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Von Politik und Arbeitgebern : Warum mehr für Linkshänder passieren müsste

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Für den Biospsychologen Sebastian Ocklenburg ist das ein weiteres Zeichen dafür, wie komplex die Händigkeitsentwicklung ist. Inzwischen seien einige Gene gefunden worden, die wahrscheinlich mit der Händigkeit in Zusammenhang stünden. Es sind vor allem solche Gene, die auch dafür verantwortlich sind, dass das Herz sich im Körper auf der linken Seite entwickelt, die Leber im rechten Oberbauch. Damit, so Ocklenburg, sei die Entwicklung des Gehirns aber nicht beendet. Umweltfaktoren würden weit mehr Einfluss nehmen. Das können zum Beispiel hormonelle Bedingungen im Mutterleib sein. Und auch später, besonders im Kindesalter, entwickelt sich das Gehirn weiter. So könne man bei umgeschulten Linkshändern im MRT sehen, dass beim Schreiben beide Gehirnhälften aktiv sind.

Insgesamt, so Ocklenburg, gibt es eine Reihe an Asymmetrien: Ein Fuß schießt besser, ein Ohr hört besser, ein Auge sieht besser. Dabei müsse ein Rechtshänder nicht unbedingt auch rechtsäugig sein. Die Forscher hoffen, durch die Händigkeitsforschung mehr über die grundsätzliche Asymmetrie des Gehirns zu erfahren. Dieses Wissen, so Ocklenburg, könne dann wiederum bei Funktionsstörungen im Gehirn, zum Beispiel nach Schlaganfällen, angewendet werden.

Lange hat die Politik das Thema Linkshändigkeit nicht auf ihrer Agenda gehabt, obwohl es doch viele betrifft. Jetzt aber hat zumindest die bayerische Politik begonnen, sich damit zu beschäftigen. Dass es ausgerechnet in München zum Thema wird, liegt natürlich auch an Frau Sattler und an ihren Mitstreitern aus Bayern. Da ist zum Beispiel Hubert Wagner. Lange Zeit leitete er das Kulturreferat der CSU-Landesleitung. Nun ist er, wie er sagt, im Unruhestand, also weiterhin im Landtag unterwegs.

CSU-Antrag zum Thema Linkshändigkeit

Ihm ging es wie vielen Rechtshändern. Linkshändigkeit war ihm weitestgehend egal, bis sie in seiner Familie auftauchte. Als das passierte, war Wagner schon Opa. Er war mit seinem Enkel an der Mangfall. Wagner warf einen Stein über den Fluss. Der Enkel versuchte es auch, schaffte es aber nicht ganz. Da sagte der Opa: „Ja, nimm halt die richtige Hand.“ Also probierte es der Enkel mit rechts. Und der Wurf misslang komplett. Da dämmerte es dem Opa, und er hatte wieder einen Punkt mehr auf seiner Agenda.

Und jemand wie Wagner hat natürlich viele Kontakte, zum Beispiel die CSU-Landtagsabgeordnete Ute Eiling-Hütig Sie hat zusammen mit einigen Kollegen aus ihrer Fraktion einen Antrag in den Landtag eingebracht – zum Thema Linkshändigkeit. Da steht zum Beispiel, dass die Händigkeit bei den Vorsorgeuntersuchungen im Kindesalter noch stärker beachtet und in der Ausbildung von Erziehern und Lehren eine größere Rolle spielen soll. Die Regierung wird aufgefordert, sich ein Bild davon zu machen, ob Labor- und Praktikumsplätze an staatlichen Schulen auf Linkshänder ausgerichtet sind. Der Landtag nahm den Antrag in der ersten Jahreshälfte einstimmig an. Und das sei in Bayern nicht alltäglich, so Wagner.

Nun stehe man aber auch vor der Aufgabe, all die Vorhaben in die Praxis umzusetzen, Linkshänder zu unterstützen, ohne sie speziell hervorzuheben, denn das wollen die wenigsten von ihnen. Auch Eva Ziegler nicht, sie hat da ihren eigenen Weg gefunden – auch im Umgang mit den Schülern. Sie meint, Normalität ergibt sich, wenn man etwas nicht mehr groß betont. Ziegler erzählt, dass sie bei ihren Schülern sehr auf die Hefthaltung, Stifthaltung und Körperhaltung achte – und das bei allen Schülern. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass die Kinder gleichbehandelt werden wollen, ob Links- oder Rechtshänder.

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