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Pädagoge im Interview : „Die Lehrerpersönlichkeit kann man nicht lernen“

„Entscheidend ist der erste Auftritt“: Robin Williams in „Club der toten Dichter“ Bild: Allstar/Touchstone

Schüler sollen von ihren Lehrern was lernen, heißt die einfache Botschaft. Der Pädagoge Dirk Stötzer über Führungskräfte, Sonnyboys, Wracks – und den besten Beruf der Welt.

          Herr Stötzer, gibt es das: den Superlehrer, wie er im Titel Ihres Buches erscheint?

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Superlehrer ist sicherlich eine Fiktion. Der Begriff stammt aus dem Video, das ich im vergangenen Frühjahr zu meinem Abschied nach vierzig Jahren Schuldienst gedreht habe und das sich an dieser „Supergeil“-Werbung von Edeka orientiert. Aber in der Praxis strebt jeder danach, ein Superlehrer zu sein – oder jedenfalls ein sehr guter Lehrer.

          Wie vielen gelingt das?

          Der überwiegenden Mehrheit. Ich habe zum Schluss in der Berliner Bildungsverwaltung im Beschwerdemanagement gearbeitet. Lehrer, die dort immer wieder negativ auffallen, stellen keine drei Prozent.

          Das sind nur die Totalausfälle. Angeblich erinnern sich Schüler gerade mal an fünf Prozent ihrer Lehrer.

          Das stimmt. Viele, die sich im Durchschnitt bewegen, sind relativ schnell vergessen, während man sich an den Superlehrer später erinnert. Das muss aber nicht für alle Schüler derselbe Lehrer sein, jeder hat unterschiedliche Stärken.

          Gibt es Lehrer, denen Sie empfehlen würden, den Beruf zu wechseln?

          Mit Sicherheit.

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          Den „faulen Säcken“, über die Gerhard Schröder einst gemeckert hat? Sie zitieren eine Studie: Manche Gymnasiallehrer arbeiten 3500 Stunden im Jahr, andere kommen mit 930 Stunden aus.

          Es gibt durchaus Superlehrer, die sich nicht totarbeiten. So Sonnyboys zum Beispiel. Ich erinnere mich an einen Sportlehrer, der kam in seinem Oldtimer in der Turnhose vorgefahren, sprang raus, machte auf dem Sportplatz seine Stunde und verschwand wieder. Gleichwohl war der bei den Schülern unheimlich beliebt.

          Was ist mit den Dauerkranken, Schlechtgelaunten, Totalgestressten? Ihr Buch legt nahe, dass solche Lehrer nicht Opfer widriger Rahmenbedingungen sind, sondern die falsche Persönlichkeit mitbringen.

          Das ist aus meiner Sicht ein Hauptproblem. Die Lehrerpersönlichkeit ist entscheidend. Wir reden in der Ausbildung viel zu viel über Methodenvielfalt. Dabei kommt es letztlich darauf an, wie jemand vorne vor der Klasse steht. Ein Lehrer muss den Schülern vermitteln: Ich weiß mehr als ihr; ihr könnt von mir was lernen. Und wenn er die Schüler dazu bringt, dass sie das auch wollen, ist der große Schritt getan. Ich habe vielen Referendaren beim Staatsexamen gesagt: Überlegen Sie sich das noch mal. Halten Sie das wirklich 40 Jahre durch? Oder sind Sie vielleicht nach sechs, sieben Jahren ausgebrannt und werfen hin?

          Warum?

          Wenn Lehrer diese gewisse Ebene mit den Schülern nicht finden, müssen sie in jeder Stunde 150 Prozent geben, um überhaupt vernünftigen Unterricht machen zu können. Die versuchen dann mit Strenge und Strafen durchzusetzen, was ihnen an Führungspersönlichkeit fehlt. Das ist unheimlich anstrengend. Und ich habe viele Kollegen gesehen, die deshalb irgendwann zusammengebrochen sind. Wer in dem Job nicht glücklich ist und leidet, endet als Wrack.

          Der renommierte Bildungsforscher John Hattie sagt: Das Wichtigste für den Lernerfolg der Kinder ist ein guter Lehrer.

          Das habe ich lange vor Hattie gesagt. Das Problem ist nur: Persönlichkeit kann man nicht lernen. Die Persönlichkeitsentwicklung ist abgeschlossen, wenn Lehrer ins Referendariat kommen. Deshalb müsste man sich vorher fragen: Bin ich der richtige für den Lehrerberuf?

          Was braucht es denn, wenn es nicht die gute Ausbildung ist: Charisma? Begabung?

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