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Rammstein im Interview : „Wir wollen Ärger“

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Sachen machen, die sich Otto Normalverbraucher nicht trauen: Rammstein-Keyboarder Christian Lorenz Bild:

Seit 15 Jahren setzen Rammstein Ideen um, die die Allgemeinheit widerlich findet. Laut Gitarrist Paul Landers und Keyboarder Christian Lorenz sind die Leute mittlerweile so abgestumpft, dass nur noch Gewalt hilft.

          Seit 15 Jahren setzten Rammstein Ideen um, die die Allgemeinheit widerlich findet. Laut Gitarrist Paul Landers und Keyboarder Christian Lorenz sind die Leute mittlerweile so abgestumpft, dass nur noch Gewalt hilft. Sie wollen provozieren und haben Spaß daran.

          Das neue Rammstein-Video ist ein richtiger Porno. War es schwer, noch ein Tabu zu finden?

          Christian „Flake“ Lorenz: Eigentlich wollten wir den schon vor Jahren drehen. Man wird sonst zu alt dafür.

          Rammstein-Gitarrist Paul Landers: „Die harten Bands sind meistens die netten”
          Rammstein-Gitarrist Paul Landers: „Die harten Bands sind meistens die netten” :

          Paul Landers: Alle denken immer, wir würden uns zusammensetzen und überlegen: Wie könnte man provozieren? Was für ein Tabu hatten wir noch nicht? Aber so ist das nicht. Was wir machen, ist das Gegenteil von kommerziell.

          Damit verdienen Sie erstaunlich viel Geld.

          Landers: Komischerweise. Wir haben uns vor 15 Jahren zusammengetan, weil wir monotone, stumpfe Musik machen wollten. Wir haben in einem Keller gestanden und Krach gemacht. Wir haben nie versucht, Erfolg zu haben. Wir machen, was wir gut finden. Immer. Und wenn wir zu sechst zusammen sind, kommen Ideen heraus, die die Allgemeinheit widerlich findet. Wir sind einfach so.

          Aber provozieren wollen Sie schon, oder?

          Lorenz: Auf jeden Fall. Alles ist so zugeflutet, dass man normalerweise gar nicht mehr zu den Menschen vordringt. Früher im Osten haben die Leute noch zugehört, da haben Feinheiten zwischen den Zeilen gereicht. Jetzt sind die Leute so abgestumpft, da hilft nur noch Gewalt.

          Wie finden Ihre Partnerinnen das Pussy-Video?

          Lorenz: Meine Frau ist begeistert. Sie findet das logisch: Porno und Rock'n'Roll ist eins.

          Und wie war der Dreh?

          Landers: Erstmal ein bisschen wie Zahnarzt. Wir saßen in diesem Bordell in Charlottenburg und mussten nacheinander ran. Ich hatte Schiss und habe mir Mut angetrunken. Aber ich hätte nicht gedacht, wie sachlich so etwas abläuft. Rein mechanisch.

          Und die Botschaft vom Ganzen?

          Landers: So denken wir nicht. Sie müssen sich das so vorstellen: Ein paar Jugendliche schmeißen an der Bushaltestelle die Scheibe ein. Finden sich toll, pushen sich hoch, sind ein bisschen kicherig, und die Erwachsenen schütteln den Kopf. Die Jugendlichen aber denken nicht drüber nach.

          Und das machen Sie jetzt immer noch - mit mehr als vierzig Jahren?

          Landers: Vielleicht sind wir stehengeblieben.

          Lorenz: Uns gefiel auch die Vorstellung, dass das Video nicht bei MTV gezeigt wird.

          Landers: Wir sind Musiker. Wir sind nicht schlau. Aber instinktiv spüre ich: Dieses Video, dieser Porno ist ein Meilenstein. Das ist der Abschied vom Video. Wir haben ein Video gemacht, dass man nicht gucken kann. Das Lied ist nämlich auch ohne Video genial: Blitzkrieg mit dem Fleischgewehr. Steck Bratwurst in dein Sauerkraut. Da könnte ich mich beömmeln.

          Lorenz: Das Lied ist international. Das sind Worte, die sie überall auf der Welt kennen.

          Ist Rammstein eine besonders deutsche Band?

          Landers: Wir wollten immer eine deutsche Band sein. Wir haben uns gefragt: Was ist eigentlich deutsch? Das Land ist da ja ziemlich verklemmt, der Westen noch mehr als der Osten. Dabei finden alle anderen Länder die Deutschen süß. Unsere Botschaft an die Deutschen lautet: Alles nicht so schlimm. Wir sind ja da.

          Gilt das auch für das Lied auf Ihrem neuen Album über das Verbrechen von Amstetten?

          Lorenz: Wenn so etwas passiert auf der Welt, sagen wir etwas dazu. Wir sind gewissermaßen dazu beauftragt. Weil nur wir dabei authentisch wirken. Das kann niemand sonst.

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