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Pfandsammler : Kampf um jede Flasche

Zum Mitnehmen: Flaschensammler können sich am Pfandring bedienen Bild: dpa

Das Konzept der Pfandringe klang vielversprechend. Viele Städte waren begeistert. Doch die Bilanz nach einem Jahr fällt ernüchternd aus.

          Es könnte so einfach mit der Pfandflasche sein, ist es aber nicht. Inzwischen ist sie ein Politikum, über das Landesparlamente, Ausschüsse und Stadtverwaltungen diskutieren. Und über das sie streiten.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Zum Beispiel in Köln. Dort gibt es, wie in vielen anderen Städten auch, eine Menge Flaschensammler, die in Mülleimern nach Leergut suchen. Das kann gefährlich sein, in jedem Fall ist es aber unappetitlich. Deswegen hat ein Kölner Designer den Pfandring erfunden, ein gelbes Metallgestell, das an Mülleimer oder Laternen montiert wird, und in das leere Pfandflaschen gestellt werden können. Rund um den Mülleimer sieht es ordentlich aus, und der Flaschensammler muss nicht mehr in den Dreck greifen. Eigentlich eine tolle Idee - könnte man meinen. Aber so einfach ist es mit der Pfandflasche eben nicht.

          Denn nachdem viele Städte in der ersten Begeisterung einige Pfandringe bestellten wie zum Beispiel Köln für den Stadtteil Ehrenfeld, gibt es nun immer mehr Kritik. Die Kölner Abfallbetriebe haben das seit einem Jahr laufende Projekt beobachtet - die Metallringe seien oft mit anderem Müll zugestopft, sähen schnell schmuddelig aus und die gut erreichbaren Pfandflaschen würden als Wurfgeschosse benutzt. Ähnliche Erfahrungen hat man in Berlin gemacht, wo es in einigen Bezirken Pfandkisten gibt. Die mussten im Winter repariert werden.

          Die Idee der Pfandringe sei eigentlich gut, heißt es deswegen aus Köln, aber nicht praxistauglich. Der Entsorgungsbetrieb hat sich dagegen ausgesprochen, nun auch Pfandringe in der Kölner Südstadt anzubringen. Es gab Streitereien mit der Politik, die sich schließlich durchsetzte und weiter an den guten Zweck der Pfandringe glaubt. Das Projekt in der Südstadt wird von einer Firma begleitet, die nach einem Jahr Bericht erstatten soll. Dazu gibt es auch „Referenzstandorte“ mit Papierkörben ohne Pfandsammelsystem. Die Pfandflasche wird zu einer eigenen Wissenschaft.

          „Idealismus macht den Weg nicht einfacher“

          Dabei war der Grundgedanke von Paul Ketz, dem Erfinder des Pfandrings, wie er in Köln verwendet wird, eigentlich ganz simpel. „Ich bin nicht nur Gestalter, sondern auch Überzeugungstäter.“ Er hält es für würdelos, wenn Flaschensammler zwischen Pommes-Resten nach ein paar Cent wühlen müssen. Aber mit Idealismus allein kommt man bei Kommunalpolitikern nicht weit, das musste Ketz bald erfahren. Einigen Städten sind seine Pfandringe mit 100 bis 200 Euro pro Stück zu teuer; andere befürchten, dass sich, wo die Ekelschwelle nun wegfällt, auch diejenigen beim Pfand bedienen, die es eigentlich gar nicht nötig haben.

          Anzugträger zum Beispiel. Die sollen in Frankfurt beim Einsammeln schon beobachtet worden sein. Aber auch Schüler und Studenten. Dass die ursprünglichen Flaschensammler, meist Obdachlose oder Rentner, womöglich um ihren Verdienst gebracht werden, ist auch einer der Gründe, weshalb der Frankfurter Magistrat gegen Pfandringe ist. Die Konkurrenz um das Pfand wird härter. Wohl auch, weil sich professionell organisierte Banden unter die Flaschensammler gemischt haben, etwa am Frankfurter Flughafen. Dort hat man 75 spezielle Mülleimer aufgestellt, in die Flaschen zwar eingeworfen, aber nicht mehr mit der Hand rausgeholt werden können.

          Das läuft dem Wunsch, das Leben der Flaschensammler zu erleichtern, entgegen. Designer Paul Ketz ist trotzdem zuversichtlich. Vor kurzem seien knapp 70 Pfandringe nach Pullach gegangen; Bamberg, Stuttgart und Bielefeld gehörten zu seinen ersten Kunden, und bald soll es seine Modelle auch in Budapest geben. Ketz lässt sich von den oft langsam mahlenden Mühlen der Verwaltung nicht demotivieren. „Idealismus macht den Weg nicht einfacher, aber es fühlt sich wesentlich besser an.“

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