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F.A.Z. Woche : Sie bleibt im Rotlicht

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Kurzer Ruhm im Rampenlicht: „Schwesta Ewa“ kokettiert mit ihrer Vergangenheit als Prostituierte. Nun ist sie selbst wegen Zuhälterei angeklagt. Bild: dpa

Ewa Malanda war Prostituierte, stieg aus und rappte als „Schwesta Ewa“ über ihre Erfahrungen. Nun sitzt sie im Gefängnis: Verdacht auf Zuhälterei, Menschenhandel, Körperverletzung und Steuerhinterziehung. Und sie kündigt ein neues Album an.

          Am 17. November 2016 platzt der schönste Aufstiegstraum des Deutsch-Rap. Die sichtbarste Frau dieser männlich dominierten Szene, „Schwesta Ewa“, wird festgenommen. Die Rapperin soll weibliche Fans zur Prostitution gezwungen haben, ihr werden Körperverletzung und Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung angelastet. Und das alles nur ein Jahr nach „Kurwa“, dem Debütalbum, auf dem sie ihr Leben als ehemalige Prostituierte schildert. Am Dienstag wurde offiziell Anklage erhoben, jetzt drohen ihr fünf Jahre Gefängnis.

          Über „Schwesta Ewa“, die als Ewa Müller geboren wurde und ihren Namen in Ewa Malanda änderte, könnte man drei Biographien schreiben. Die erste über eine Verliererin, die vorübergehend auf die Gewinnerseite wechselt. Selten hat jemand so offen vom Rotlichtmilieu erzählt wie sie: von Ehemännern, die vor dem Quickie im Auto noch schnell den Kindersitz verstauen; von Kolleginnen, die hochschwanger am Straßenstrich stehen; von der eigenen Vergewaltigung mit geladener Waffe im Mund. Musik sei ihre Therapie, sagt die Rapperin. Doch seit der Festnahme bröckelt dieses Aussteigerinnen-Image. Es entsteht ein anderes Bild: das einer Opportunistin, die bloß vorgab, nur noch freundschaftliche Beziehungen zum horizontalen Gewerbe zu pflegen.

          Angst und Diskriminierung

          Und weil Schwesta Ewa der Archetyp eines Menschen ist, der unter prekären Bedingungen aufgewachsen ist, lässt sich auch eine dritte Geschichte über sie erzählen. Ewa Müller kommt 1984 im polnischen Koszalin zur Welt. Ihr Vater sitzt wegen fünffachen Mordes im Gefängnis. Ihre Mutter fürchtet Vergeltungsakte und wandert aus. Die Tochter wächst in Kiel auf, erst im Asylbewerberheim, dann im Frauenhaus. Die deutschen Kinder rufen ihr „Ausländer raus“ hinterher. Wenn ihre Mutter Malanda im Sperrmüll und dem Altkleidercontainer nach Brauchbarem sucht, macht Ewa die Räuberleiter.

          Auf die Hänseleien im Kindergarten reagiert Ewa mit Schlägen. Später geht sie auf Diebestour. Wenn sie erwischt wird, und das passiert häufig, gibt es daheim Dresche. Als sie mit ihrer Mutter in eine Wohnung im sozialen Brennpunkt Kiel-Gaarden zieht, wird über dem Türrahmen ein Geweih montiert. Von den Enden baumeln ein Kabel und ein Gürtel, auf dem Balkon steht das Bambusrohr. Aber die Bestätigung, die Ewa in ihrer Jungsclique erfährt, lässt sich nicht wegprügeln. „Alles Schwarzköpfe“, sagt sie in einem Interview, „ich hab mich richtig gefreut, mal Freunde zu haben.“ Die sind ihr sogar ihren Blinddarm wert.

          Dieser Artikel stammt aus der Frankfurter Allgemeine Woche

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          Als Ewa nicht wie ihre Freunde auf die Haupt-, sondern auf die Realschule kommt, will sie von der Schule fliegen. Sie erreicht ihr Ziel, weiß aber, was ihr zu Hause dafür blüht. Aus Angst täuscht sie Bauchweh vor, beim Arzt zeigt sie aufs Geratewohl nach rechts, als er fragt, wo es wehtut. Klarer Fall, der Blinddarm muss raus. So die von ihr kolportierten Anekdoten.

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