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Das erste Mal zusammen bei einem offiziellen Termin: Harry und Meghan am Freitag beim Besuch einer Schule in Nottingham. Bild: dpa

Meghan Markle als Prinzessin : Sind die Royals jetzt modern?

Prinz Harry will eine bürgerliche Amerikanerin heiraten, die obendrein geschieden ist. Ist die Royal Family damit in der Moderne angekommen? Nicht ganz.

          In der „Daily Mail“ stand in dieser Woche ein schöner Cartoon: Prinz Philip liegt ohnmächtig am Boden, ein Butler eilt mit einem Glas Wasser herbei, die Queen wedelt mit einem Tuch und sagt: „MARKLE, Philip, dear. MEGHAN MARKLE! Harry’s not marrying Angela Merkel!“

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Witz natürlich, aber dennoch stellt sich in diesen Tagen mancher Royalist die Frage: Was denken Königin Elizabeth und ihr Gatte wirklich über die Verlobung ihres Enkels? Am vergangenen Montag war es bekanntgegeben worden: His Royal Highness Prince Henry Charles Albert David of Wales, Knight Commander of the Royal Victorian Order, genannt Harry, wird Rachel Meghan Markle heiraten. Das Paar unterscheidet einiges voneinander, nicht nur, dass Prinz Harry doppelt so viele Vornamen hat. Er ist Mitglied der Royal Family, sie ist Amerikanerin, Filmschauspielerin, bürgerlich, geschieden, drei Jahre älter und hat eine afroamerikanische Mutter. Schon jedes Einzelne dieser Attribute hätte vor einem halben Jahrhundert noch für enorme Sprengkraft gesorgt. Alle zusammen lassen trotzdem auch heute die Briten aufhorchen.

          Die Amerikanerin und der Prinz. Eine Konstellation, die es schon einmal vor mehr als achtzig Jahren gab. Auch daran mag Queen Elizabeth an dem Tag gedacht haben, als Prinz Harry ihr seine Absichten unterbreitete, eine Amerikanerin zu heiraten. Damals war es Wallis Simpson, jene extravagante dunkelhaarige Amerikanerin, geschieden und selbstbewusst, die das Königreich zum Wanken brachte, als Edward VIII. am 11. Dezember 1936 um ihretwillen abdankte und sein Bruder George, Elizabeths Vater, als Zweitgeborener zum König gekrönt wurde. Ohne Wallis wäre Elizabeth heute keine Königin.

          Das ist lange her. Im neuen Jahrhundert haben die Bürgerlichen in allen Königshäusern Europas Fuß gefasst, auch in der Royal Family. Prinz Harrys Onkel Andrew und Edward und seine Tante Anne gingen nicht standesgemäße Ehen ein, von denen zwei wieder geschieden wurden. Sein zwei Jahre älterer Bruder, Kronprinz William, heiratete mit Kate Middleton eine Bürgerliche. Aber gerade im direkten Vergleich mit ihrer künftigen Schwägerin, die in der britischen Upper Class groß geworden ist, zeigt sich, wie schwer es für Meghan werden könnte, Teil des royalen Systems zu werden.

          Prinz Harry und Meghan Markle : Beim Brathuhn gab’s den Antrag

          Um eine Ahnung davon zu bekommen, in welche Welt die amerikanische Schauspielerin einheiraten wird, braucht man sich nur ein paar Folgen der britischen Fernsehserie „Downton Abbey“ anzuschauen, die das Leben des Earl of Grantham samt Familie und Dienstpersonal in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt. Es ist das alte England, das hier in seiner ganzen Pracht entfaltet wird, ein England, das es so nicht mehr gibt, das aber hinter den Mauern von Buckingham und Kensington Palace, Windsor Castle und Schloss Balmoral in seinen Grundzügen überlebt haben dürfte. Dazu gehört schon allein die Tatsache, dass man dort in einer Welt lebt, in der es normal ist, permanent Personal um sich zu haben. Und zwar nicht nur jemanden, der einmal in der Woche den Boden wischt, sondern gleich eine ganze Armada: einen, der kocht, einen, der den Tee serviert, einen, der die Kinder betreut, einen, der einem vor offiziellen Terminen die Haare föhnt und sich um die Kleider kümmert und einen, der als „Assistant Private Secretary“ immer zur Stelle ist.

          Gut möglich, dass Prinz Harry den „staff“ wegschickte, bevor er mit Meghan ein Brathähnchen in den Ofen schob, um ihr anschließend einen Heiratsantrag zu machen. Im Interview mit der BBC erzählte er von diesem Abend, es klingt so herrlich normal und bodenständig, als sei er einer von uns. Aber es dürfte auch ein bisschen Fassade für das Volk gewesen sein.

          Meghan Markle als die smarte Anwaltsgehilfin Rachel in der Serie „Suits“.
          Meghan Markle als die smarte Anwaltsgehilfin Rachel in der Serie „Suits“. : Bild: Getty

          Meghan wuchs in jeder Hinsicht weit entfernt von der Palastwelt auf, jenseits des Atlantiks, aber nicht an der europäisch geprägten Ostküste als Mädchen aus gutem Hause, sondern noch weiter weg, in Kalifornien, also in einer Art Gegenentwurf zum formalisierten Leben bei Hofe. Ihr Vater arbeitete als Lichtregisseur beim Film, ihre Mutter zunächst in einem Reisebüro, später als Yogalehrerin. Vieles lässt eine normale amerikanische Mittelklasse-Kindheit vermuten, ein Bungalow, ein Vorgarten, ein Swimmingpool, mit dem Unterschied, dass die Eltern sich trennten, als Meghan sechs Jahre alt war, und ihr Vater es sich nach einem Lottogewinn leisten konnte, Meghan auf eine Privatschule zu schicken. Zunächst in die Little Red Schoolhouse in Hollywood, später auf die Heart High School, eine katholische Mädchenschule. Ihr älterer Halbbruder sagte später, dass sie schon immer die Prinzessin der Familie gewesen sei.

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