http://www.faz.net/-gum-6vkar

Schauspieler Robin Williams : Funny man, happy

  • -Aktualisiert am

„Seien Sie lustig“ - Von Robin Williams erwarten die Leute, immer „on“ zu sein Bild: dapd

Wie Robin Williams einen neuen Blick aufs Leben lernte - und warum weniger manchmal mehr ist. Ein Treffen mit einem verliebten Filmkomiker in Beverly Hills.

          „Wir haben uns vor dem Apple-Store kennengelernt, ich wollte ein Bluetooth-Headset kaufen“, sagt Robin Williams. Es ist ein Zeichen für die Nachhaltigkeit seiner komischen Kunst, dass das aus seinem Mund irgendwie klingt wie der Auftakt für einen seiner Stand-up-Monologe. Dabei beschreibt Williams doch eigentlich den Augenblick, in dem er zum ersten Mal Susan Schneider traf, die Graphikdesignerin, die vor kurzem seine dritte Ehefrau wurde. „Ich sah sie da stehen und dachte immer wieder, wie schön sie ist. Aber ich hatte auch das Gefühl, sie zu kennen. Ich sagte: ,Kenne ich Sie nicht?’“ Williams macht eine Pause und grinst. „Ich weiß. Das klingt nach einer miesen Anmache in einer Bar, einem dummen Spruch. Aber es ist die Wahrheit.“

          Beverly Hills, eine Hotelsuite, Kaffee auf dem Tisch. Ich war gekommen, um mit dem Star von Filmklassikern wie „Garp und wie er die Welt sah“, „Good Morning, Vietnam“, „Der Club der toten Dichter“, „Good Will Hunting“, „Zeit des Erwachens“ und „Mrs. Doubtfire“ zu plaudern, und im selben Moment, da er vom Sofa hochgesprungen war, um mich zu begrüßen, war klar gewesen: Der Mann ist total verliebt - so, wie das denkbar breiteste Grinsen seine vertrauten Gesichtszüge zum Leuchten bringt.

          „Ich fühle mich großartig“

          Im Frühjahr 2009 musste sich Williams, 60, einer Herzoperation unterziehen, in deren Verlauf eine defekte Aortaklappe ersetzt werden musste, doch heute strotzt er vor Gesundheit, sieht schlank und fit aus in dem schwarzen T-Shirt und den schwarzen Jeans. „Ich fahre überall mit dem Rad hin, ich fühle mich großartig“, berichtet der Schauspieler. „Wenn man eine Herz-OP hat, wird man sehr empfindlich, emotional sehr offen, was eigenartig ist, weil man ja buchstäblich einen Riss in der Brust hat - aber das macht einen offen, man schätzt die einfachen Dinge wieder, so wie das Atmen.“ Trotz der grauen Haare und der Falten im Gesicht ist Williams’ Erscheinung etwas Jungenhaftes geblieben, hat er ein Funkeln in den Augen, das ihn deutlich jünger aussehen lässt.

          Körperlich wieder zu Kräften kommen lassen hat ihn das Fahrradfahren in den Hügeln in Nordkalifornien, wo er lebt. Sein seelisches Wohlbefinden allerdings, so berichtet er, verdanke er seiner Frau; Susan, 47, habe ihn einen neuen Blick aufs Leben gelehrt. Den allerdings brauchte er auch nach den vorangegangenen harten paar Jahren; nicht nur hatte er einen Rückfall in den Alkoholismus, nachdem er zwei Jahrzehnte lang trocken geblieben war, sondern musste auch noch die Scheidung von seiner Frau Marsha Garces verkraften, mit der er 19 Jahre lang verheiratet war und mit der er zwei Kinder hat, Zelda, 22, und Cody, 19. (Einer früheren Ehe entstammt Sohn Zachary, 28.)

          Williams mit seiner Frau Susan Schneider: „Kenne ich Sie nicht?“

          „Es war verrückt, eine wilde Zeit, die Reha, dann die Herz-OP“, erinnert sich Williams. „Aber jetzt gerade ist alles wunderbar. Meine Midlife-Krise hatte ich in meinen Vierzigern, also ist das Leben mit 60 großartig. Sobald man so eine Operation am Herzen hatte, wird man zu Ich 2.0. Meine Frau hat mir durch so vieles hindurchgeholfen. Liebe ist das Wichtigste im Leben oder zumindest nahe dran; sie ist ein Geschenk.“ Die Hochzeit ist keinen Monat her, in einem Resort im Napa Valley, „mit genau der richtigen Anzahl von Leuten, 100, nichts Großes, nur Freunde und Familie“. Prominente Freunde? „Die meisten mit den berühmten Namen“, Steven Spielberg etwa, „waren nicht dabei.“

          Doch Gott sei Dank, Williams’ neugefundene Zufriedenheit mit dem Leben hat seinem Witz nicht geschadet, wie sich allmählich zeigt, als er von den Flitterwochen in Paris berichtet, aus denen er gerade zurückgekehrt ist. „Ich war auch schon im Frühling in Paris, was selbstredend ein Klischee ist, aber die Idee, im November hinzureisen, wenn es stiller ist, erwies sich als traumhaft. Die Leute sagten ständig: ,Es tüt üns leid wegen de Wättähr’“ - seine Stimme nimmt einen cartoonhaften französischen Akzent an. „Ich sagte dann: ,Ich komme aus San Francisco, das ist schon in Ordnung.’“ Lebhaft beschreibt Williams das Hotelzimmer des Paares, das er winzig nennt: „die Toulouse-Lautrec-Suite“, lacht er.

          Wird die Ehe beim dritten Anlauf anders?

          Aber auch sentimental kann Williams, dessen komische Filmrollen ja oft einen Untergrund von Schmerz andeuten, noch werden, wenn er an den Honeymoon in Frankreich zurückdenkt: „Es war très magnifique“, sagt er mit einem Seufzer, und tatsächlich spricht er Französisch fließend. Seine Arme holen zur großen Geste aus: „Les musées, manger et l’amour, ça suffit.“

          Und die Ehe, wird sie beim dritten Anlauf anders? „Man denkt, sei dankbar für das, was du hast, statt sich ständig nach etwas anderem umzusehen. Ich genieße es, verheiratet zu sein, in der Beziehung präsent zu sein - ich war schon auch präsent in den anderen Ehen, aber . . .“ - er lässt den Gedanken in der Luft hängen.

          Kreuz und quer durch Amerika

          Wie die Einsamkeit sich anfühlt, weiß der in Chicago geborene Williams aus seiner Kindheit, wie er an diesem Nachmittag in Beverly Hills ebenfalls erzählt. Seine Familie zog oft um, kreuz und quer durch Amerika, da fiel es ihm schwer, Freunde zu finden: „Ich war oft alleine, als ich aufwuchs. Es gab lange Abschnitte meines Lebens, die ich allein verbrachte. Ich sammelte Modellsoldaten, Tausende davon. Man hat niemanden, mit dem man spielen kann, nur sich selbst. Man lernt, wie man Spiele für sich selbst erfindet, und man liest viel. Das war nicht wirklich ein Spaß, aber später entwickelt man Strategien, die einem helfen, zu überleben. Das hilft einem als Komiker, und es verschafft einem Phantasie.“ Erst als er 12 war und die Familie in den Norden Kaliforniens zog, waren da mehr Kinder in der Nachbarschaft - und Freunde.

          Von den Ängsten, die er aus jenen frühen Tagen aber womöglich mitgebracht hat, redet Williams, als wir über seinen neuesten Film zu sprechen kommen, „Happy Feet 2“, ein Animationsabenteuer, für das er zwei Pinguinen seine Stimme geliehen hat. Einen der Pinguine, „Ramon“, beschreibt der Schauspieler als „klein, aber leidenschaftlich“, als unverbesserlichen Romantiker, der aber auch ein paar Ängste mit sich herumträgt. Damit kann er sich identifizieren? „Oh ja, und wie. Ich fühle mich als Komiker wie als Mensch unsicher. Man ist so, wie man als Kind verdrahtet wurde; Auszeichnungen verändern dich nicht. Das ist tief drin in dir. Ich war ein Einzelkind, also beackere ich immer den Raum, teste immer aus, was geht. Ich habe einen Oscar - na und? Du bist, wer du bist.“

          Ein Traum endete im Frust

          Bevor Williams den Oscar schließlich bekam, 1997 für eine Nebenrolle in „Good Will Hunting“, war er, der an der renommierten Juilliard School studiert hatte und mit der Fernsehserie „Mork & Mindy“ bekannt geworden war, schon dreimal für den Preis nominiert worden. Ist er heute noch ehrgeizig? „Nicht mehr so wie früher. Ich will nur interessante Sachen mit interessanten Leuten machen.“ In „The Wedding“, der 2012 ins Kino kommen soll, spielt er neben Robert de Niro und Diane Keaton, und nach dem Erfolg seiner letzten Stand-up-Tour 2010 plant er für die nahe Zukunft eine weitere. „Das Touren tut mir emotional gut - und es ist meine Absicherung. Um die Rechnungen zu bezahlen, kann ich immer auf Stand-up-Auftritte zurückgreifen.“

          Williams’ eigene Eltern ermunterten den Sohn einst dazu, das Rampenlicht zu suchen. „Viele Eltern hatten in der Zeit der Großen Depression große Opfer bringen müssen, einfach um arbeiten und überleben zu können.“ Sein Vater hatte nicht aufs College gehen können, seine Mutter wäre vielleicht gern Schauspielerin geworden: noch ein Traum, der im Frust endete. „Und als dann die Kinder dieser Leute, Babyboomer wie ich, daran gingen, sich einen Beruf auszusuchen, sagten sie: Okay, du kannst machen, was ich nicht machen konnte.“

          „Ich bin nicht immer ,on’“

          Und Williams’ eigene Kinder? Sie machten ihn stolz, sagt er: „Wir verstehen uns wirklich gut. Zac will seinen MBA machen, Cody studiert Musikproduktion, und Zelda schauspielert, und das mit Erfolg.“ Das darf sie gern tun, sagt Williams, auf eine Pointe zusteuernd: „Aber ich sage ihr, was mein Vater mir sagte, als ich ihm erzählte, ich wolle Schauspieler werden: ,Toll. Aber zur Sicherheit solltest du was lernen, was sicher ist. Schweißen zum Beispiel.’“

          Wer Robin Williams jemals auf der Bühne oder in Fernsehinterviews gesehen hat, dem stellt sich dringlicher als bei vielen anderen Performern die eine Frage: Ist er eigentlich auch für seine Familie non-stop „on“, auf Sendung, oder ist er zu Hause zurückhaltender? „Nein, ich bin nicht immer ,on’, aber die Leute erwarten es von mir. Ich war mal am Flughafen und wartete; plötzlich kam eine Frau auf mich zu und sagte: ,Seien Sie lustig!’“ (Williams imitiert den dazugehörigen australischen Akzent.) „Ich sagte: NEIN. Das ist so, als ob man Michail Baryschnikow träfe und sagte: ,Tanzen Sie!’ Manchmal, wenn man unter Freunden ist, sagen die irgendwas, was einen auf eine Idee bringt; dann geht das gut. Ich kann das aber nicht immer machen.“

          Williams erinnert sich, wie er seiner Tochter, damals drei, eine Geschichte vorlas und den Figuren verschiedene Stimmen gab. Für den gemeinen Filmfreund, der sich daran erinnert, mit welcher Maschinengewehrintelligenz Williams in „Good Morning, Vietnam“den Radio-DJ Adrian Cronauer seine Meldungen von der Front performen ließ oder mit welcher überbordenden Phantasie er für den Zeichentrickfilm „Aladdin“ dem Flaschengeist Leben einhauchte, wäre so etwas natürlich ein Traum. Nicht so offenbar für die kleine Zelda Williams, wie Vater Robin erzählt: „Sie sagte: ,Ohne die ganzen Stimmen, nur die Geschichte.’ Und ich sagte: ,Bitte schön, Fräulein.’“

          Weitere Themen

          Anita, Yoko und me, too

          Marianne Faithfull im Gespräch : Anita, Yoko und me, too

          Marianne Faithfull ist einundsiebzig Jahre alt. Mit siebzehn wurde sie ein Star, jetzt erscheint „Negative Capability“, ihr 21. Album. „Es war furchtbar“, sagt sie über die sechziger Jahre im Pop. Ein Gespräch.

          Topmeldungen

          Migranten aus Mittelamerika klettern am 29. Oktober auf den Anhänger eines Lastwagens, während eine Karawane von Menschen ihren langsamen Marsch zur amerikanischen Grenze fortsetzt.

          Flüchtlingstreck nach Amerika : Endstation Mexiko?

          Tausende Menschen schieben sich aus Honduras durch Mexiko in einer langen Karawane Richtung Amerika. Doch Donald Trumps Drohung zeigt bei den ersten Flüchtlingen Wirkung.
          Quirinale: Sitz der italienischen Regierung.

          Euro-Tief : Italien schwächt den Euro

          Der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung fällt auf den niedrigsten Stand seit Juni 2017. Am Markt herrscht Einigkeit: Schuld daran ist Italien. Und das Verhalten der populistischen Regierung in Rom verheißt auch für die Zukunft nichts Gutes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.