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Neue Seilbahn auf Zugspitze : Trial and Error

Bei Wind und Wetter: Techniker arbeiten an einer Gondel der neuen Panorama-Seilbahn auf die Zugspitze. Bild: dpa

Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit wird die neue Seilbahn auf die Zugspitze fertig – trotz Schnee, Blitzen und viel Improvisation. „Hätten wir geahnt, was auf uns zukommt, hätten wir wohl gar nicht angefangen“, sagt der Projektleiter.

          Ganz ohne Schaden ging es doch nicht – und ausgerechnet das goldene Gipfelkreuz wurde getroffen. Der Baukran touchierte es an einem vernebelten Tag im Mai dieses Jahres mit seiner Kette und schlug einen der vier Zacken ab. „Da hat es ganz schön gescheppert“, sagt Martin Hurm.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die Touristen, die Deutschlands höchsten Berg den Sommer über zu Tausenden besuchten, konnten die – leicht ramponierte – Gipfel-Zier vor atemberaubender Bergkulisse trotzdem weiter bestaunen. Erst im Oktober wurde das auf 2962 Metern Höhe befestigte Kreuz abgenommen und zum Schmied nach Garmisch Partenkirchen gebracht. Der Schaden war überschaubar – und versichert.

          Daher schmunzelt Hurm, Betriebsleiter der Bayerischen Zugspitzbahn Bergbahn und Projektleiter auf Deutschlands höchster Baustelle, eher über das Malheur. Sichtlich erleichtert ist er, dass es in den zweieinhalb Jahren Bauzeit keine größeren Zwischenfälle gegeben hat. Das ist keine Selbstverständlichkeit in Anbetracht der Lage und widrigsten Wetterbedingungen im Winter wie im Sommer; angesichts von Arbeiten unmittelbar am steilen, mehr als 1000 Meter tiefen Abgrund. „Für mich ist es das wichtigste, dass es keine Verletzten gegeben hat“, sagt er.

          Außerdem habe es auch etwas Gutes mit dem beschädigten Kreuz. „Jetzt kommen endlich die 150 Aufkleber runter.“ Unglaublich, aber wahr: Rücksichtslose Bergtouristen verewigen sich nach der Gipfelerstürmung nicht nur auf Laternenmasten oder sonstigen beklebbaren Flächen, sondern eben auch auf dem 2009 mit Blattgold restaurierten Gipfelkreuz.

          Arbeiter balancieren in der Talstation bei Grainau auf den Tragseilen für die neue Seilbahn zur Zugspitze.
          Arbeiter balancieren in der Talstation bei Grainau auf den Tragseilen für die neue Seilbahn zur Zugspitze. : Bild: dpa

          Begonnen haben die Bauarbeiten für die neue Seilbahn im Sommer 2015. Nun drängt die Zeit. Am 21. Dezember um 11 Uhr läuft der Countdown ab. Dann soll die Jungfernfahrt der neuen Gondel beginnen, die bis zum Boden verglast ist und 120 Passagiere schon während der Auffahrt einen traumhaften Rundum-Blick auf die Berge ermöglicht. Drei Tage vor Weihnachten – das war schon der zu Beginn festgesetzte Termin. Er wird wohl eingehalten, genauso wie die Baukosten in Höhe von rund 50 Millionen Euro.

          Der Zeitplan für die Abläufe in den letzten Wochen vor Inbetriebnahme ist auf einem Din-A-3-Blatt mit Balken in vielen Farben und Längen minutiös festgehalten worden: der Testbetrieb über drei Tage unter realen Bedingungen, die sicherheitstechnischen Abnahmen der Anlagen inklusive Gondeln, die mehrtägigen Schulungen des Personals. Alles muss am 21. Dezember fehlerfrei sein. Die Regie darüber hat der 49 Jahre alte Hurm.

          Zehn Minuten dauert die Panoramafahrt

          Streng genommen handelt es sich bei dem einmaligen Projekt um drei Baukomplexe: die Talstation oberhalb vom Eibsee, die Bergstation sowie die 4,5 Kilometer lange Verbindung über die vier jeweils 153 Tonnen schweren Tragseile für die beiden Gondeln. Bisher gab es zwei Stützen; nun ist es nur noch eine. Die ist mit 127 Meter die höchste der Welt und würde die Türme der Münchner Frauenkirche mit ihren 100 Metern deutlich überragen. Und es gibt noch mehr Superlative: Die Bahn wird mit 3213 Meter das längste Spannfeld zwischen der Stütze und der Bergstation haben; mit 1945 Meter überwindet sie den größten Höhenunterschied.

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