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Saudische Frauenrechtlerin : Sie fuhr einfach los

Manal al-Sharif lebt inzwischen in Sydney. Dort kann sie Auto fahren, soviel sie will. Bild: Tamara Voninski

Saudi-Arabien ist das einzige Land der Welt, in dem Frauen nicht ans Steuer dürfen. Manal al-Sharif rebellierte dagegen. Und landete erst im Gefängnis und dann am anderen Ende der Welt.

          Als Manal al-Sharif am 17. Mai 2011 die Tür zu ihrem Auto verriegelte, fühlte sie sich so frei wie nie zuvor in ihrem Leben. Sie drehte den Zündschlüssel, legte die zittrigen Hände ans Steuer und fuhr los. Das Video von ihrer Autofahrt stellte sie auf Youtube, wo es sich schnell verbreitete. „In Saudi-Arabien finden Sie Frauen als Professorinnen an Universitäten“, sagt sie darin. „Aber nicht am Steuer eines Autos. Beim Autofahren sind wir Analphabetinnen. Das wollen wir ändern.“ Stunden später saß sie mit zehn anderen Frauen in einer Gefängniszelle.

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin in den Ressorts Gesellschaft und Politik bei FAZ.NET.

          Das Königreich am Golf ist das einzige Land der Welt, in dem Frauen nicht Auto fahren dürfen. Tun sie es doch, verstoßen sie zwar gegen kein Gesetz, aber gegen die religiösen Normen. Dafür werden sie entlassen, eingesperrt, bedroht, als ausländische Agentinnen dargestellt.

          Öffentliche Verkehrsmittel gibt es in Saudi-Arabien nicht. Taxis sind während des Berufsverkehrs kaum zu bekommen. Wenn Frauen abends am Straßenrand auf ein Taxi warten, werden sie oft belästigt – wobei sexuelle Belästigung kein Straftatbestand ist. Hausfrauen verlassen wegen des ungeschriebenen Fahrverbots ohne ihre Männer kaum das Haus. Berufstätige Frauen beschäftigen einen Fahrer, für den ein großer Teil ihres Einkommens draufgeht.

          Manal al-Sharif im Auto. Ein Video, hochgestellt bei Youtube, brachte sie ins Gefängnis.

          Manal al-Sharif hat all das selbst erlebt. Weil die Lage in ihrem Heimatland wegen ihres Engagements für Frauenrechte unerträglich geworden war, zog sie fort. Inzwischen lebt die Achtunddreißigjährige in Sydney. Dort berichtet sie von den absurden Auswüchsen des Fahrverbots.

          Manal al-Sharif legte einen weiten Weg zurück

          In einem Land, in dem Geschlechtertrennung herrscht und Mädchen teils schon im Kindesalter nicht mit ihren Cousins spielen dürfen, sollen sich Frauen einen Fahrer aus dem Ausland holen, ihn bei sich wohnen lassen und ständig alleine mit ihm im Auto sitzen. Unter anderen Umständen wäre ein solch intimes Zusammentreffen von Mann und Frau, die nicht verheiratet oder eng verwandt sind, Anlass für Peitschenhiebe. Aber nicht, wenn es darum geht, Mobilität und Selbständigkeit von Frauen zu verhindern.

          Bis Manal al-Sharif all das so deutlich sah, legte sie einen weiten Weg zurück. Sie wuchs in einer armen Familie auf. Ihr Vater schlug Frau und Kinder, und auch in der Mädchenschule gab es Prügel. Mit acht Jahren wurde Manal al-Sharif beschnitten. In Saudi-Arabien hat weibliche Genitalverstümmelung eigentlich keine Tradition, aber al-Sharifs Mutter war Ägypterin. Die Familie lebte im ärmsten Viertel Mekkas, der wohl konservativsten Stadt im konservativen Land.

          Manal al-Sharif (links) als kleines Mädchen mit ihrer älteren Schwester Muna

          Der radikale Islam wahhabitischer Prägung breitete sich damals in Saudi-Arabien aus. In der Schule sollten abgehängte Fenster die Mädchen vor Blicken schützen. Sportunterricht gab es nicht. Die Spiegel in den Toiletten wurden abmontiert, damit die Mädchen ihre Gesichter nicht betrachten konnten.

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