http://www.faz.net/-gum-76dme
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 07.02.2013, 17:10 Uhr

Privatdetektive Der Schatten

„Ein Detektiv rettet keine Beziehung“: Alexander Schrumpf ist Privatdetektiv. Er sieht sich auf der guten Seite. Schäbig findet er nur die unseriöse Konkurrenz. Eine Begegnung in vier Akten.

von
© Frank Röth Ein Wechselobjektiv kann hilfreich sein: Alexander Schrumpf beim Observieren

Der Mann im weißen Kastenwagen fährt durch die Straßen, und der Detektiv sucht ihn. Der Detektiv kennt die Route des Mannes. Er will ihn in einem kleinen Ort abpassen, dort wo Hessen hügelig wird und bald aufhört. Eine kurze Hauptstraße, links und rechts eine Siedlung. Der Detektiv fährt und hält Ausschau. Ein Dorf kann groß sein, wenn man auf der Suche ist. Der Wagen des Detektivs ist ein Jedermanns-Wagen, auch er ist ein Jedermann. Mittelgroß, dunkler Mantel, verwaschene Jeans. Obenrum allmählich kahl und in der Mitte rund. Wer andere beschattet, darf nicht auffallen. Und andere zu beschatten ist sein Beruf. Mieter, die eine Wohnung in Schutt und Asche hinterlassen und untertauchen. Arbeitnehmer, die krankmachen, um anderswo Geld zu verdienen. Ehemänner, die ihre Frau hintergehen. Für 60 Euro die Stunde legt sich der Detektiv auf die Lauer.

Andreas Nefzger Folgen:

Herr Schrumpf, kommen Sie sich nicht schäbig vor, wenn Sie fremde Menschen beobachten?

Nein. Ich schnüffle ja nicht ohne Grund. Ohne berechtigtes Interesse darf ich nicht in jemandes Privatsphäre eindringen. Ich fange erst da an, wo es um strafrechtlich Relevantes geht.

Es ist doch nicht verboten, seine Ehefrau zu betrügen.

Natürlich nicht. Nur Untreue reicht auch nicht, damit ein Detektiv tätig werden darf, da muss es schon um Unterhaltsansprüche oder so gehen. Selbst mache ich solche Aufträge mittlerweile auch kaum noch, weil damit oft niemandem geholfen ist. Ich sage den Leuten immer: Ein Detektiv rettet keine Beziehung.

Gibt es für strafrechtlich relevante Fälle nicht Polizei und Staatsanwaltschaft?

In einer perfekten Welt würde ich Ihnen zustimmen. Aber viele Fälle interessieren die Polizei überhaupt nicht. Typisches Beispiel: In einer Straße werden immer wieder Autos zerkratzt, die Polizei, die eh schon überlastet ist, fährt abends zwei Mal mit dem Streifenwagen vorbei und löst den Fall nicht. Es fehlt an Personal für solchen Kleinkram. Ein Detektiv legt sich in den Observations-Bus, friert nötigenfalls drei Nächte, und irgendwann schnappt er die Täter.

Täter oder Opfer - so leicht lässt sich das nicht immer beurteilen. Vielleicht wurde jemand, den Sie durch Ihre Ermittlungen um seinen Job bringen, von seinem Chef schikaniert. Manchmal ein schlechtes Gewissen?

Schlechtes Gewissen würde ich es nicht nennen, aber manchmal geht es mir schon sehr nahe. Ich hatte mal eine Bäckereiverkäuferin, die in ihrem Laden gestohlen hat. Es stellte sich heraus, dass ihr Mann ein gewalttätiger Alkoholiker war, der sie dazu zwang. Schon schlimm. Manchmal baut man zu den Leuten, die man observiert, auch eine Beziehung auf. Ganz am Anfang meiner Karriere, da war ich vielleicht 20, sollte ich mal beweisen, dass eine Bedienung in die eigene Tasche wirtschaftet. Ich bin regelmäßig in die Kneipe und habe gezecht. Sie hat mir Geschichten von ihrem Freund erzählt, der oft zur See fährt, so ganz rührendes Zeug. Meiner damaligen Freundin lag sie sogar einmal weinend in den Armen. Als ich sie dann mit ihren Taten konfrontierte, ist sie zusammengebrochen. Das tat weh. Da musste ich mich entscheiden, ob ich den Job wirklich machen kann.

Und warum können Sie es?

1 | 2 | 3 | 4 | 5 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Autonomes Fahren bei Audi Der Autopilot fährt besser als Sie

Audi-Chef Rupert Stadler glaubt an das autonome Fahren. Wie Audi sich in dieser Branche behaupten will, erklärt er im Interview. Mehr Von Georg Meck

24.07.2016, 12:39 Uhr | Wirtschaft
Britischer EU-Ausstieg Brexit macht Frankfurter Immobilienmakler glücklich

Viele Immobilien-Manager spekulieren darauf, dass Frankfurt einer der Profiteure des Brexit wird. Sie hoffen auf satte Gewinne beim Weiterverkauf von Gebäuden. Frankfurt mag schon jetzt der teuerste Bürostandort im Land sein – im internationalen Vergleich sind die Flächen aber noch ein Schnäppchen. Mehr

20.07.2016, 02:00 Uhr | Wirtschaft
Formel-1-Pilot Alonso Es ist alles langsamer geworden

Bis vor zwei Jahren war Fernando Alonso ein Formel1-Pilot, der immer um Siege und Titel mitfuhr. Im F.A.Z.-Interview spricht er über die Herausforderung McLaren-Honda, Veränderungen in der Formel 1 und Fehler in seiner Karriere. Mehr Von Michael Wittershagen

22.07.2016, 19:19 Uhr | Sport
Geteilte Meinung in der Türkei Reaktionen aus Ankara auf den Ausnahmezustand

Drei Monate Ausnahmezustand stehen der Türkei bevor – nach der Verkündung der Maßnahme durch Staatspräsident Erdogan am Mittwoch waren Befürworter seiner Politik demonstrierend durch die Straßen Ankaras gezogen. Am Donnerstag bot sich in der Hauptstadt zumindest unter den Passanten ein geteiltes Bild. Mehr

21.07.2016, 15:39 Uhr | Politik
Eintracht-Spieler Flum Kovac trainiert uns nicht kaputt

Mittelfeldspieler Johannes Flum war lange Zeit verletzt. Im Interview spricht er über die langen Übungseinheiten bei Trainer Kovac und den Eintracht-Kader aus 16 Nationen. Mehr Von Jörg Daniels

20.07.2016, 06:01 Uhr | Rhein-Main

AfD-Vorsitzende Frauke Petry ist geschieden

Frauke Petry hat sich auch offiziell von ihrem Ex-Mann getrennt, Andrea Berg muss wegen ihrer Verbrennungen weiter behandelt werden, und Amber Heard hat sich einen millionenschweren Unternehmer geangelt – der Smalltalk. Mehr 9

Frankfurter Allgemeine Stil auf Facebook
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden