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Nach dem Terroralarm : „Das war schon der Hammer gestern Abend“

Botschaft vom Ring: „Mama uns geht es gut!“ Bild: dpa

Die „Rock am Ring“-Fans lassen sich die Laune nicht verderben. Auch wenn viele vor allem wegen des abgesagten Rammstein-Konzerts kamen, zeigen sie Verständnis für die Vorsicht der Behörden. Jetzt wollen sie nur noch eins: In Ruhe feiern.

          Niklas Dirwehlis hatte es schon 2016 erwischt. Er hatte sich Tickets gekauft, war zu „Rock am Ring“ gereist, das damals noch im gut 35 Kilometer vom Ring entfernten Eifelstädtchen Mendig stattfand, und erlebte dann eine riesige Enttäuschung: Nach schweren Gewittern mit zahlreichen Verletzten wurde das Festival abgebrochen. „Black Sabbath habe ich wegen des Unwetters verpasst“, sagt der Siebenundzwanzigjährige aus Braunschweig. An diesem Freitagabend hatte er wieder voller Vorfreude ganze sieben Stunden vor der „Volcano Stage“ ausgeharrt, um seine Lieblingsband zu sehen – nur um dann kurz vor der martialischen Show von Rammstein wieder abziehen zu müssen. Am Samstag war klar: Rammstein wird das Konzert nicht nachholen.

          Nach Terrorwarnung : „Rock am Ring“ kann weitergehen

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wegen eines akuten Terrorverdachts wurde das Gelände vor dem Konzert geräumt. „Das war wirklich super ärgerlich“, sagt Dirwehlis, der am Samstagmittag gerade mit seiner Freundin und einem Bollerwagen vom Einkauf kommt. Er habe wohl irgendwie Pech, sagt der Rammstein-Fan, grinst und zieht dann in Richtung Zeltplatz.

          Überall Leute mit Rammstein-T-Shirts

          Bereits um kurz vor 13 Uhr stehen die ersten Fans am Samstag wieder am Haupteingang und warten darauf, dass sich die Tore öffnen. Gut anderthalb Stunden vorher hatte „Rock am Ring“-Veranstalter Marek Lieberberg zusammen mit dem rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD) verkündet, dass das Festival fortgesetzt werden kann und das Programm des zweiten Tages nach Möglichkeit wie geplant eingehalten werden soll. Die fast 90.000 Besucher des größten deutschen Musik-Festivals hatten das bereits über die sozialen Netzwerke erfahren – und wollen jetzt weiter feiern.

          Die ersten Besucher am Samstag bei „Rock am Ring“. Am Vorabend war das Festival wegen Terrorgefahr unterbrochen worden.
          Die ersten Besucher am Samstag bei „Rock am Ring“. Am Vorabend war das Festival wegen Terrorgefahr unterbrochen worden. : Bild: dpa

          Ein paar hundert Meter vom Haupteingang entfernt stehen sie noch in zwei endlosen Schlangen vor der „Festival-Filiale“ eines Discounters. Der Ansturm der Leute ist so groß, dass Ordner die Menge an zwei Check-Points nur in Schüben in das riesige Zelt lassen können, wo Berge von Bierpaletten, Toastbrot-Packungen, eingeschweißten Grillsteaks und Dosenravioli bereit stehen. Auf dem Caravan-Campingplatz hat jemand seinen mit Klebeband auf eine große Zeltplane gehefteten Spruch „Fick Dich Regen“ um „und Terror“ ergänzt. Noch immer laufen überall Leute mit Rammstein-T-Shirts herum, aber sonst bietet die Ring-Gemeinde ein Bild wie immer.  

          Klare Botschaft: „Kein Terror für niemanden.“
          Klare Botschaft: „Kein Terror für niemanden.“ : Bild: Reuters

          Für Viktor Mittelberger ist der Abbruch vom Freitagabend nicht nur ärgerlich. Er kostet ihn auch eine Menge Geld. „Wir haben dicken Verlust gemacht“, sagt der Betreiber eines Flammkuchen-Standes auf dem Festivalgelände. Mit sieben Mitarbeitern verköstigt der Fünfunddreißigjährige, der im Allgäu einen Bio-Bauernhof bewirtschaftet, die Besucher an den Open-Air-Tagen – und am ersten von drei Abenden musste er zumachen, als das Geschäft gerade richtig Fahrt aufgenommen hatte. „Zum Glück ist alles ruhig geblieben – und zum Glück geht es weiter.“

          „Das war schon der Hammer gestern Abend“, sagen Nick Schulze und Florian Finger. „Aber es haben alle gecheckt und sind ruhig geblieben.“ Wie so viele sind auch die beiden jungen Männer vor allem wegen Rammstein zum Ring gekommen. Aber ausgerechnet deren Auftritt fiel dem Abbruch am Freitagabend zum Opfer und wird auch nicht nachgeholt. Doch wie fast alle Fans haben auch der Neunzehnjährige und der Sechzehnjährige aus Sachsen-Anhalt Verständnis für die Vorsicht der Behörden. „Man kann es ja eh nicht ändern –  jetzt müssen wir das Beste draus machen.“

          Quelle: FAZ.NET

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