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Marshall-Plan für die Straße : Rom sagt Schlaglöchern den Kampf an

Schlaglöcher und abgesackte Straßen sorgen in Rom für Ärger. Bild: Feuerwehr Rom

Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi will eine wahrhaft historische Aufgabe angehen: die mehr als 100.000 Löcher in den Straßen der Stadt stopfen. Denn nicht nur für die wenigen tollkühnen Radler sind sie gefährliche Fallen.

          Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi geht in die Offensive. Und zwar mit einem Marshall-Plan. So jedenfalls ließ sie von ihrer für Verkehr und Infrastruktur zuständigen Stadträtin Margherita Gatta offiziell verkünden. Bei einem Gipfeltreffen zahlreicher Abteilungsleiter und Spitzenbeamter im Rathaus wurde der Startschuss gegeben. Der Plan hat einen Umfang von 17 Millionen Euro.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Bezeichnung „Marshall-Plan“ mag übertrieben klingen. Andererseits geht es um eine wahrhaft historische Aufgabe: den Kampf gegen die Schlaglöcher in Roms Straßen. Davon gibt es, so haben die Spitzenkräfte bei ihrem Gipfeltreffen festgestellt, mehr als 100.000. In den vergangenen Wochen sind viele neue Löcher hinzugekommen – kleine und flache, aber auch große und metertiefe. Zuerst hatte es Ende Februar den Kälteeinbruch mit Schnee und Eis gegeben, dann kamen starke Regenfälle. Was der Frost aufgebrochen hatte, wurde dann vom Regenwasser unterspült. Zwei Monate soll die Frühlingsoffensive nun dauern. Damit müssten täglich knapp 1700 Löcher gestopft werden, vorausgesetzt der Kampf geht auch übers Wochenende weiter.

          Gefährliche Falle für die wenigen tollkühnen Radler

          Nicht nur Roms Auto- und Mopedfahrer, Buschauffeure und Lastwagenlenker sind von den Löchern entnervt. Für die wenigen tollkühnen Radler Roms sind sie gefährliche Fallen. Und Fußgänger fliehen meist vergeblich vor dem Schmutzwasser, das der Verkehr aus den Pfützen auf die Bürgersteige spritzt.

          Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi bei einer Pressekonferenz in Rom

          Bürgermeisterin Raggi und Stadträtin Gatta gehören beide der populistischen Bewegung Fünf Sterne an. Als Gatta im August in ihr Amt eingeführt wurde, nannte sie den Kampf gegen die Schlaglöcher als ihre wichtigste Aufgabe. Ob sie diese jetzt, mit acht Monaten Verspätung, endlich erfüllen kann, bezweifeln viele. Überhaupt ist der Enthusiasmus der Römer, die Raggi beim Stichentscheid vom Juni 2016 mit gut zwei Dritteln der Stimmen gewählt hatten, rasch verflogen: Die Fünf-Sterne-Bürgermeisterin und deren Verwaltung liefern der Ewigen Stadt keine Fünf-Sterne-Dienstleistungen. Das von Raggi immer wieder vorgebrachte Argument, man könne die Altlasten der Vorgängerregierungen nicht über Nacht abschütteln, verfängt nach knapp zwei Jahren nicht mehr. Das Personalkarussell im Rathaus dreht sich in schwindelerregendem Tempo. Inkompetenz und Nepotismus wurden nicht wie versprochen ausgemerzt.

          Vierzig Prozent der 2200 Busse der Verkehrsbetriebe „Atac“, die unter einem Schuldenberg von 1,4 Milliarden Euro ächzen, sind defekt. Im Januar wurde endlich die Abschaffung von 600 neuen Fahrzeugen beschlossen. Roms Müllproblem stank im Mai wegen der Zwangsschließung einer Deponie, die das Grundwasser kontaminiert hatte, buchstäblich zum Himmel. Gelöst ist es noch lange nicht: Die Hauptstadt lädt seither einen guten Teil ihres Abfalls auf Müllhalden in benachbarten Regionen ab. Aus veralteten Rohren und Leitungen versickert fast die Hälfte der ins Netz eingespeisten Wassermenge. Rom hat zwar einen grandiosen Bestand an Pinien und Platanen, Zedern und Zypressen; doch von den rund 330.000 Bäumen müssten mehr als 8000 gefällt oder gestutzt werden, weil sie umzustürzen drohen.

          Dringend benötigte Investitionen in die Infrastruktur sind weitgehend ausgeblieben. Dennoch ist der Schuldenberg der Hauptstadt weiter gewachsen, auf jetzt 13 Milliarden Euro. Dafür sind die Zustimmungswerte zur Amtsführung der 39 Jahre alten Bürgermeisterin drastisch gesunken: Kaum ein anderes italienisches Stadtoberhaupt ist derzeit so unpopulär wie Raggi. Daran dürfte auch ihr Marshall-Plan zum Schlaglochstopfen wenig ändern.

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