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Interview Sean Penn : „Mein Job sind Filme, nicht Botschaften“

  • -Aktualisiert am

In „The Last Face“ arbeitet Sean Penn mit Charlize Theron zusammen. Das Drama wurde von der Kritik verrissen. Macht das dem Regisseur etwas aus? Oder ist der Siebenundfünfzigjährige längst über solche Fragen erhaben? Bild: Tobis Film

Sein neuster Film „The Last Face“ wurde bereits bei der Premiere in Cannes von den Kritikern zerrissen. Nun beantwortet Regisseur Sean Penn im Interview unter anderem die Frage, wie sehr ihn schlechte Kritiken als Filmmacher beschäftigen.

          Herr Penn, Ihr neuer Film „The Last Face“ erscheint in Deutschland nur auf DVD. Schon zur Weltpremiere in Cannes waren die Kritiken ziemlich mies. Wie sehr beschäftigt Sie ein solcher Misserfolg?

          Schlechte Kritiken sind für mich nur in der Hinsicht ein Thema, dass sie natürlich eine Auswirkung darauf haben, ob mein Film gesehen wird oder nicht. Nach den harschen Reaktionen in Cannes hatte „The Last Face“ eigentlich schon keine Chance mehr, zu einem Erfolg an der Kinokasse zu werden. Aber als Filmemacher fasst mich das nicht an. Ich bin stolz auf den Film, aus ihm spricht meine Sprache als Künstler. Wenn die von anderen nicht mehr verstanden wird, kann ich das leider nicht ändern.

          Sie stecken das so rational weg?

          Ich lese nie genau, was über mich und meine Arbeit geschrieben wird. Und ich bitte auch alle anderen immer, mir das nicht zu erzählen. Im Laufe meiner Karriere habe ich schon viel einstecken müssen, und genauso habe ich das Glück, schon einige Male auf erfreuliche Weise gefeiert worden zu sein. Wenn Letzteres der Fall ist, lasse ich mich gerne von der Begeisterung anstecken.

          Und wenn nicht?

          Dann fällt es mir auch nicht schwer, den Rückspiegel abzureißen und nur nach vorne zu gucken. Solange ich, wie in diesem Fall, selbst mit meiner Arbeit zufrieden bin, muss man sich um mich keine Sorgen machen. Oder anders ausgedrückt: Wenn zu meiner Party keine Gäste kommen, verdrücke ich die Hors d'oeuvre eben alleine - und genehmige mir danach eine Zigarette.Sicherlich macht man sich bei einem Misserfolg Gedanken über all die Menschen, die Zeit und Geld in den Film investiert haben. Doch auch denen ist ja nicht geholfen, wenn ich mich in Selbstmitleid ergehe.

          Szenen aus „The Last Face“: Regisseur und Schauspieler Sean Penn hinter der Kamera.

          Es ist Ihr fünfter Film als Regisseur. Was muss eine Geschichte mitbringen, damit Sie sie auf die Leinwand bringen wollen?

          Ich suche immer nach etwas, von dem ich mir sicher sein kann, dass ich mich über einen längeren Zeitraum dafür begeistern werde. Denn mit so einem Film ist man ja ein paar Jahre beschäftigt. In dem Material, das es zu verfilmen gilt, muss ich die Themen wiederfinden, die mich im Alltag bewegen. Die Sorgen, die ich mir mache, die Dinge, die mich berühren - wenn ich die in einer Geschichte wiederfinde, fühlt sich die Sache richtig an.

          Ist das als Schauspieler genauso?

          Im Idealfall. Kommt aber sehr selten vor, denn das sind ja nicht meine Geschichten, sondern die von anderen Filmemachern. Anders wäre es, wenn ich mir als Regisseur eine Geschichte vornehme, in der ich selbst die Hauptrolle spielen würde. Das hat mich aber noch nie interessiert.

          Warum nicht?

          Weil für mich beim Filmemachen die Zusammenarbeit das Schönste ist. Ich liebe es, von morgens bis abends von enthusiastischen Mitarbeitern umgeben zu sein. Noch besser, wenn einige davon Freunde sind. Die Erfahrung des Schaffensprozesses zu teilen ist großartig. Vieles davon könnte ich natürlich auch alleine machen. Aber das wäre auf jeden Fall weniger angenehm.

          Ihre Mitstreiter waren in diesem Fall Javier Bardem und Charlize Theron. Wie kam die Besetzung zustande?

          Javier sollte die männliche Hauptrolle schon 2007 spielen, als die Drehbuchautorin Erin Dignam die Geschichte noch selbst verfilmen wollte. Ich hatte ihr Skript gelesen und dachte, Javier sei die Idealbesetzung, also machte ich die beiden miteinander bekannt. Doch letztlich kam das Projekt nie zustande. Als wir viele Jahre später gemeinsam den Film „The Gunman“ drehten, erzählte er mir, dass ihm diese Geschichte nicht aus dem Kopf gehe. Und ich wusste, an wen Erin die Rechte für das Drehbuch verkauft hatte.

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