16.02.2012 · Prinz Harry wird in seiner Militärkarriere seinen älteren Bruder William bald an Status übertroffen haben. Zunächst geht es für ihn aber nach Jaimaka – auf eine Reise von diplomatischer Bedeutung.
Von Johannes Leithäuser, LondonPrinz Harry, der Dritte in der britischen Thronfolge, bereitet sich gegenwärtig auf seinen wichtigsten Auslandseinsatz vor: Als Stellvertreter Königin Elisabeths II. wird er im März nach Jamaika reisen. Es ist eine Reise, die eigentlich das diamantene Thronjubiläum seiner Großmutter würdigen sollte, die aber nun auch politisch-diplomatische Bedeutung gewonnen hat: Denn die neue Premierministerin des karibischen Inselstaates, Portia Simpson Miller, hat jüngst öffentlich mit dem Gedanken gespielt, dass ihr vom britischen Empire geprägtes Gemeinwesen, in dem die Königin bis heute als Staatsoberhaupt agiert, sich bald in eine Republik verwandeln könne. Der Besuch des Windsor-Prinzen wird daher zu einer Probe werden, wie enthusiastisch die Jamaikaner in Zukunft der fernen britischen Königsfamilie verbunden bleiben wollen.
Auf Harrys diplomatischen Einsatz in der Karibik könnte später im Jahr ein militärischer Einsatz im Mittleren Osten folgen: Der jüngere Bruder Prinz Williams hat gerade einen Ausbildungskursus zum Kampfhubschrauberpiloten als Jahrgangsbester – von 20 Teilnehmern – bestanden und darf damit rechnen, in einigen Monaten zum zweiten Mal in die südafghanische Provinz Helmand verlegt zu werden, wo die britischen Truppen des internationalen Afghanistan-Kontingents stationiert sind. Hauptmann Harry Wales tat dort schon einmal Dienst – als Funk-Koordinator, bis nach zweieinhalb Monaten eine Zeitung das vereinbarte Stillschweigen brach und über seinen Kampfeinsatz berichtete.
Spätestens wenn Harry am Ende dieses Jahrs in Afghanistan als Kopilot und Kanonier eines Apache-Kampfhubschraubers zum Einsatz kommen sollte, wird er in seiner Militärkarriere seinen älteren Bruder William an Status übertroffen haben. William, der Herzog von Cambridge und Zweite in der Thronfolge, dient gegenwärtig auf den Falkland-Inseln als Pilot eines Rettungshubschraubers – eine Funktion, die das Maximum an Risiken enthält, die einem künftigen Staatsoberhaupt als Soldat zugestanden werden können. In der Verwendung der Prinzen wiederholen sich die Ausbildungs- und Stationierungsmuster, denen schon ihr Vater und ihr Onkel zu folgen hatten: Prinz Charles, der Thronfolger, war auch Hubschrauberpilot, ohne sich je in einem Kampfeinsatz beweisen zu dürfen. Er kommandierte stattdessen später, nach seinem Wechsel zur Marine, den Minensucher „HMS Bonnington“.
Charles’ jüngerer Bruder Andrew hingegen nahm, gleichfalls als Pilot eines Hubschraubers, an jenem Feldzug teil, der vor 30 Jahren die argentinischen Eroberer von den Falkland-Inseln vertrieb. Er sagte kürzlich, er habe das Feuer der argentinischen Flugabwehrraketen noch ganz frisch im Gedächtnis; es habe ihm damals vor Augen geführt, „wie zerbrechlich wir als Menschen sind“.