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Markus Deibler : Eis mit Stil

Nach seiner Schwimmkarriere hat sich Markus Deibler ganz seiner Hamburger Eisdiele „Luciella’s“ in St. Pauli verschrieben. Bild: Henning Bode

Markus Deibler war der beste Lagenschwimmer Deutschlands, bis ihn die Lust verließ. Jetzt ist er Eisverkäufer in Hamburg – und schaut nach Rio, wo sein Bruder heute schwimmt.

          Dieser Sommer, sagt Markus Deibler, ist „unglaublich“. Dabei ging er gut los, „250 Stunden Sonne im Mai, das war richtig gut für uns“. Aber dann wurde es finster. Der Juni fiel durchwachsen aus, „und im Juli hatten wir in Hamburg 175 Sonnenstunden. Das war richtig erbärmlich.“ Solche Zahlen sind wichtig für Deibler. Nicht, weil er einen hundertjährigen Sonnenkalender für die Hansestadt Hamburg plante. Markus Deibler führt eine Eisdiele, „Luicella’s“, und das ist ein wetterwendisches Geschäft. „Wenn der Tag richtig schlecht ist, verdienen wir viel weniger Geld als an einem richtig guten Tag“, sagt Deibler. Legt man zugrunde, dass dies nun ein richtig schlechter Sommer ist, läuft der Laden erstaunlich gut.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „Luicella’s“ hat sich einen Ruf erarbeitet in Hamburg, nicht nur wegen ihrer Kreativität – 450 Sorten hatten sie schon im Verkauf. Sondern vor allem, weil sie ihr Geschäft ernst nehmen. Das Eis machen Deibler und seine Mitarbeiter selbst, mit eigenen Maschinen. Auf die Auswahl der Zutaten legen sie viel Wert, es gibt keine Farbstoffe, keine Aromen, keine Konservierungsstoffe, „und damit fällt schon viel weg, was man im Eisbedarf einkaufen kann“, sagt der 26 Jahre alte Deibler.

          Milch und Milchprodukte kommen von einem Bauern aus der Region, produziert wird mit Ökostrom. „Wir wollen das so natürlich wie möglich machen.“ Auch wenn das mehr Arbeit bedeutet – wie beim Verkaufsrenner Karamell-Salz. „Natürlich wäre es angenehmer, eine Karamell-Sauce zu kaufen, aber ich habe noch keine gefunden ohne 20 künstliche Zusätze und Aroma“, sagt der Eis-Fachmann. Also stehen sie selbst da und schmelzen Zucker. „Das ist bei den Mengen megaaufwendig, aber das schmeckt man halt.“ Wenn er was macht, dann richtig – das ist ihm wichtig.

          Vom Lagenschwimmer zum Eisverkäufer

          So hält er es mit dem Eis, und so ist er, in seiner ersten Karriere, zum besten Lagenschwimmer Deutschlands geworden. Lagenschwimmer sind die Mehrkämpfer in ihrem Sport, sie müssen Schmetterling, Rücken, Brust und Kraul beherrschen. Deibler hat das so gut beherrscht, dass er deutschen Rekord über 200 Meter schwamm. Er war zweimal bei Olympia, mehrmals deutscher Meister, und Ende 2014 wurde er Kurzbahn-Weltmeister, in Weltrekordzeit. Gleich danach verkündete er, dass seine Karriere beendet sei. Mit 24. Viele waren konsterniert damals, fanden die Entscheidung unverständlich. Aber je näher die Leute ihn und den Leistungssport kannten, desto besser verstanden sie den Schritt.

          Deibler hatte irgendwann im Lauf der Abertausende Trainingskilometer die Motivation verloren. Und ohne Motivation geht nichts im Schwimmsport. Erstens, weil es von außen kaum Anreize gibt, Schwimmen als Leistungssport zu betreiben – spärliche finanzielle Verlockungen, wenig gesellschaftliche Anerkennung. Und zweitens, weil Schwimmen ein extrem intensiver Sport ist. Er lässt keinen Raum für Zweifel oder Nachlässigkeiten. „Wenn ich keine Lust mehr habe zu trainieren und schwimme gegen Vollprofis, die heiß darauf sind, ist das recht aussichtslos“, sagt Deibler.

          Schließlich gehe es um sechs Stunden Training am Tag, nicht in einer Spielsportart, sondern in einem Ausdauersport, „da schwimmt man nur hin und her. Und wenn ich darauf keine Lust mehr habe, mache ich lieber zehn Stunden am Tag was, worauf ich mehr Lust habe.“ Wie die Eisdiele aufzubauen, die er schon zu Schwimmerzeiten eröffnet hatte. Zumal nicht nur seine eigene Zeit im Training steckte, sondern auch die von Trainern, Physiotherapeuten, Ärzten, Mentaltrainern. „Es wäre unfair denen gegenüber. Die können mich ja nicht an der Nase durch die Saison ziehen. Am Ende muss ich schwimmen.“ Also zog er die Konsequenz, trotz WM-Titel, trotz Weltrekord – und hörte auf. Wenn, dann richtig.

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