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Rechtsradikalismus : Das Porno-Sternchen und die NPD

Ina Groll suchte die Nähe zur NPD, zum Beispiel mit ihrem öffentlichen Profil bei Facebook. Bild: FAZ.NET/ Screenshot der Facebook-Seite von Ina Groll

Eine ehemalige Porno-Darstellerin sucht die Nähe zur NPD. Die Partei lässt sich die Unterstützung gefallen, bis herauskommt, dass die Frau einen Sex-Film mit einem schwarzen Darsteller drehte.

          Ina Groll ist jung, blond und national gesinnt – so steht es auf ihrer Facebook-Seite. Doch für die NPD ist sie seit wenigen Tagen eine „unerwünschte Person“. Und das hat einiges damit zu tun, dass Ina Groll nicht nur jung, blond und national gesinnt ist, sondern ihr Geld mindestens bis Ende des Jahres 2013 auch als Porno-Darstellerin „Kitty Blair“ verdient hat.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Dieser Fakt allein hat anscheinend noch im Herbst des vergangenen Jahres niemandem in der NPD ernstlich Kopfschmerzen bereitet. Im November 2013 hatte Groll beschlossen ihre Karriere in der Erotik-Branche aufzugeben. Sie legte sich einen neuen Twitter-Account und eine Facebook-Seite unter ihrem Klarnamen zu. „Mir geht es heute nicht mehr darum, meinen Körper, sondern volksfeindliche Politik zu enthüllen!“ ist in einem Statement vom 11. Dezember 2013 zu lesen, das sie auf Facebook veröffentlichte. In Zukunft wolle sie die NPD unterstützen, der Beitrag trägt die Überschrift: „Nationalismus darf auch sexy sein!“

          Ein Porno mit einem schwarzen Darsteller

          Die NPD nahm die Unterstützung der jungen Frau erst einmal gern an. Im Weihnachtsmann-Kostüm zog sie in kurzem roten Rock durch die Duisburger Innenstadt und verteilte Partei-Flyer. Auf ihrer Facebook- und Twitter-Seite hetzt sie gegen „die Islamisierung Deutschlands“, gegen Sinti und Roma und fordert die Todesstrafe für Kinderschänder. Ranghohe NPD-Funktionäre ließen sich mit der jungen Frau ablichten.

          Doch dann setzten sich einige NPD-Anhänger näher mit dem Frühwerk von Frau Groll auseinander und entdeckten, dass sie vor ein paar Jahren für einen Porno mit einem schwarzen Darsteller gedreht hat. „Wer mit Fremdrassigen vor laufender Kamera kopuliert und damit der Rassenvermischung auch noch Vorschub leistet hat mit der völkischen Idee und deren Fortführung wenig zu schaffen“, hieß es auf der rechtsradikalen Seite des „Freien Netz“ Saalfeld. In rechten Foren verlinken Kommentatoren auf den Sex-Film „zu Recherchezwecken“.

          Das NPD-Präsidium reagierte nun auf das Drängen seiner Anhänger. „Auf die wachsende Unruhe in den Parteikreisen hin, hat das Präsidium Frau Groll zur unerwünschten Person erklärt“, sagt Frank Schwerdt, stellvertretender Bundesvorsitzender der Partei. Er unterzeichnete das offizielle Statement. Dass diese jedoch eine Reaktion auf den Sex mit dem schwarzen Pornodarsteller war, bestritt er auf Nachfrage. Man habe lediglich jetzt erst festgestellt, dass Frau Groll Pornos gedreht hat. Das allein genüge als Ausschlusskriterium. Auch seien die Bilder mit den Parteimitgliedern gar nicht auf deren Initiative hin entstanden, Frau Groll habe sich da aufgedrängt. Noch beim politischen Aschermittwoch ließ sich der ehemalige NPD-Vorsitzende Udo Voigt mit Frau Groll ablichten. Beide stehen vor der Bühne und lächeln in die Kameras. Widerwillen ist da nicht zu erkennen.

          Quelle: FAZ.NET

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