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Romi von Bülow : Seit 58 Jahren Frau Loriot

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Die große Unbekannte: Romi von Bülow Bild: Andreas Müller

Ihn kennt jeder - sie fast keiner. Dabei zeigt sich jetzt erst: Ohne seine Ehefrau Romi von Bülow wäre Loriots Karriere als deutscher Ober-Komiker kaum denkbar gewesen. Er ist Perfektionist, sie die Großzügige, und zusammen können sie sich biegen vor Lachen.

          Ihr Mann hat keine Knollennase - sonst hätte sie ihn nie genommen. Ihm hängt keine Nudel im Gesicht, wenn er sich an Komplimenten versucht, und eine Plastikente nimmt er auch nicht mit in die Badewanne. Dennoch hat halb Deutschland den Eindruck, diesen Loriot sehr gut zu kennen. Aber wer ist die Frau an seiner Seite? Von ihr hat er nie erzählt - obwohl er weiß, wie viel er ihr verdankt. Szenen, Pointen, Beobachtungen, Alltagsfundstücke. Wie könnte er sonst derartig perfide einen ehelichen Dialog über das morgendliche Viereinhalbminuten-Ei sezieren? Man erinnert sich, der Streit endet mit einer Morddrohung des Gatten: „Ich bringe sie um. Morgen bringe ich sie um.“

          Er hat sie nicht umgebracht und sie ihn auch nicht. So stimmt sie denn nach ausgiebigem Zögern tatsächlich zu, sich befragen zu lassen - was sie noch nie zuvor tat. Denn Öffentlichkeit ist ihr, der äußerst zurückhaltenden Zeitgenossin, die es gut mit sich allein aushält, furchtbar lästig. Allein wo wir uns treffen, ist eine längere Überlegung wert. Vielleicht in München, möglichst anonym. Oder zu Hause bei Bülows? Lieber nicht, da herrsche meist Unruhe, und dann die Hunde und Vicco. . . Am Ende wird eine Starnberger Hotellobby für passend befunden. Sie fährt den Mercedes dorthin natürlich selbst.

          Junge Stimme, schneller Gang

          Mag ihr Mann inzwischen seinem Geschöpf, dem schwerhörigen, knickebeinigen Opa Hoppenstedt ähnlicher sein, als ihm recht ist, so gibt sie noch lange nicht die Oma Hoppenstedt. Dazu ist ihre Stimme zu jung, ihr Gang zu schnell, ihre Wildleder-Stiefeletten zum schmalen Rock zu chic. Mit Sicherheit besitzt auch sie beträchtliches schauspielerisches Talent, das ans Licht drängt, als der Teebeutel getropft hat. Schnell nimmt sie eine Papierserviette zur Hand, um den Tisch wieder manierlich herzurichten und mit spitzer Ironie mitzuteilen: „Ich bin Hausfrau - schauen Sie bloß, was ich mache.“

          Ohne sie läuft nichts bei den Loriots

          Was sie sonst so gemacht hat, wird hingegen demonstrativ heruntergespielt. Das Übliche eben, das Frauen ihrer Generation leisteten, klaglos, wenn auch nicht immer enthusiastisch. Die eigene Karriere? Nie war die Rede davon. Jeder Versuch, sich aus den Familienpflichten rauszuhangeln, wäre ihr so lächerlich erschienen wie das Jodeldiplom von Frau Hoppenstedt. Dem freischaffenden Zeichner, Autor, Regisseur und Schauspieler Vicco von Bülow hat die Ehefrau den Rücken freigehalten, wie man leichthin sagt. Anfangs wollte der Lebensunterhalt noch mühsam zusammengestrichelt sein. Ein Jahr lang brachte sich das Paar gar mit dem durch, was der ach so preußische Herr von Bülow beim Baden-Badener Pokerspiel eingenommen hatte. Später dann, nachdem Henri Nannen, der mächtige „stern“-Chefredakteur, an einer Zeichnung Anstoß genommen und „den Kerl“ rausgeworfen hatte, wechselte der junge Karikaturist zur Illustrierten „Quick“ nach München.

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