10.10.2006 · Ihre Einsatz für Leprakranke hat ihr den Beinamen „Stern von Benares“ eingebracht. Nun wird Stella Deetjen für ihre Arbeit in Indien mit dem „Women's World Award“ ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung in New York wird sie ein Stern unter Stars sein.
Von Axel WermelskirchenAls Stella Deetjen in ihrem Heim für Straßenkinder im indischen Benares die Nachricht aus New York erhielt, glaubte sie, es erlaube sich jemand einen Scherz mit ihr. Aber es war kein Scherz: Am Samstag wird die junge Frau aus Friedrichsdorf im Taunus in New York aus der Hand Michail Gorbatschows den „Women's World Award“ 2006 entgegennehmen (www.worldawards.com).
Die Auszeichnung gilt ihrem Einsatz für Leprakranke und Straßenkinder in Benares (www.back-to-life.com). Im Alter von 24 Jahren war Stella Deetjen dort einem Leprösen begegnet, und diese Begegnung veränderte ihr Leben. Die schöne junge Frau kehrte nicht nach Europa zurück, ließ das Studium von Kunst und Fotografie hinter sich. Sie lebte mit den Ausgestoßenen, baute eine Straßenklinik für sie auf, kümmerte sich schließlich auch um deren Kinder. Aus Spenden errichtete sie ein Heim, in dem heute fünfzig Kinder vor Krankheit, Schmutz und sexuellem Mißbrauch geschützt sind. Sie besuchen die Schule. Und sie verehren Stella Deetjen als „Stern von Benares“.
Ein Stern unter Stars
Am Samstag wird sie von dieser dunklen Seite der Welt, die sie ein wenig lichter macht, in den Glanz New Yorks treten. Die Preisverleihung im Hammerstein Ballroom des Manhatten Center ist ein gesellschaftliches Ereignis von Rang mit vielen Stars. Moderiert wird es von der Schauspielerin Teri Hatcher („Desperate Housewives“). Der Preis wird in mehreren Kategorien verliehen. Ausgezeichnet werden auch die Hollywood-Schauspielerinnen Sharon Stone, Whoopi Goldberg, Susan Sarandon und Lucy Liu, die Hip-Hop-Sängerin Mary J. Blige, Königin Noor von Jordanien und das deutsche Model Claudia Schiffer.
Zur „Frau des Jahres“ wird Robin Herbert gekürt, Ärztin und Wissenschaftlerin am Mount-Sinai-Hospital in New York. Sie hat mit einer großen Studie nachgewiesen, daß von den 40.000 Einsatzkräften am Ground Zero nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Tausende irreparable Lungenschäden durch den Staub erlitten. Robin Herbert kämpft für ihre medizinische Versorgung.
Stella Deetjen hat in ihrem Heim in Benares gerade Schülerpraktikanten vom Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg zu Gast, ihrer alten Schule. Die muß sie nun für ein paar Tage in Richtung New York verlassen. Sie träume davon, sagt sie, den Ruhm der hohen Auszeichnung in Spenden für eine noch zu gründende große Lepra-Stiftung umzumünzen (siehe auch: Stern in Benares).
Axel Wermelskirchen Jahrgang 1951, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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