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„Resting Bitch Face“ : Zickige Schale, zuckriger Kern

Eins, zwei, drei, schlechte Laune! So sieht Anna Kendrick aus, wenn sie neutral guckt. Bild: dpa

Das Phänomen des genervten Aussehens bei absolut neutralem Gesichtsausdruck lässt sich nun endlich in einem streng wissenschaftlichem Selbsttest überprüfen. Die Betroffenen zeigen einfach mehr Gefühle – negative Gefühle.

          Ganz Hollywood ist von strahlendem Lächeln besetzt. Ganz Hollywood? Nein! Ein paar Gesichter gibt es, auf denen sich unverhohlene Verachtung zeigt – und das, obwohl sie in diesem Moment überhaupt nicht empfunden wird. Der Ausdruck „Resting Bitch Face“ (RBF) machte 2015 Karriere, meist bezogen auf Schauspielerinnen, die auf dem roten Teppich einfach mal nicht lächelten und sofort wirkten, als würden sie in ihrer Freizeit Kätzchen ertränken.

          Dabei steckt hinter dem RBF überhaupt keine Übellaune. Der Gesichtsausdruck fühlt sich neutral an, sieht aber nicht so aus. Wie eine Studie zeigt, erkennt Computersoftware bei normalen neutralen Gesichtern nur etwa 3 Prozent Emotion, etwa Verachtung, Ärger oder Angst. Bei Menschen, die mit RBF in Verbindung gebracht werden, sind es bis zu 6 Prozent – hauptsächlich Verachtung. Nicht nur der Computer erkennt das, sondern auch Mitmenschen. Der Computer kann es allerdings besser abbilden und lässt sich nicht von Vorwissen über die Person beeinflussen.

          Die Software, die für diese Studie eingesetzt wurde, ist inzwischen jedem zugänglich. Wer sein Foto hochlädt und einen deutlich sichtbaren Balken bei „Contempt“, Verachtung, zu sehen bekommt, kann immerhin froh von sich behaupten, etwas mit Queen Elizabeth II. und Angelina Jolie gemeinsam zu haben. Außerdem erhält er endlich eine Antwort darauf, warum dauernd Familienangehörige fragen, ob man sauer oder genervt sei: Das Gesicht ist schuld. Die leicht verzogenen Lippen zum Beispiel oder die etwas zusammengekniffenen Augen. Da kann die Sonne im Herzen noch so schallend lachen, das entspannte Gesicht zeigt etwas anderes.

          Analyzed Image by Face Models © Privat Der Selbstversuch der Autorin ergab einen hohen Verachtungswert.

          In der öffentlichen Wahrnehmung sind hauptsächlich Frauen von diesem Phänomen betroffen. Einzig Rapper Kanye West gilt als männliches Paradebeispiel. Doch die Neurologin Abbe Macbeth fand im Namen der genannten Studie Anzeichen dafür, dass die Erwartung der Gesellschaft an Frauen eine andere ist: Frauen, die nicht lächeln, wirken schneller unfreundlich als Männer. Männer werden selten als zickig wahrgenommen. Erst wenn die Frauen mit RBF sichtbar lächeln, wirken sie freundlich.

          Es dürfte daher keine Überraschung sein, dass ausgerechnet in Hollywood, wo permanent Fröhlichkeit propagiert wird, RBF-Trägerinnen besonders auffallen. Und auch Queen Elizabeth II., die Mutter aller bitchy faces, bewegt sich in einer Glitzerwelt. In anderen beruflichen Kontexten wird einem anlasslos genervtes Aussehen eher nicht vorgeworfen. Im Journalismus etwa, wie die Verfasserin dieser Zeilen als persönlich Betroffene weiß. Oder in der Politik – nicht mal als Bundeskanzlerin.

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          Quelle: FAZ.NET

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