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Partnersuche im Internet Gleich und gleich gesellt sich gern

05.06.2007 ·  Im letzten Jahr gaben die Deutschen 66 Millionen Euro für die Partnersuche im Internet aus. Selbst die Wissenschaft interessiert sich für den Online-Flirt. Sozialforscher kamen zu einem ersten Ergebnis, das so neu nicht ist.

Von Anna Lissel
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Alleinsein ist selten schön, schon gar nicht im Juni. Überall glaubt der Single jetzt verliebte Paare zu sehen. Viele, die auch lieber zu zweit wären, wenden sich heute ans Internet. So hat etwa Patrick Q. seine große Liebe gefunden: „Ich war wegen meiner Ausbildung in eine andere Stadt gezogen. Dort habe mich allein gefühlt“, sagt der 25-jährige Mediengestalter. Zunächst war er gar nicht auf eine Liebesbeziehung aus. „Ich wollte einfach nur Menschen mit ähnlichen Interessen kennenlernen.“ Dann wurde es doch schnell mehr. Inzwischen ist die Internet-Liebe seit vier Jahren seine feste Freundin.

Herr Q. ist kein Einzelfall. Nach den Ergebnissen einer Studie der Betreiber des Portals „singleboersen-vergleich.de“ gibt es in Deutschland rund eine Million Beziehungen, die über das Internet entstanden sind, 5,3 Prozent aller Partnerschaften insgesamt. Der Wunsch danach ist der häufigste Antrieb, eine Online-Kontaktbörse zu nutzen. Einige halten dort allerdings nur nach neuen Freunden Ausschau, andere ausschließlich nach erotischen Abenteuern. Manchen treibt pure Neugier.

Zwischen dreißig und vierzig Jahre alt

Was sein Alter betrifft, ist Patrick Q. eher eine Ausnahme. Die meisten Internet-Dater sind zwischen dreißig und vierzig. Auch Hauptschulabsolventen sind selten, nur neun Prozent gehen auf die virtuelle Partnersuche. Das hat auch damit zu tun, dass weniger als ein Drittel aller Geringverdienenden überhaupt einen Internetzugang haben. Grundsätzlich kommt nach einer Emnid-Umfrage aber für fast die Hälfte der jüngeren Internetnutzer die Partnersuche im Internet in Frage. Von denen, die es tatsächlich tun, sind etwa gleich viele Männer und Frauen.

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern kommen aber auch hier zum Tragen. 34 Prozent aller Frauen geben an, dass sie bei einem Blind-Date auf eine Mogelpackung trafen, einen Mann also, der falsche Fakten vorgetäuscht hatte. Männer sind dafür aktiver: Sie versenden im Schnitt doppelt so viele Kennenlern-Gesuche und sind auf mehreren Portalen gleichzeitig unterwegs. 40 Prozent geben an, im Internet schon einmal eine Beziehung aufgebaut zu haben. Ob diese allerdings so lange Bestand hatte wie Patricks Beziehung, ist nicht bekannt.

Rasanter Zuwachs der Teilnehmer

„Ich denke aber nicht, dass unsere Geschichte ganz alltäglich ist“, sagt Patrick Q.. „Ich kenne nicht viele Paare, die so zusammengekommen sind. Ein Geheimnis habe ich deshalb trotzdem nicht daraus gemacht. Warum auch?“ Tatsächlich ist eine online angebahnte Partnerschaft zwar noch ungewöhnlich, aber offensichtlich kein Grund, sich zu schämen. 70 Prozent geben an, darüber mit Freunden oder Eltern zu sprechen. Diese wachsende Normalität hängt vermutlich auch mit dem rasanten Zuwachs der Teilnehmer zusammen. Von 2,8 auf 6,2 Millionen stieg die Zahl der Online-Dater im Zeitraum 2002 bis 2005.

Die Vorstellung, dass hier nur die hoffnungslosen, sozial isolierten Fälle auf der Suche sind, ist unzutreffend. Das soziologische Institut der Universität Zürich hat mit einer Umfrage im Jahr 2002 herausgefunden, dass die Hälfte der Kontaktsucher höchstens ein Jahr alleine war. Eremiten und Beziehungsgeschädigte haben es eben auch online schwer. Es entscheiden letztlich die gleichen sozialen Kompetenzen wie im nichtvirtuellen Leben. Das fängt beim ersten Schritt an, der Entscheidung für eine Singlebörse oder Partnervermittlung. Die Singlebörsen sind eine Weiterentwicklung der Kontaktanzeigen in Zeitungen. Wie bei Internet-Auktionen auf Ebay & Co. zählt dabei vor allem die geschickte Beschreibung des Angebots, also der eigenen Person.

Die Online-Partnervermittlung dagegen funktioniert nach demselben Prinzip wie klassische Vermittlungsagenturen, das heißt, die Auswahl möglicher Partner findet durch den Anbieter statt. Das hat allerdings zur Folge, dass die Bewerber in eine Schublade einsortiert und mit Partnern aus derselben Schublade zusammengeführt werden. Für Menschen, die Gegensätze anziehend finden, scheint diese Strategie nicht sehr erfolgversprechend zu sein. Die Preise bei den rund 500 deutschsprachigen Vermittlungsagenturen sind höher als bei den Singlebörsen, was dazu beiträgt, dass mehr ernsthaft Suchende angemeldet sind. Bei der Profilerstellung werden unter anderem allgemeine Aspekte zu Beziehungswünschen geklärt, aber zum Beispiel wird auch gefragt, welche Bedeutung man Sex in einer Beziehung beimisst. Ein großer Anbieter weist gleich zu Beginn darauf hin, dass das Ausfüllen des Fragebogens ungefähr eine Stunde dauern wird.

Das Allerwichtigste sei Aufrichtigkeit

Patrick Q. hatte sich an eine Singlebörse gewandt. „Ich habe mich nicht großartig vorbereitet. Nach zwei Minuten war ich angemeldet.“ Das Allerwichtigste sei ohnehin Aufrichtigkeit. „Wenn man keine ehrlichen Angaben macht, findet man auch niemanden, der zu einem passt.“ Der Erfolg gibt ihm recht, denn er bekam Antwort. „Die erste Nachricht war ziemlich belanglos, aber wir haben uns immer weiter geschrieben. Irgendwann habe ich ihr meine Telefonnummer gegeben“, erinnert sich Herr Q. „Nach einiger Zeit klingelte abends das Telefon. Sie meinte: ,Rate mal, wer hier ist.'“

Der Wechsel in die Realität kann aber auch sehr ernüchternd sein, wenn die Vorstellung, die man sich vom anderen gemacht hat, nicht zutrifft. Nach den Ergebnissen der Zürcher Soziologen gaben 40 Prozent der Befragten an, eine Bekanntschaft mitunter nicht treffen zu wollen, weil man seine Vorstellungen nicht mit der schnöden Realität konfrontieren wolle. Die digitale Fahndung nach dem Glück kann zur Folge haben, dass man sich ein Treffen mit einem Prinzen verspricht und dann einem Frosch gegenübersteht. Patrick Q. blieb das erspart: „Sie war genau so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Wir haben uns Hals über Kopf verliebt.“

Die konsequente Fortsetzung einer Online-Liebe wäre nun virtuelle Hochzeit. Tatsächlich gibt es Cyber-Kirchen, in denen man sich ganz romantisch online das Jawort geben und andere dazu einladen kann, diesen schönsten Tag im Leben am heimischen Computer mitzuverfolgen. Rechtlich bindend ist diese Art der Trauung nicht. Wer aber eine Generalprobe für das große Ereignis wünscht oder aber liebe Verwandte in Australien hat, der kann auch virtuell unter die Haube kommen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 03.06.2007, Nr. 22 / Seite 62
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