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Privatdetektive : Der Schatten

Ein Wechselobjektiv kann hilfreich sein: Alexander Schrumpf beim Observieren Bild: Frank Röth

„Ein Detektiv rettet keine Beziehung“: Alexander Schrumpf ist Privatdetektiv. Er sieht sich auf der guten Seite. Schäbig findet er nur die unseriöse Konkurrenz. Eine Begegnung in vier Akten.

          Der Mann im weißen Kastenwagen fährt durch die Straßen, und der Detektiv sucht ihn. Der Detektiv kennt die Route des Mannes. Er will ihn in einem kleinen Ort abpassen, dort wo Hessen hügelig wird und bald aufhört. Eine kurze Hauptstraße, links und rechts eine Siedlung. Der Detektiv fährt und hält Ausschau. Ein Dorf kann groß sein, wenn man auf der Suche ist. Der Wagen des Detektivs ist ein Jedermanns-Wagen, auch er ist ein Jedermann. Mittelgroß, dunkler Mantel, verwaschene Jeans. Obenrum allmählich kahl und in der Mitte rund. Wer andere beschattet, darf nicht auffallen. Und andere zu beschatten ist sein Beruf. Mieter, die eine Wohnung in Schutt und Asche hinterlassen und untertauchen. Arbeitnehmer, die krankmachen, um anderswo Geld zu verdienen. Ehemänner, die ihre Frau hintergehen. Für 60 Euro die Stunde legt sich der Detektiv auf die Lauer.

          Andreas Nefzger

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Herr Schrumpf, kommen Sie sich nicht schäbig vor, wenn Sie fremde Menschen beobachten?

          Nein. Ich schnüffle ja nicht ohne Grund. Ohne berechtigtes Interesse darf ich nicht in jemandes Privatsphäre eindringen. Ich fange erst da an, wo es um strafrechtlich Relevantes geht.

          Es ist doch nicht verboten, seine Ehefrau zu betrügen.

          Natürlich nicht. Nur Untreue reicht auch nicht, damit ein Detektiv tätig werden darf, da muss es schon um Unterhaltsansprüche oder so gehen. Selbst mache ich solche Aufträge mittlerweile auch kaum noch, weil damit oft niemandem geholfen ist. Ich sage den Leuten immer: Ein Detektiv rettet keine Beziehung.

          Gibt es für strafrechtlich relevante Fälle nicht Polizei und Staatsanwaltschaft?

          In einer perfekten Welt würde ich Ihnen zustimmen. Aber viele Fälle interessieren die Polizei überhaupt nicht. Typisches Beispiel: In einer Straße werden immer wieder Autos zerkratzt, die Polizei, die eh schon überlastet ist, fährt abends zwei Mal mit dem Streifenwagen vorbei und löst den Fall nicht. Es fehlt an Personal für solchen Kleinkram. Ein Detektiv legt sich in den Observations-Bus, friert nötigenfalls drei Nächte, und irgendwann schnappt er die Täter.

          Täter oder Opfer - so leicht lässt sich das nicht immer beurteilen. Vielleicht wurde jemand, den Sie durch Ihre Ermittlungen um seinen Job bringen, von seinem Chef schikaniert. Manchmal ein schlechtes Gewissen?

          Schlechtes Gewissen würde ich es nicht nennen, aber manchmal geht es mir schon sehr nahe. Ich hatte mal eine Bäckereiverkäuferin, die in ihrem Laden gestohlen hat. Es stellte sich heraus, dass ihr Mann ein gewalttätiger Alkoholiker war, der sie dazu zwang. Schon schlimm. Manchmal baut man zu den Leuten, die man observiert, auch eine Beziehung auf. Ganz am Anfang meiner Karriere, da war ich vielleicht 20, sollte ich mal beweisen, dass eine Bedienung in die eigene Tasche wirtschaftet. Ich bin regelmäßig in die Kneipe und habe gezecht. Sie hat mir Geschichten von ihrem Freund erzählt, der oft zur See fährt, so ganz rührendes Zeug. Meiner damaligen Freundin lag sie sogar einmal weinend in den Armen. Als ich sie dann mit ihren Taten konfrontierte, ist sie zusammengebrochen. Das tat weh. Da musste ich mich entscheiden, ob ich den Job wirklich machen kann.

          Und warum können Sie es?

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