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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Oscars Glamour, Neid und Machtgefälle

 ·  Für jene von uns, die nicht nominiert sind, gilt bei der Verleihung der Oscars auch dieses Jahr wieder: Man lehne sich zurück und erfreue sich des Spektakels. Nicht jeder aber kann ein so ungebrochenes Verhältnis zu den Preisen haben.

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Die Brüskierten: Why not?
Ausgelassene Feierlaune mochte sich bei Hans Zimmer in dieser Oscar-Saison trotz einer Nominierung nicht einstellen. Der Frankfurter, der in seiner Wahlheimat Los Angeles für die Musik des Thrillers „Inception“ in der Nacht zum Montag auf eine Trophäe hoffen kann, vermisste seinen Freund Christopher Nolan, den Regisseur des Films, auf der Liste der Nominierten. „Ich bin völlig geschockt, dass er übersehen worden ist“, klagte Zimmer. „Nur weil der Film ungeheuer erfolgreich war, scheinen einige zu glauben, dass er keine Kunst mehr darstellt.“

Auch Cher, nach einer Kreativpause gerade wieder erwacht, wurde ungewohnt emotional, da sie sich von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences ignoriert fühlte. „Es hat mir das Herz gebrochen“, weinte die Vierundsechzigjährige via Twitter, nachdem ihr von Diane Warren komponierter Titel „You Haven't Seen The Last Of Me“ aus dem Musical „Burlesque“ bei der Akademie auf taube Ohren gestoßen war.

Und Mark Wahlberg, Ryan Gosling, Mila Kunis und Barbara Hershey? Schon vor der Verleihung der goldenen Statuen ist 2011 als „Jahr der Brüskierungen“ in die Annalen eingegangen. Die wählenden Mitglieder der Filmakademie, monieren die Kritiker, hätten den Kontakt zum Publikum verloren. Hinter vorgehaltener Hand machen Erzählungen von den angeblich in die Jahre gekommenen Honoratioren die Runde, die kaum noch dazu gebracht werden könnten, die ihnen zugeschickten Filme auch wirklich zu begutachten.

Die Exzentrikerin: Die Welt geht davon nicht unter

Der sprichwörtliche „Hauch frischer Wind“ kommt in der Oscar-Nacht 2011 aus England. Die Mode-Exzentrikerin und Oscar-Kandidatin Helena Bonham Carter, der man in Hollywood nach Experimenten mit zwei unterschiedlichen Schuhen und immer neuen Variationen ihres Vogelnesthaars einiges zutraut, hat schon vor Wochen gedroht, als „Katastrophe“ auf dem roten Teppich zu erscheinen. „Die Mode ist von der Bekleidungsindustrie gekidnappt worden, die nun Regeln aufstellt, wer was tragen darf“, klagte die Vierundvierzigjährige, die für die Rolle der Herzogin von York in dem Historiendrama „The King's Speech“ in der Kategorie „Beste Nebendarstellerin“ nominiert wurde. „Mir ist danach, auszubrechen und zu zeigen, dass die Welt davon nicht untergeht.“

Bei den Golden Globes vor einigen Wochen wagte sie sich mit einer blumig bedruckten Robe vor die Kameras. Zu Hause in London lässt sich Bonham Carter auch im Pippi-Langstrumpf-Look oder mit Schnürstiefeln zum Hängekleidchen fotografieren.

Dass die Schauspielerin ihren Namen dennoch auf der Liste der am besten angezogenen Prominenten des Jahres 2010 im amerikanischen Magazin „Vanity Fair“ fand, überraschte sie selbst. „Ich habe es für einen Scherz gehalten“, gab Bonham Carter zu. Welche modische Katastrophe sie bei der Oscar-Gala trägt, werden etwa 40 Millionen Fernsehzuschauer in einigen Stunden erleben dürfen.

Der Fluch: Oscar oder Ehe

Wenn Annette Bening und ihre ebenfalls nominierte Schauspielkollegin Nicole Kidman über den roten Teppich vor dem Kodak Theatre in Hollywood schreiten, wird sich Tiziana Casciaro vor ihrem Fernsehgerät einen mitleidigen Blick vermutlich kaum verkneifen können. Wie die Soziologin in einer gerade veröffentlichten Studie belegen konnte, erwartet die beiden im Falle der Auszeichnung als „Beste Hauptdarstellerin“ künftig nicht nur eine höhere Gage, sondern auch ein größeres Scheidungsrisiko.

„Selbst die Ehen von Hollywood-Schauspielerinnen, die sich auf der Höhe ihrer Karriere befinden, sind nicht immun gegen die Verletzung sozialer Normen“, erklärt Casciaro das Phänomen mit Blick auf das „Machtgefälle“ zwischen Männern und Frauen. „Die Forschungsergebnisse zeigen, dass der plötzliche Erfolg die Ehe verkürzt, da die Beziehung besonders belastet wird.“

Falls Kidman oder Bening einen Oscar nach Hause bringen, müssen sich der Countrysänger Keith Urban oder Schauspieler Warren Beatty daher mit einer 63 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit eine neue Bleibe suchen, als wenn es bei der Nominierung geblieben wäre. Ein solches Schicksal ereilte in den vergangenen Jahren den Motorradveredler Jesse James (Sandra Bullock), den englischen Regisseur Sam Mendes (Kate Winslet) und Hilary Swanks Ex-Mann Chad Lowe.

Für den Erfolg an der Kinokasse zahlt sich die Auszeichnung dagegen in der Regel aus - besonders in der Kategorie „Bester Film“. Schon nach der bloßen Nominierung haben Oscar-Anwärter wie „There Will Be Blood“ oder „Little Miss Sunshine“ in den vergangenen Jahren durchschnittlich 20 Millionen Dollar mehr eingespielt als ohne.

Der Koch: Nachschlag für Streisand

Okay, wenigstens um Wolfgang Puck und den Oscar steht alles zum Besten. Zum 17. Mal ist der 61 Jahre alte Österreicher Ausrichter des „Governors Ball“, bei dem sich die Preisträger gleich nach der Verleihung von der amerikanischen Filmakademie feiern lassen. Angesichts seines Menüs für den Ball hätte vermutlich selbst König Georg VI. ganz ohne Stottern ein royal-gediegenes „Well done, indeed“ über die Lippen gebracht: Neben einer Seezunge, im Englischen nach der Heimat des sprachlich herausgeforderten Monarchen auch „Dover sole“ genannt, hat der Starkoch und Wahl-Kalifornier in diesem Jahr ein ebenfalls britisch inspiriertes Tomaten-Sherry-Confit auf die Speisekarte gesetzt, die ihm fast schon seherische Qualitäten bescheinigt. „Als ich das Menü zusammengestellt habe, zählte ,The King's Speech‘ noch gar nicht zu den Oscar-Favoriten“, erinnert Puck. „Das Ganze ist reiner Zufall.“

Puck, der in einer „hypermodernen Küche“ (so die Akademie) neben dem Ballsaal im Kodak Theatre arbeitet, kennt dank langjähriger Erfahrung sämtliche Vorlieben der Gäste. „Barbra Streisand isst gern Pilzrisotto, Danny DeVito mag Hummer“, verrät der Kärntner. Ganz ungehemmt verlangten die beiden trotz Hollywoods Schlankheitswahns schon mal einen Nachschlag, bei Puck elegant „Extra“ genannt.

„Wenn sie nach der Zeremonie zu uns kommen, essen sie fast alles. Die meisten haben vor dem Ball tagelang gehungert: aus Angst, nicht ins Kleid zu passen, oder vor Aufregung“, weiß Puck. Für die schwangere Oscar-Anwärterin und Vegetarierin Natalie Portman hat er sich dennoch etwas einfallen lassen. „Ihr servieren wir eine Gemüse-Paella mit Safran, die selbst Veganern schmeckt.“ Und Colin Firth, der ebenfalls nominiert ist? „Den kenn' ma scho. Der is unkompliziert“, meint „Wulfgäng“.

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