & Louise“ gesehen habe. Ich fühlte mich gestärkt und aufgeregt, zwei Frauen in solchen Rollen zu sehen.
In „Total Recall“ sind Sie nicht die Heldin, sondern die böse Gegnerin von Colin Farrell und Jessica Biel. Hat Ihnen das Spaß gemacht?
Meine Figur denkt nicht, dass sie das böse Mädchen ist. Sie hält sich für die Heldin. Vielleicht ist das bei allen Schurken so. Es hat sehr viel Spaß gemacht, die Rolle hat eine interessante Mischung: Sie ist unerbittlich, gut ausgebildet und geschickt - trotzdem ein bisschen aufgewühlt.
Haben Sie die Rolle angenommen, weil Ihr Ehemann Len Wiseman Regie führte - oder obwohl er dabei war?
Er ist ein Regisseur, mit dem ich sehr gerne zusammenarbeite. Deshalb würde ich sagen: wegen ihm.
Wie unterschiedet sich die Arbeit mit Ihrem Mann von der Arbeit mit anderen Regisseuren?
Mit anderen Regisseuren gehe ich nach dem Dreh nicht nach Hause, das ist klar. Und wenn der eigene Ehemann jemand ist, dessen Kreativität man bewundert, dann ist das großartig, weil man ja eine gewisse Intimität hat, sich sicher fühlt, den gleichen Geschmack hat.
Also kein Ehekrach am Set?
Nein, nein, nein. Ich hatte in dem Film ja nicht die große Charakterrolle. Die wichtigste Beziehung an einem Set ist die zwischen dem Regisseur und dem Hauptdarsteller. Ich habe mich deshalb bewusst etwas zurückgezogen, so dass sie miteinander verheiratet sein konnten.
Und auch keine Eifersuchtsszenen, als Sie mit Colin Farrell ins Bett gestiegen sind?
Das war ziemlich zahm. Es war ja keine sehr intensive Liebesszene, darum war das in Ordnung.
In dem Film gibt es die Firma „Rekall“, die Menschen Erinnerungen einpflanzt. Wessen Erinnerungen würden Sie gerne bekommen?
Wessen Erinnerung, Mensch. Ich wäre gern ein großer Rockstar, so jemand wie Freddie Mercury.