Von Prinzessin Letizia weiß der spanische Volksmund, dass sie eine neue Nase und zuhause die Hosen an hat. Er weiß auch, dass sie König Juan Carlos nicht fürchtet, der ihr zumindest am Anfang nicht so zugetan war, und dass sich Königin Sofía, die das Einstecken um des königshäuslichen Friedens gelernt hat, aus Liebe zu ihrem Sohn mit der Schwiegertochter viel Mühe gibt. Sonst weiß er auch nach acht Ehejahren mit Kronprinz Felipe und zwei hübschen Töchtern namens Leonor und Sofía erschreckend wenig. Fast alles dreht sich um Kleider, Frisuren, die kosmetische Chirurgie und die doppelte Frage, ob sie als Gattin zu kühl und als Frau zu mager sei.
An Letizias 40. Geburtstag an diesem Samstag wissen die Spanier also über ihre künftige Königin weniger, als sie das zu tun glaubten, als sie noch eine quirlige, ambitionierte und attraktive geschiedene Fernsehjournalistin namens Letizia Ortiz Rocasolano war. Damals, als sie ihren Landsleuten eine Weile lang die Abendnachrichten ins Haus brachte, hielt so gut wie jedermann sie für eine intelligente, wortmächtige und in jeder Hinsicht beneidenswerte junge Karrierefrau.
Für dynastische Kontinuität gesorgt
Was hat sich da geändert, seit sie und der Prinz sich am 22. Mai 2004 in der Madrider Almudena-Kathedrale das Jawort gaben? Zunächst, dass auf jenes Jawort in der Öffentlichkeit kaum noch ein nicht sorgsam choreographiertes weiteres Wort folgte. Ja, damals, aus der Zeit der Verlobung, ist noch ein spontaner Satz im nationalen Gedächtnis: „Lass mich auch mal reden“, sagte sie vor einem Journalistenmikrofon und unterbrach ihren dazu freundlich nickenden Prinzen. Das ist seitdem nie wieder vorgekommen. Er redet. Sie schaut ihn, schon weil er so groß ist, mit bewunderndem Augenaufschlag von rechts unten an und schweigt. Das spanische Hofzeremoniell, das für Königinnen und Prinzessinnen außer bei Wohltätigkeits- und Trostveranstaltungen keine sprechende Rolle vorsieht, hat sie eingeholt.
Die Erziehung von Letizia Ortiz und ihre Konditionierung hat früh und für alle sichtbar schon vor der Hochzeit begonnen. Damals muss die zum Ernst und Perfektionismus neigende Braut irgendjemand bei Hofe - die gute Königin wird dabei erwähnt - gelehrt haben, was sich so schickt und was nicht. Die Verwandlung der Journalistin in eine nach außen zurückhaltende Gefährtin des verliebten Felipe geschah rasch. Dass sie inzwischen wie eine Frau ohne Eigenschaften wirkt, die ihre alte Persönlichkeit an der Garderobe abgab, um zu einer entrückten Kunstfigur mit monarchischem Auftrag zu werden, ist also weniger überraschend als beabsichtigt. Und alle Versuche, ihre vermeintlichen früheren politischen Überzeugungen als „Linke“, „Feministin“ und „Haschisch-Raucherin“ immer mal wieder ins Spiel zu bringen, haben inzwischen sogar Letizias ehemalige Berufskollegen ermüdet.
In den „rosafarbenen“ Blättern wird unaufhörlich allerlei über sie, ihre Familie, ihr mutmaßliches Vorleben und ihre eiserne Disziplin erzählt. Was daran stimmt oder nicht, ist jedoch schon ziemlich unerheblich. Denn sie hat ihre Stellung im Königshaus längst in dem einen entscheidenden Punkt gefestigt: Sie hat für dynastische Kontinuität gesorgt. Als Mutter der künftigen Königin Leonor - sollte noch ein Brüderchen auf die Welt kommen, müsste betreffs Erbfolge und Gleichberechtigung die spanische Verfassung geändert werden - ist Letizia unantastbar.
In einer Umfrage bemerkenswert gute Noten bekommen
Wie gut die Ehe wirklich sei, werden die Palastbeobachter gefragt, und jeder sagt etwas anderes. Aber auch das ist, so wie bei Juan Carlos und Sofía, unerheblich, so lange die Form gewahrt wird. Und das wird sie. Im Gegensatz zu Elena, der ältesten Schwester Felipes, deren Ehe gescheitert ist, und Cristina, der jüngeren Schwester, die an der Seite ihres korruptionsverdächtigen Mannes Iñaki Urdangarin eventuell von einem Ermittlungsrichter Besuch bekommen wird, ist das Paar Felipe/Letizia von einwandfreiem Ruf und Auftreten.
Die am 15. September 1972 im nordspanischen Asturien geborene Letizia war 32 Jahre alt, als der verregnete Hochzeitstag ihr Leben dauerhaft veränderte. Die Zeitung „El Mundo“ machte jetzt eine Geburtstagsumfrage, in der sie von den Spaniern bemerkenswert gute Noten bekam. 53 Prozent sagten, dass sie die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt habe, nur 13 Prozent zeigten sich enttäuscht. 55 Prozent sagten, dass sie ihre Arbeit als Prinzessin immer besser mache, und 58 Prozent, dass sie einen günstigen Einfluss auf ihren früher etwas hölzernen Gemahl gehabt habe. Schließlich, und das ist für die angeschlagene Reputation der Monarchie und seine Zukunft vielleicht am wichtigsten, sagten 55 Prozent, dass sie dem Ansehen des Königshauses genutzt habe.
Fest Seit’ an Seit’
So wird an diesem Samstag im Zarzuela-Palast zum ersten Mal seit langen Wochen wieder privat und öffentlich gefeiert werden. Als das Königspaar im Mai Goldene Hochzeit hatte, war der Elefant, den Juan Carlos im Frühjahr in Afrika erlegt hatte, noch warm, so dass alle Festivitäten vermieden wurden. Mit Letizia, die in acht Jahren kein einziges Mal in einen Fettnapf trat und ihre Reise- und Repräsentationspflichten vorbildlich erfüllt, ist eben Staat zu machen.
Während Juan Carlos und Sofía sich in der Öffentlichkeit immer seltener gemeinsam sehen lassen, stehen Felipe und Letizia fest Seit’ an Seit’. Er ist jetzt der Leutselige und sie die Zurückhaltende, manchmal etwas Steife. Als Team überzeugen sie aber weit mehr als das herrschende Paar. Von seiner Frau sagte der König einmal zu Recht, dass sie ein „Profi“ sei. Das gleiche gilt für die Prinzessin von Asturien, auf die der Kronprinz sich in jeder Situation verlassen kann.
Letizia, so äußerte ein Kenner des spanischen Hofs unlängst, schaue in den Spiegel und erkenne dort die Schwiegermutter. Das ist richtig und falsch. Wie Sofía füllt sie ihre Rolle vorbildlich, klaglos und - wenn Kinder oder vom Schicksal Geschlagene um sie sind - mit Wärme und Engagement aus. Anders als Sofía dürfte sie sich aber von ihrem Bourbonen nicht Seitensprünge in Serie gefallen lassen. Hier haben sich die Zeiten geändert. Auch Felipe weiß das. Außerdem ist er von Temperament und Charakter ohnehin wie seine Mutter.
Was keine Eigenschaften?
Egon Weissmann (EgonOne)
- 16.09.2012, 19:04 Uhr
Eigentlich - sie ist perfekt.
Paul Paulson (hankapuk)
- 15.09.2012, 23:57 Uhr