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Sänger L’Aupaire : Alles hört sich leicht nach Whiskey an

Der junge Musiker L’Aupaire gilt vor allem wegen seiner ungewöhnlichen Stimme als angehender Star. In seinem Studio lässt er sich porträtieren. Bild: Rainer Wohlfahrt

Wie kann ein so netter junger Mann so roh und dreckig klingen? Zu Besuch bei dem Sänger L’Aupaire, der seinen Stil zwischen Amerika, Budapest und Berlin fand.

          Dieser Mann sieht anders aus, als er singt. Das steht mal fest. L’Aupaire, wie er sich nennt, klingt in seinen Songs mal traurig, mal sehnsuchtsvoll, manchmal auch cool und ein wenig gequält wie einer, der gerade verlassen wurde. Aber der junge Typ, der nun die Tür öffnet, ein nettes Lächeln lächelt und einfach so dasteht in Turnschuhen, Jeans und buntgemustertem Hippie-Hemd, der wirkt so gar nicht traurig und auch nicht gequält, sondern einfach nur offen und sehr entspannt.

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In dem zu einem „Kreativlabor“ umgebauten alten Getränkemarkt, den er vor zwei Jahren zusammen mit elf anderen jungen Musikern um die 30 im hessischen Hüttenberg in der Nähe von Gießen gekauft und umgebaut hat, hat er 2016 Teile seines ersten und bisher letzten Albums „Flowers“ aufgenommen. „Hier drin habe ich gesungen“, sagt er und führt durch einen professionell ausgestatteten großen Aufnahmeraum in eine winzige fensterlose Kammer, nicht größer als ein Abstellraum.

          So klein? Er lacht und versichert: „Ich habe mir Kerzen angemacht, das war ganz gemütlich.“ Wenn man in so einem kleinen Raum singe, würden die Vocals „trocken“, das heißt präsent und weit vorne im Mix, „man nimmt wenig Raum mit auf und erzeugt ihn dadurch im Song selbst“, erklärt er.

          „Die Gefühle eines ganzen Romans erzählen“

          Dann führt er weiter durch die insgesamt 400 Quadratmeter und sieben Zimmer: In der ehemaligen Garage ist jetzt die Regie, im ehemaligen Lager hausen zwei Produzenten, die beim Eurovision Song Contest involviert sind, ein Hund läuft auch herum, er heißt Paddington, und L’Aupaire alias Robert Laupert, den alle nur Rob nennen, teilt sich, wie alle hier, ein Zimmer mit einem anderen Musiker: Zwei Sessel aus den 1950er Jahren und ein altes Sofa, drei Keyboards, ein Schreibtisch, ein PC, ein paar Boxen und in der Ecke ein Bass.

          Nein, berühmt ist was anderes. L’Aupaire ist keiner, den jeder aus dem Radio kennt, auch wenn einige seiner Songs, zum Beispiel „The River“, „Flowers“ oder „I Would Do It All Again“ – seine wilderen, lauteren Songs –, regelmäßig gespielt werden. Aber in der Szene ist er bekannt. Er hat zwischen 2011 und 2016 mehr als hundert Konzerte pro Jahr gespielt, auch im europäischen Ausland und in den Vereinigten Staaten, und seit vergangenem Herbst könnte man ihn auch noch wegen des Kinofilms „Whatever Happens“ kennen, für den er große Teile der Filmmusik geschrieben hat. Nach einer Mischung aus Country, Blues und Folk klingt seine Musik, Neo-Folk nennt sich diese Musikrichtung oder auch Americana, und L’Aupaire selbst sagt: „Darunter fällt alles, was sich ein bisschen nach Whiskey anhört.“

          Denn das ist es, was er will: Gefühle erzeugen und die Leute berühren mit seinen Songs, bei denen die Texte ganz oft nur insofern wichtig zu sein scheinen, als dass der leicht verschluckte Klang seiner Worte und der bisweilen fast selbstoffenbarend wirkende Ausdruck seiner Stimme dazu beitragen, den Stücken ihre Stimmung einzuhauchen. „Ein guter Song sollte die Gefühle eines ganzen Romans erzählen, er sollte einem die Emotionen der ganzen Welt eröffnen“, findet er, der bei seinen Konzerten viel mehr weibliche Hörer hat als männliche.

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