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Lea van Acken als Anne Frank : Wir können rausgehen und leben

„Man muss Anne nahbar machen“: Van Acken Ende Januar im „Anne Frank Zentrum“ in Berlin. Bild: Andreas Pein

Eine Schülerin aus Schleswig-Holstein spielt die Hauptrolle im Film „Tagebuch der Anne Frank“, der an diesem Donnerstag in die Kinos kommt. Wie geht das – eine Ikone darstellen? Unsere Autorin hat Lea van Acken getroffen.

          Lea van Acken ist das, was sie selbst ein ganz normales Mädchen nennt. Vor ein paar Jahren, als sie noch „Germany’s Next Topmodel“ guckte, erklärte sie die Straße vor dem Haus zum Catwalk und lief mit einer Freundin auf und ab, im Bikini, während die Mutter aus dem Fenster sah und sich wunderte, warum die Autos so langsam fuhren.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Später dann schwärmte ihre Clique für ein paar Jungs aus der Oberstufe, weshalb die Mädchen sich so lange auf dem Gang in der Schule herumdrückten, bis sich jeder denken konnte, was los war. Und weil die Sechzehnjährige weder bei Facebook noch bei Instagram ist, lässt sie sich gelegentlich von den Freundinnen informieren, welcher Sänger gerade besonders angesagt ist.

          Van Acken lebt auf dem Dorf in Schleswig-Holstein. Sie geht joggen und reiten, und im Sommer springt sie mindestens einmal täglich in den nahe gelegenen See. Manchmal streitet sie sich mit ihrem kleinen Bruder. In der Schule mag sie Englisch und die Diskussionen in Politik und Philosophie. Nachdem sie als Zwölfjährige bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg auf der Bühne gestanden hatte, suchte sie sich eine Schauspielagentur in Berlin.

          Sie lacht viel und wirkt aufgekratzt, und wenn dieses ganz normale Mädchen erzählt, wenn es mit heller Stimme von einem Komma zum nächsten rast, ohne Pausen, auf die Gefahr hin, dass ihre Gedanken Schleifen bilden oder sich verknoten, nimmt Van Acken zwischendrin die Hände an die Schläfen und seufzt, gleichzeitig belustigt und bestürzt: „Ich rede auch so viel, oh Gott. Ich rede die ganze Zeit.“

          Von Schluchzern geschüttelt

          Der Film „Das Tagebuch der Anne Frank“, der am Dienstag auf der Berlinale seine Weltpremiere feierte und Anfang März in die Kinos kommt, beginnt auch, indem Lea van Acken redet. Ihr Schneewittchengesicht ist zunächst nicht zu erkennen. Vor einem honigfarben verklebten Fenster zeichnet sich in der Dunkelheit eine Silhouette ab. Das Licht flackert, es ist laut, und man ahnt schnell, dass draußen kein Gewitter tobt, sondern Bomben fallen. Van Acken spricht langsam dagegen an. Den Monolog musste sie schon bei ihrem ersten Casting vortragen, als der Regisseur Hans Steinbichler entschied, dass dieses Mädchen aus Schleswig-Holstein seine Anne Frank spielen sollte.

          Der Text setzt sich aus mehreren Einträgen im Frühjahr 1944 zusammen. Damals hielt sich die Familie Frank bald zwei Jahre vor den Nationalsozialisten versteckt. Die ersten Sätze finden sich auf den allerletzten Seiten des weltberühmten Tagebuchs: „Ich sehe, wie die Welt langsam immer mehr in eine Wüste verwandelt wird, ich höre den anrollenden Donner immer lauter, der auch uns töten wird, ich fühle das Leid von Millionen Menschen mit.“

          Die Kamera kommt näher. Nach und nach wird das Glänzen unter den Augen der Schauspielerin größer, das Glitzern über der Lippe. Man sieht ihre Schultern beben. Die helle Stimme stolpert, von Schluchzern geschüttelt. Schließlich füllt Van Ackens tränennasses Gesicht die gesamte Leinwand aus, die Augen sind direkt auf den Zuschauer gerichtet. Ihr Blick jedoch geht nach innen. Der Film hat gerade erst angefangen, aber das Ende ist bekannt, und es tut einem jetzt schon weh: Anne Frank starb im Februar 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Sie wurde 15 Jahre alt.

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