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Freitag, 17. Februar 2012
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Reinhold Messner über Edmund Hillary "Er hatte diese sonderbare Gabe, es zu wagen"

11.01.2008 ·  Reinhold Messner war 25 Jahre nach der Erstbesteigung der Erste, der den Mount Everest ohne künstlichen Sauerstoff erreichte. An Edmund Hillary, mit dem er gegen die Banalisierung des Mount Everest kämpfte, denkt er mit Respekt zurück.

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Reinhold Messners Erinnerungen an Hillary stammen aus seiner Kindheit. Damals war er acht Jahre alt und Hillary bestiegt den Mount Everest zum ersten Mal. Als Erwachsene kämpften die beiden für den Mount Everest.

Herr Messner, Sie waren acht Jahre alt, als Hillary als erster Mensch auf dem Gipfel des Mount Everest stand. Haben Sie noch eine Erinnerung daran?

Nein, ich war zwar schon Felskletterer, aber das ist etwas anderes als so ein gewaltiger Berg. Der Mount Everest war damals für mich nicht erreichbar, nicht einmal in Gedanken. Hillary ist erst später zur Respektsperson für mich geworden, als ich selbst Expeditionen unternahm. Vor allem hat mich beeindruckt, wie er die Erstbesteigung recherchiert hat. Die hat er nicht geschenkt bekommen. Die Engländer wollten 1953 ganz im viktorianischen Sinne eine englische Seilschaft auf dem Gipfel sehen. Aber Hillary, ein lebensfroher, ein großherziger Mann, hat sich die Erstbesteigung genommen. Er hat es geschafft wegen seiner so sonderbaren wie einmaligen Gabe, es zu wagen. Außerdem hatte er in Tenzing Norgay den richtigen Partner. Was mich genauso beeindruckt hat: Hillary hat seinen Ruhm nicht dazu verwendet, durch die Salons zu tingeln, sondern er hat Schulen und Krankenhäuser für die Sherpa gebaut, so dass es dem Volk heute von allen Völkern der Region am besten geht.

Gemeinsam mit dem Sherpa Tenzing Norgay hatte Sir Edmund Hillary 1953 als erster den Mount Everest bezwungen. In seiner Heimat Neuseeland, aber auch in Nepal trauern die Menschen um die Bergsteigerlegende.

Haben Sie an Hillary gedacht, als Sie 25 Jahre später auf dem Gipfel standen, als erster Mensch, der ihn ohne künstlichen Sauerstoff geschafft hat?

Damals hatte ich natürlich viel über ihn gelesen, und Peter Habeler und ich haben während der Besteigung viel von ihm gesprochen. Am Hillary Step dann, dem zehn Meter auskragenden Wechtengrat, war ich voller Respekt für Hillary. Aber wir wussten natürlich: Wir schaffen es, denn Hillary hatte es ja auch geschafft. Auf dem Gipfel dann war die Luft so dünn, da ist das Gehirn wie aus Watte, da ist kein Platz mehr für historische Reminiszenzen.

Wann haben Sie Sir Hillary zum ersten Mal getroffen?

Gleich nach unserem Aufstieg 1978. Viele hatten uns angefeindet: Das Risiko ohne künstlichen Sauerstoff sei selbstmörderisch, das sei unverantwortlich. Aber Hillary hat nicht rumgeneidet, sondern die Arme ausgebreitet und gesagt: "Großartig! Eine neue Methode, den Mount Everest zu deuten!" Später dann habe ich ihn in England, Neuseeland und Australien oft gesehen, als ich die Arbeit seiner Stiftung zum Schutz der Bergwelt unterstützte. Später habe ich dann selbst eine solche Stiftung gegründet.

Sie haben Hillarys Sohn Peter 1979 das Leben gerettet. Wie kam es dazu?

Er war in einer Seilschaft mit drei anderen Neuseeländern in der mehr als 2000 Meter hohen steilen Westwand des Ama Dablam knapp unter dem Gipfel. Das ist ein heiliger Berg der Sherpa. Da brach über ihnen ein Stück Hängegletscher ab, so groß wie ein Einfamilienhaus. Sie hingen in der Wand, einer war tot, die anderen verletzt. Hubschrauber oder professionelle Retter gab es nicht. Wir waren damals auch in der Gegend und an die Höhe - 5000 - angepasst. Ich wurde per Funk von einem Gipfel gerufen. Wir sind dann in die Wand und haben die drei Überlebenden abgeseilt. Peter hatte den Arm gebrochen, bei den beiden anderen hatten die Seile beim Abwickeln große Stücke Fleisch von den Armen gebrannt, fürchterlich. Den Toten hatten sie vom Seil geschnitten, wegen der Last. Wir haben es geschafft, einen Hubschrauber an den Fuß der Wand zu bekommen, und sie wurden nach Katmandu geflogen.

Sie haben mit Hillary gegen die Banalisierung und Vermüllung des Mount Everest gekämpft, aber wohl ohne Erfolg?

Leider. Gemeinsam haben wir es das letzte Mal 2003 versucht, beim nepalesischen König. Der nickte zwar, als wir ihn baten, er möge wie früher nur eine Expedition pro Saison erlauben, aber passiert ist nichts. Der Druck von außen ist zu groß, die Besteigung bringt 10.000 Dollar Genehmigungsgebühr. In den 25 Jahren nach Hillarys Erstbesteigung waren knapp 70 Menschen auf dem Gipfel, heute sind es an manchen Tagen 200. Der Mount Everest ist nun einmal der höchste Fluchtpunkt menschlicher Eitelkeiten.

Die Fragen stellte Axel Wermelskirchen

Quelle: F.A.Z., 12.01.2008, Nr. 10 / Seite 9
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