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Per Anhalter durch die Galaxis : „Ich bin glücklich, wenn ich jemanden mit Handtuch sehe“

  • Aktualisiert am

Wunderwaffe gegen die Widrigkeiten der Galaxis: das Handtuch Bild: REUTERS

Einmal im Jahr hängt sich Chris Campbell ein schwarzes Geschirrtuch an den Gürtel - das angeblich nützlichste Accessoire in der Galaxis. Am 25. Mai vor zehn Jahren rief er den „Towel-Day“ ins Leben.

          Hallo Chris, haben Sie Ihr Handtuch schon bereit gelegt?

          Ja, es ist ein kleines schwarzes Geschirrtuch.

          Vor zehn Jahren hatten Sie und Clyde D. Williamson die Idee, den „Towel Day“ ins Leben zu rufen, der heute an vielen Orten auf der Welt gefeiert wird. Was hat es damit auf sich?

          Der „Towel Day“ soll an den englischen Schriftsteller Douglas Adams erinnern, der Ende der Siebziger Jahre das Kultbuch „Per Anhalter durch die Galaxis“, geschrieben hat und leider viel zu früh verstorben ist. Menschen, die ihm gedenken wollen, sollen an diesem Tag ein Handtuch mit sich herumtragen.

          Chris Campbell, Mitbegründer des „Towel Day”
          Chris Campbell, Mitbegründer des „Towel Day” :

          Wie ist die Idee entstanden - und warum ein Handtuch?

          Clyde und ich haben zu der Zeit mit ein paar anderen zusammen an Webseiten gearbeitet. Kurz nach dem Tod von Douglas Adams im Mai 2001 haben wir in einem Chat darüber diskutiert und beschlossen, etwas zu seinem Gedenken zu machen. Wir haben mehrere Dinge diskutiert, und uns schließlich auf das Handtuch geeinigt - es ist laut dem Buch ungefähr das nützlichste, was ein Anhalter in der Galaxis bei sich haben kann. Clyde hat dann den Aufruf auf unsere damalige Website gestellt und ich habe zwei Domains kreiert: towelday.org und towelday.com.

          Warum gerade am 25. Mai? Adams starb doch am 11. Mai.

          Das Datum hat eigentlich keine besondere Bedeutung. Wir wollten einfach schnell reagieren, auch für die anderen Fans, die nicht auf seiner Beerdigung dabei sein konnten.Wir hatten nicht die Absicht, den Tag zu einem wiederkehrenden Phänomen zu machen. Ich war sehr überrascht, dass ein Jahr später wieder darüber gesprochen wurde.

          Haben Sie gar nichts mehr mit der Website zu tun?

          Nein, die habe ich ziemlich bald aus der Hand gegeben. Diese Person, ein Osteuropäer glaub ich, ist aber nach etwa eineinhalb Jahren verstorben und die Webseite war einige Zeit inaktiv. Nun kümmern sich andere drum, ich kenne sie aber nicht. Ich sehe auch keinen Grund, mich wieder einzubringen, die Nachricht auf der Website hat immer noch ihren Sinn.

          Aber Sie haben den „Towel Day“ all die Jahre praktiziert?

          Ja. Ich habe ihn vielleicht ein, zwei Mal verpasst weil ich auf Reisen war und inzwischen einen kleinen Sohn habe, der viel Zeit in Anspruch nimmt.

          Gibt es denn Regeln, was für ein Tuch man nehmen und wie man es tragen sollte?

          Nein. Es kann auch ein großes Tuch sein. Ich hatte ein großes, neon-grünes für die ersten drei Jahre, aber das war ein wenig unbeholfen. Darum habe ich nun ein kleineres. Wie man es trägt, spielt keine Rolle, ich werde meines an den Gürtel hängen. Aber klar, mit einem größeren zieht man auch mehr Aufmerksamkeit auf sich. Die Idee aber war schon, dass es auch wahrgenommen wird.

          Wie reagieren die Leute, wenn Sie das Handtuch sehen?

          In den ersten Jahren gab es viele Fragen, mittlerweile ist die Sache bekannter. Ich bin immer sehr glücklich, wenn ich jemanden mit Handtuch sehe, das kommt überraschenderweise immer wieder vor. Einfach fantastisch!

          Was sagen Sie den Unkundigen?

          Tatsächlich trifft man nicht so viele, wenn man wie ich den ganzen Tag im Büro verbringt. Aber wenn, dann empfehle ich ihnen, das Buch zu lesen.

          Ich habe in Deutschland noch niemanden mit Handtuch gesehen, obwohl es hier auch praktiziert wird, angeblich vor allem in der IT-Branche.

          Ah wirklich? Ich habe gehört, dass es Europa sogar Parties mit Freibier gibt. Ich glaube schon, dass es eine gewisse Subkultur anzieht. Ich habe viel Zeit an Universitäten verbracht, auch jetzt arbeite ich als IT-Berater für die Jefferson-Universität. Und ich habe schon oft Leute mit Handtüchern gesehen. Es ist schon etwas für Leute mit einer Vorliebe für Science-Fiction.

          Das Ganze ist aber auch eine sehr gute Idee, um Geld zu verdienen. Schließlich kann man im Internet auch schon Handtücher für den „Towel Day“ kaufen.

          Ja, es könnte eine gute kommerzielle Idee sein. Aber wissen Sie, wir waren eine Gruppe von „Open-Source“-Software-Leuten. Wir haben diese Bewegung nicht beabsichtigt, es sollte eine nette Geste für Douglas Adams sein. Ich habe auch nie auf die Namensrechte gepocht.

          Wie viele Leute feiern den Tag denn heute?

          Keine Ahnung. Wenn ich mir so die Fotos im Internet anschaue, müssen es sehr viele sein. Es ist schwierig zu erfassen, da es eine Idee war, die sich über das Internet verbreitet hat, und zudem sehr individuell praktiziert wird. Auch Clyde und ich haben uns übrigens nur zwei, drei Mal persönlich gesehen.

          Wie oft haben Sie „Per Anhalter durch die Galaxis“ gelesen?

          Sehr oft. Ich lese es etwa einmal im Jahr.

          Die Fragen stellte Nina Belz.

          Quelle: FAZ.NET

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