26.04.2010 · Pàl Sarkozy, der Vater des französischen Präsidenten, benutzt seinen Namen und recht unverblümte Darstellungen seiner Schwiegertochter, um seine im Pensionärsalter begonnene Künstlerkarriere anzukurbeln. Der Wert seiner Kunst ist umstritten - der Glamourfaktor indes kaum.
Von Michaela Wiegel, ParisQuelle famille! Frankreich lebt seit drei Jahren im Bann der Herz-Schmerz-Geschichten des Sarkozy-Clans. Nach dem Trennungskrieg mit Cécilia (Ex-)Sarkozy, der „love story“ mit Carla Bruni, den Irrungen des Sohnes „Prinz Jean“ und der Schlacht um die bösen Liebesgerüchte schreibt die jüngste Episode – der ungarische Lebemann Pàl Sarkozy.
Frankreich hatte den Vater des Präsidenten nur als flüchtige Erscheinung beim Krönungsspektakel zur Amtseinführung Nicolas Sarkozys erlebt. Jetzt aber strebt der 81 Jahre alte Pàl Sarkozy resolut ins Scheinwerferlicht. Zwischen Champs-Elysées und Elysée-Palast, im Espace Pierre Cardin, lässt er sich mit der Ausstellung „Entente subtile“ („Feinsinnige Entente“) als Künstler feiern. Der Titel geht auf die Zusammenarbeit mit dem deutschen Werbefachmann Werner Hornung zurück, mit dem Pàl Sarkozy die gemeinsamen Werke am Computer herstellt. In Madrid, Amsterdam, Budapest, Kairo und Doha war die Ausstellung zuvor unter dem treffenderen Titel „Out of mind“ zu sehen. Mit Malerei hat das Ganze wenig zu tun. Hornung spricht von „Digital Fine Art“. Vater Sarkozy trägt mit Kohle- oder Bleistiftzeichnungen zu den digitalen Collagen bei, die Hornung mit Computertechnik anfertigt. Und natürlich mit den Fotos seiner illustren Familie.
Eine Gitarre lasziv im Arm
CBS ist eines von Pàl Sarkozys Lieblingswerken betitelt, die Initialen stehen für Carla Bruni-Sarkozy, die sich auf einem Flügel rekelt, eine Gitarre lasziv im Arm. Auf der Tastatur liegt eine rote Rose. Ehemann Nicolas sitzt als einsamer Monarch meditierend im Lehnsessel in seiner Palastsuite. Von einem Flachbildschirm blicken die Katzenaugen Carla Brunis auf ihn herab. Das Bild gefiel Pàl Sarkozy so gut, dass er es den Brautleuten zur Hochzeit schenkte. Ein anderes Exemplar – sechs werden jeweils in Druck gegeben – hängt im Espace Cardin. Zur Amtseinführung hatte Pàl Sarkozy seinen zweitgeborenen Sohn schon mit einem wilden Porträt beglückt, auf dem der Präsident das Großkreuz der Ehrenlegion – die höchste Auszeichnung der Republik – despektierlich als Ohrring trägt. Angeblich soll das Porträt über der Präsidentenbettstatt im Elysée-Palast seinen Platz gefunden haben.
Pàl Sarkozy findet nichts dabei, dass er seinen Namen nutzt, um seine im Pensionärsalter begonnene Künstlerkarriere anzukurbeln. Er erzählt in fließendem Deutsch („das verdanke ich meinen österreichischen Kindermädchen“), wie froh er darüber sei, seinen Lebensabend nicht bei Tee und Bridge zu verbringen. Schon hält er vor einem Selbstporträt mit dem Titel „So viel Leben“ („Tant de vie“) an, herzt rasch eine hochgewachsene Blondine („un moment, ma chère“) und parliert dann über sein liebstes Thema, Pàl Sarkozy. Das Bild zeigt ihn auf einem Metroschacht, das eine Hosenbein wie das eines Clochards zerfetzt, die andere Körperhälfte in einen feinen schwarzen Smoking mit Fliege gehüllt. Er trägt das Képi der Fremdenlegion, Zigarette und Pinsel in der einen, eine entflammte rote Rose in der anderen Hand. „Das ist mein Leben“, seufzt er und sagt, nur das Schneedekor sei geflunkert. Als er im Winter 1948 in Paris ankam, als ausgemusterter Fremdenlegionär, hatte er kein Geld und kein festes Schuhwerk. Die erste Nacht verbrachte er im Freien, auf einem Metroschacht in der Nähe des Triumphbogens. Knapp 60 Jahre später sollte sein Sohn einen Steinwurf davon entfernt, im vornehmen Restaurant „Fouquet’s“, seinen Wahlsieg feiern, nachdem ihm die Franzosen das höchste Staatsamt anvertraut hatten.
Nicht nur Tee und Bridge
Pàl Sarkozy hat seine Geschichte vom ungarischen Adelssohn, der sich nach Krieg, Not und Flucht in Paris den Traum von einem Leben in Saus und Braus erfüllt, ausgiebig in seinen gerade veröffentlichten Memoiren erzählt. Auch sie tragen den Titel „Tant de vie“, und viel Leben war das, will man den Erzählungen des Präsidentenvaters Glauben schenken. Er beschreibt sich als unbelehrbaren Schwerenöter, der schon dem Kindermädchen bei der Gutenachtgeschichte unter den Rock ging. Es sind die Erinnerungen eines durch und durch Unpolitischen, dem aus seiner Jugend – er wurde am 5. Mai 1928 in Budapest geboren – nur seine frühen Erfolge als Verführer in Erinnerung geblieben sind. Es scheint, als hätten die politischen Umbrüche in seiner Heimat vom Faschismus zum Kommunismus ihn weniger berührt als die hohen Telefonrechnungen, die er für die Mutter nach deren gelungener Ausreise nach München begleichen musste. Die Mutter heiratete in zweiter Ehe einen Deutschen, Harry von Ostenburg, und wiegte sich in dem Glauben, ihr Sohn Pàl sei als Manager einer Werbeagentur zum Millionär aufgestiegen.
Pàl Sarkozy malt von sich das Bild eines Prahlhanses, der sich mit Fraueneroberungen – er schloss vier Ehen – und materiellem Wohlstand seiner selbst versichert. „Um es zu sagen, wie es ist: Ich bin von einer Frau zur anderen gesprungen, wie man von einem Flugzeug ins nächste wechselt“, schreibt Sarkozy. Obwohl er sich immer wieder auf seine edle Herkunft beruft, ist von Vornehmheit, gar von einem feinen Verständnis für Schamgrenzen in „So viel Leben“ nichts zu spüren. Er mault über den „Verrat“ seiner ersten Frau Andrée, der Mutter des Präsidenten, weil diese in der Hochzeitsnacht nicht mehr Jungfrau gewesen sei. Er rechnet seinen insgesamt fünf Kindern vor, dass er sich trotz seiner ständigen Scheidungen mehr um sie gekümmert habe, als es sein eigener Vater je tat. Nicolas Sarkozy war vier Jahre alt, als seine Mutter, der Seitensprünge ihres Ehemannes überdrüssig, mit den drei gemeinsamen Kindern zurück in ihr Elternhaus zog. Die Scheidung kam wenige Jahre später. In einem seltenen Moment der Seelenschau hatte Nicolas Sarkozy von seinem frühen Leid über den abwesenden Vater erzählt: „Außer einem Vater fehlte mir nichts“, sagte Sarkozy in einer Fernsehsendung lange vor den Präsidentenwahlen.
Jetzt hat er mehr Vater, als ihm lieb sein dürfte, denn Pàl Sarkozy gefällt seine neue Rolle in den Medien sichtlich. In Fernsehsendungen plaudert er gern über sein frivoles Leben, über seine Erfolge in der Werbebranche und beruft sich mit Stolz auf seine Rolle als Erzeuger des Präsidenten. („Die Polizisten drohten, mir die Geschlechtsteile abzuschneiden. Zum Glück haben sie es nicht getan. Es hätte keinen Sarkozy in Frankreich gegeben!“) Zum Schluss seiner Memoiren überrascht Pàl Sarkozy mit einem Eingeständnis: „Wenn ich meine eigene Geschichte Revue passieren lasse, dann finde ich mich nicht immer sehr sympathisch.“
Die Gemeinsamkeiten in den drei Generationen Sarkozy
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 26.04.2010, 21:43 Uhr
..der Apfel fällt nicht wei vom Stamm....
Michael Meier (never1)
- 26.04.2010, 21:55 Uhr