23.02.2005 · So ganz kann sich Königin Elizabeth II. wohl doch nicht mit dem Gedanken anfreunden, daß Camilla Parker Bowles bald an der Seite ihres Sohnes stehen wird. An der Trauung will sie nicht teilnehmen.
Von Bernhard HeimrichKönigin Elisabeth und Prinz Philip werden der Ziviltrauung des Kronprinzen am 8. April in Windsor fernbleiben und nur der anschließenden kirchlichen Andacht beiwohnen. Außerdem wird die Königin den Empfang für die Gäste zahlen.
Der Buckingham Palast hatte diese Erklärung am späten Dienstagabend abgegeben, doch für die Untertanen kam sie wie aus heiterem Himmel. Der Unstern, der von Anfang an über dem Ereignis zu stehen scheint, wird immer dunkler. Zum zweiten Mal verliert das königliche Protokoll Schritt für Schritt die Herrschaft über die Wirklichkeit. Das erste Mal war es beim Tod Dianas 1997 passiert. Die zweite Panne scheint weniger dramatisch, doch sie hat sozusagen erst angefangen. In einer der aufgebrachten Londoner Boulevardzeitungen konnte man am Mittwoch schon die Frage lesen, ob die Kette der Mißgeschicke nicht ein Zeichen sei, daß diese Hochzeit besser gar nicht stattfinden sollte.
Eine Verwirrung nach der anderen
Schon die Ankündigung am 10. Februar war ein protokollarischer Unglücksfall. Die Neuigkeit hatte der Öffentlichkeit eigentlich erst eine Woche später und in einem hübschen Rahmen präsentiert werden sollen. Weil der Palast aber eines Morgens erfuhr, daß eine Mittagszeitung damit herausplatzen werde, mußte um neun Uhr früh hastig eine offizielle Nachricht improvisiert werden.
Eine Stunde später folgte eine etwas würdigere Fassung, doch die sollte wie mit Zeitzündern erst recht eine Verwirrung nach der anderen stiften. Zur geplanten Zivilheirat im Schloß Windsor hatte die Königin von vier Kronjuristen Rat geholt, doch da weder die noch sie eine Ahnung zu haben scheinen vom Alltag da draußen, hatte man das simpelste Problem übersehen: Man kann zwar ein Schloß oder eines seiner Zimmer per Verwaltungsakt in ein Standesamt verwandeln, doch diese Lizenz ist dann drei Jahre lang gültig. Das heißt, bis zum 8. April 2008 hätte jeder Brite oder Tourist, Amerikaner eingeschlossen, im Schloß Windsor heiraten dürfen. Es hätte eine Stampede gegeben.
Eine kirchliche Heirat oder gar keine
Die Schloßbesitzerin fand das unpassend. Deshalb wurde die Zeremonie abrupt in das gutbürgerliche "Haus der Gilden" des Städtchens verlegt. Aber auch dieser Schritt hat Risiken und Nebenwirkungen, die man noch gar nicht gewürdigt hat; denn nach der Satzung kann es in der "Guildhall" keine geschlossene Ehe-Amtshandlung geben. Der Saal hat zwar nur 100 Sitzplätze, aber juristisch gesehen hat jedermann Zutritt.
Das dritte Fangeisen auf dem Weg zu dieser Hochzeit steht noch einladend offen. Denn die besten und höchsten Juristen des Landes streiten derzeit darüber, ob Charles überhaupt standesamtlich heiraten darf. Offenbar kann man die zwei Gesetze von 1836 und 1949, auf die es ankommt, unterschiedlich auslegen. Nach der strengen Observanz, die der offizielle Rechtsberater der vorigen Regierung verficht, ist einem Mitglied der königlichen Familie entweder eine kirchliche Heirat erlaubt oder gar keine. Das sollte vielleicht auch die Auswahl der Mätressen einengen: keine geschiedenen! Nach der weniger strengen Auslegung, die vom Rechtsberater der gegenwärtigen Regierung verbreitet wird, könnte man das aber schon richten. Das hat der Lordkanzler, Lord Falconer, am Mittwoch bekräftigt. Es war die zweite peinliche Erklärung in zwei Tagen.
Die Königin halte es für unter ihrer Würde
Dieser Streit könnte die Königin bewogen haben, nicht hinzugehen. Immerhin ist sie die weltliche Schirmherrin jener "Kirche von England", die mit der Amtshandlung nicht befaßt wird. Andere sagen, die Königin halte es für unter ihrer Würde, in ein Standesamt zu gehen. Vielleicht sucht Elisabeth aber auch nur den Augenblick, da sie diese Schwiegertochter in die Familie aufnehmen muß, noch einmal um eine halbe Stunde hinauszuzögern.
Es gibt freilich einen Ausweg, der sich immer gebieterischer aufzudrängen scheint. Die zwei Gesetze gelten nur in England und Wales, deshalb könnte das rüstige Paar die nächste peinliche Überraschung zünden und die ganze Geschichte mit Sack und Pack kurzerhand nach Schottland verlegen. Es gibt schon Leute, die sagen, sie sollten am besten gleich dort bleiben.