14.01.2005 · Rudolph Moshammer war für viele Münchner mehr als nur ein Modeschöpfer oder ein Selbstdarsteller in den Medien. Sein soziales Engagement brachte ihm Sympathien ein und tröstete über manches Ärgernis hinweg.
Von Albert Schäffer, MünchenEin wenig hat am Freitag in der Münchner Innenstadt eine Stimmung geherrscht, als sei gerade Ludwig II. einem Attentat zum Opfer gefallen. „Schon gehört?“ - „Unglaublich!“ - „Entsetzlich!“
Immer wieder blieben die Menschen auf den Straßen stehen. Und auch in den Cafés, in den Geschäften, in den Büros gab es nur einen Gesprächsstoff: den gewaltsamen Tod Rudolph Moshammers. Für viele Münchner ist er mehr gewesen als ein Modemann und Mediengeschöpf. Er verkörperte in einer unverwechselbaren Art die Leichtigkeit des Seins, auf welche die Stadt stolz ist. Moshammers kühnes Wort, er sei nach Oberbürgermeister Ude der bekannteste lebende Münchner, wurde ihm nie verübelt. Das Schräge, Schrille, Schillernde hatte an der Isar schon immer seinen Platz - nicht nur in der Zeit Ludwigs II.
Moshammer hat seinen Mörder vermutlich selbst in sein Haus geholt
Das grausame Ende, das Moshammers Leben nahm, wird die Stadt noch lange beschäftigten, über die Sensationsgier der Boulevardmedien hinaus. Moshammer wurde am Freitag gegen 8.50 Uhr von seinem Fahrer in seinem Haus in Grünwald, einem Münchner Vorort gefunden, stranguliert mit einem Kabel. Der Tote lag in Straßenkleidung im ersten Stock im Flur. Es waren nur erste Ermittlungsergebnis, welche die Polizei am Freitag präsentieren konnten - aber sie wiesen schon in eine eindeutige Richtung. Danach war Moshammer am Donnerstag abend mit einer Bekannten in einem Grünwalder Restaurant gewesen. Gegen 21 Uhr hatten sie das Lokal verlassen. Danach fuhr Moshammer allein in einem seiner Rolls Royces umher. Der Wagen wurde nach 22 Uhr am Kapuzinerplatz und am Münchner Hauptbahnhof gesehen.
In München war es kein Geheimnis, daß Moshammer junge attraktive Männer aus dem Auto heraus ansprach. Die Polizei hat keine Spuren eines Einbruchs im Haus des Modeschöpfers festgestellt. Es fehlen auch keine Wertgegenstände. Einiges spricht dafür, daß Moshammer seinen Mörder selbst in sein Haus geholt hat. Hinweise auf einen Kampf sind nicht festgestellt worden. Grünwald, noch immer eine der bevorzugten Wohnlagen für betuchte Münchner, war einer der Pole im Leben Moshammers gewesen - neben seinem Laden in der Luxusmeile der Stadt, der Maximilianstraße. Dort blieben nach den ersten Nachrichten des Todes immer wieder Passanten stehen und schauten ungläubig in die Schaufenster - in die Welt des Rudolph Moshammer.
„Wer ko, der ko“
Seine berühmten Krawatten und Blazers in schreienden Farben, die Puppen nach dem Ebenbild seiner Hündin und Lebensgefährtin Daisy, die Schallplatten - es bot sich ein Schrein der Erinnerungen dar, als wären die Schaufenster von Moshammer schon für die Nachwelt dekoriert worden. Die Lebensmaxime Moshammers“Wer ko, der ko“, wurde noch einmal in einer beklemmenden Intensität anschaulich.“Wer ko, der ko“ „Wer kann, der kann“) hatte ein Lohnkutscher Ludwig I. zugerufen, als sich die bayerische Majestät düpiert zeigte, weil das Mietgefährt die königliche Kalesche im Englischen Garten überholt hatte.
Und Moshammer konnte neben seinen Talenten als Modeschöpfer und Selbstvermarkter vieles, was nicht nur die Herzen der Münchner Schickeria bezauberte. Angefangen von seinem Wiesnlied „Moos hamma“, das Oktoberfestbesuchern die Bierpreise ins angenehm Imaginäre rückte, bis zu seinem karitativen Engagement. Dem Gründer seiner Stiftung „Licht für Obdachlos“ und Paten eines Sucht-Zentrums für Alkoholkranke wurde in München vieles nachgesehen. Niemand regte sich auf, wenn Moshammer einen seiner Rolls Royces in der absoluten Sperrzone vor dem Polizeipräsidium abstellte - am allerwenigsten die Polizisten.
Er spielte nicht nur auf der Klaviatur der bajuwarischen Bussi-Gesellschaft
Die Zahl der Anekdoten, die sich in München um Moshammer ranken, ist Legion - etwa, wie er es bewerkstelligte, daß in einer sozialen Einrichtung eine der besten Kaffeemaschinen der Stadt steht. Indem er sich einfach mit der Inhaberin eines großen Kaffeeimports verbinden ließ, die er bis dahin nicht kannte - und sie davon überzeugte, daß auch Bedürftige einen guten Espresso schätzten. Moshammer wußte zwar auf der Klaviatur der bajuwarischen Bussi-Gesellschaft virtuos zu spielen. Er kannte aber die Gefahr, ganz in der Welt des kurzlebigen Flitters aufzugehen.
Mit dem Erwerb einer der ältesten Münchner Gastwirtschaften, der „Hundskuge“, sorgte er für den Erhalt eines Kulturguts der Stadt. Auf die „Hundskuge“ in einem Haus, das älter ist als die Frauenkirche, war Moshammer fast noch stolzer als auf seine anderen Unternehmungen. Nur zu gerne präsentierte er einen Tisch, an dem schon einige Bischöfe gespeist hätten. Und manche Besucher führte Moshammer auch in eine Art Chambre separée, das er in einem oberen Stockwerk über der Gastwirtschaft eingerichtet hatte, mit verspiegelten Wänden und Decke.
Mooshammer ist und bleibt eine Ikone
Welche Begierden Moshammer umtrieben außer dem Wunsch nach einem guten Leben und großen Auftritten in der Öffentlichkeit, hat die Münchner immer wieder beschäftigt - aber ohne Häme. Wie auch ohne Bosheit am Freitag Erinnerungen laut wurden an den Tod eines anderen Münchner Originals, des Schauspielers Walter Sedlmayr. Er war 1990 in seiner Wohnung aufgefunden worden, mit einem Hammer erschlagen. Die Ermittlungen führten in homosexuelle Milieus, in denen Sedlmayr heimisch war. 1993 wurde ein Bruderpaar wegen des Mordes zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt.
Sedlmayr ist auch nach seinem Tod eine bayerische Ikone als Darsteller des kauzig-widerständigen Volkscharakters geblieben. Auch Moshammer wird als „Münchner Gwach“, wie er sich gerne bezeichnete, im Gedächtnis der Stadt bleiben - was immer die Ermittlungen der Polizei noch ergeben.