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Sächsischer Hochadel Und wer wird nun Wettiner-Chef?

Nach dem Tod des letzten Enkels des einstigen Königs von Sachsen steht das Haus Wettin ohne Nachfolger da. Ein Adoptivsohn und ein Prinz aus einer Nebenlinie ringen um den Titel.

© dpa Prinz Alexander von Sachsen ist „nur“ adoptiert und wird darum als Nachfolger nicht akzeptiert

Der königliche Auftrag ereilte Klaus Przyklenk am Montagmorgen: „Übernehmen Sie das!“, hatte ihm Prinzessin Elmira fernmündlich aus München aufgetragen, wo am vergangenen Samstag ihr Ehemann Prinz Albert von Sachsen kurz vor seinem 78. Geburtstag gestorben war. „Das kam ja alles völlig überraschend“, sagt Przyklenk, der als Chef des „1. Privilegierten Schützenvereins Friedrich August III. von Sachsen“ nun Trauerfeier und Beerdigung Prinz Alberts organisiert: „Mit Fahnen, Musik, Polizeieskorte und allem Drum und Dran.“

Stefan Locke Folgen:

Für Przyklenk ist der Auftrag Ehrensache, schließlich fühlt er sich dem sächsischen Königshaus und ganz besonders Prinz Albert eng verbunden. Gleich nach dem Mauerfall knüpfte der heute 66 Jahre alte Kunst- und Antiquitätenhändler aus Riesa Kontakt zu Königs und stand fortan dem Prinzen und seiner Familie als Ansprechpartner und Zeremonienmeister in Sachsen zur Verfügung. Zum Dank wurde er im vergangenen Jahr zum Ritter geschlagen und darf sich seitdem „Chevalier Klaus von Przyklenk“ nennen.

In einer Angelegenheit ist Przyklenk machtlos

„Mein untadeliges Leben und die Treue zum Königshaus wurden belohnt“, erklärt der frisch geschlagene Chevalier. Nur einen Wunsch erfüllte ihm der Prinz nicht: endlich nach Dresden zurückzukehren. Jetzt aber sei es an der Zeit, mahnte Przyklenk, auch die Prinzessin war einverstanden. Und so findet an diesem Freitag standesgemäß in der einstigen Hofkirche zu Dresden die Trauerfeier für den Sachsen-Prinzen statt; anschließend soll er auf dem Neuen Katholischen Friedhof beigesetzt werden.

In der Wettiner-Gruft unter der Kathedrale, wo traditionell sächsische Kurfürsten und Könige seit August dem Starken beigesetzt wurden, war nur noch ein Platz frei. „Aber Albert soll später mit seiner Frau wieder vereinigt werden“, sagt Przyklenk, der die alternative letzte Ruhestätte persönlich für würdig befunden hat. Schließlich sei der Friedhof einst von den Wettinern gegründet worden und auch die „Gesellschaft“ tadellos: Heute liegen hier unter anderen Carl Maria von Weber und der Chevalier de Saxe, ein unehelicher Sohn Augusts des Starken, begraben.

Die Grabstätte lässt Przyklenk nun noch auf „königlichen Stand“ polieren, in einer entscheidenden Angelegenheit aber ist selbst er machtlos: Wer wird neuer Chef des Hauses Wettin? Der Verstorbene war der letzte männliche Enkel des letzten sächsischen Königs Friedrich August III.; mit seinem Tod ist die jahrhundertealte Erblinie der Wettiner erloschen. Sowohl sein Bruder Maria Emanuel, der im Alter von 86 Jahren im Juli in seiner Schweizer Wahlheimat starb, als auch Albert blieben ohne Nachkommen.

Bis heute nur nach dem Agnaten-Prinzip

Die wettinischen Hausgesetze aber schreiben bis heute das Agnaten-Prinzip vor, nach dem ausschließlich Stammhalter, also die ersten männlichen Nachkommen, zur Nachfolge berechtigt sind; ohne sie würde die „Krone“ an eine andere Linie der Familie fallen. Um dem vorzubeugen, rief Prinz Maria Emanuel Markgraf von Meißen, seit 1968 Chef des Hauses, im Frühjahr 1997 die in alle Welt verstreute Familie nach Dresden zusammen und ließ eine Urkunde aufsetzen, in der er seinen Neffen Prinz Alexander von Sachsen-Gesaphe, den ältesten Sohn seiner Schwester Maria Anna Josepha, per Adoption zum offiziellen Nachfolger kürte. Alle königlichen Hoheiten unterzeichneten. Nur fünf Jahre später allerdings fühlte sich kaum ein Teil der Familie noch an die Unterschrift gebunden, man widerrief, erklärte die Regelung für ungültig und lieferte sich in aller Öffentlichkeit eine Schlammschlacht um die Hausspitze, die in gegenseitigen Zeitungsanzeigen gipfelte; die royale Gemengelage ist seitdem unübersichtlich.

Nach dem Tod der Brüder ringen nun die zwei verbliebenen Urenkel um den Sachsen-Titel. Der eine, Prinz Alexander, 59 Jahre, hat den Vorteil des erwähnten Abkommens, ist allerdings „nur“ adoptiert. Der andere, Prinz Rüdiger, entstammt zwar der direkten Blutslinie des letzten Sachsen-Königs, jedoch nur der des jüngsten Königssohnes und damit einer Nebenlinie. Dennoch erhebt Rüdiger, 58 Jahre, der nach dem Mauerfall nach Moritzburg bei Dresden zurückkehrte und hier einen Forstbetrieb führt, nun Anspruch auf den Chefsessel. „Wir werden Prinz Alexander keinesfalls als Haus-Chef akzeptieren“, sagt er. Andere Adelsgeschlechter stünden in der Sache hinter ihm.

Prinz Alexander wiederum unterzeichnete die Mitteilung zum Tode Prinz Alberts erstmals mit dem Titel „Markgraf von Meißen“. „Wie vertraglich vereinbart, führe ich nun den Titel“, sagt er. Prinzessin Elmira habe er sein Beileid übermittelt. Zur Trauerfeier wird er nicht erscheinen, weil er geschäftlich in Chile unterwegs ist. Nach gut zehn Jahren in Sachsen, auch als Berater der Landesregierung, ist der Prinz nun wieder in seiner Wahlheimat Mexiko als Unternehmer tätig. Zuvor verabschiedete er sich von seinem designierten Volk mit einem Interview in der „Zeit“, in dem er den Sachsen Undankbarkeit vorwarf und den Ostdeutschen dringend empfahl, sich in Etikette weiterzubilden.

Quelle: F.A.Z.

 
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