26.10.2004 · Schäbige sechs Minuten Schwerelosigkeit. Mehr ist nicht drin, wenn William Shatner alias Captain Kirk endlich wirklich ins All fliegt. Und selbst dieser Hüpfer ist noch nicht sicher.
In Star Trek VI vertritt der legendäre Captain Kirk, Kommandant auf dem Raumschiff Enterprise, selbstbewußt die Ansicht, das Universum schulde ihm etwas. Schließlich kämpfte er x-fach für die Sternenflotte und gegen die Klingonen, war überall dort, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Soweit das Kino. Die Wirklichkeit ist bitter: William Shatner, die Verkörperung des Kirk, hat den Planeten nie verlassen. Das Universum kennt ihn nicht einmal.
Shatner, inzwischen 73, will das nun ändern, wenigstens ein bißchen. Endlich raus in die Unendlichkeit, wenigstens in den Orbit. Auf ganze sechs Minuten Schwerelosigkeit kann es der Kanadier maximal bringen. Mehr ist nicht drin mit den kommerziellen Flügen, die Richard Branson künftig bei seiner Virgin Galactica anbieten will. Streng genommen kratzen die Maschinen, die aus dem erfolgreichen Prototyp „SpaceShipOne“ hervorgehen sollen, lediglich am Weltraum; man kann das Schwarze gerade einmal sehen.
Bewirbt sich ein Kirk um einen Raumflug?
Noch eine Erniedrigung für den Helden der Unendlichkeit: Für eine so schlappe Runde um den Block muß sich der Mann, der sich als Kirk mir nichts, dir nichts „seine“ Enterprise gegen alle Befehle schnappte, um die mal wieder ahnungslose Welt vor irgendwelchen Gefahren in fernen Galaxien zu retten, bewerben! Die Flugkosten in Höhe von 210.000 Dollar, derzeit 164.000 Euro, dürften bei der Zulassung kein Problem sein, eher schon das Alter. 2008 kann es frühestens losgehen. Dann ist Shatner 77, und es steht zu befürchten, daß der Schauspieler dann abermals den späten Kirk zitieren muß: „Für sowas werde ich allmählich zu alt.“
Sollte es sogar noch schlimmer kommen, so muß der Traum vom Flug ins Weltall trotzdem nicht ausgeträumt sein. Eugene Shoemaker beispielsweise, der amerikanische Geologe, der die Natur der Krater auf dem Mond und anderen Himmelskörpern entschlüsselte, hat seine letzte Ruhe in einem Mondkrater gefunden. Für Shatners letztes Behältnis käme eher ein gerader Kurs hinaus in die Unendlichkeit in Frage. Das Universum wird es nicht weiter stören.