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Opfer der Nationalsozialisten : Ordensmedaillen des Paters Unzeitig zurück

  • Aktualisiert am

Taschenuhr, Ordensmedaillen, ein Porträt: Die persönlichen Gegenstände des Paters kommen zu seinem Orden zurück. Bild: Verena Neusüs/International Tracing Service (ITS)/dpa

Vor 75 Jahren wurde Pater Engelmar Unzeitig ins Dachauer KZ verschleppt, wo er später starb. Die Gegenstände, die Unzeitig hinterließ, sind jetzt zu seinem Orden zurückgekehrt.

          Eine Taschenuhr und zwei Ordensmedaillen von Pater Engelmar Unzeitig, der im März 1945 im Konzentrationslager Dachau an Typhus starb, haben den Weg zurück zu seinem Orden gefunden. Wie der International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen jetzt mitteilte, befanden sich die Gegenstände unter den Effekten ehemals NS-Verfolgter, die der ITS seit Mitte der sechziger Jahre verwahrt. Seit 2013 sind die Originaldokumente des ITS-Archivs Teil des Weltdokumentenerbes der Unesco. Laut ITS-Mitteilung sagte Pater Michael Maß von der Ordensgemeinschaft der Missionare von Mariannhill zur Übergabe der Taschenuhr und der Medaillen: „Es ist unglaublich, dass die persönlichen Gegenstände unseres Mitbruders nach so vielen Jahren ihren Weg in unseren Orden zurückfinden.“ Der Zeitpunkt der Übergabe habe eine besondere Bedeutung, weil Papst Franziskus Pater Unzeitig im Januar offiziell als Märtyrer der katholischen Kirche anerkannt habe. Die Seligsprechung des Priesters ist für den 24. September im Dom zu Würzburg geplant.

          Pater Engelmar Unzeitig, 1911 als Hubert Unzeitig geboren, wurde vor 75 Jahren, am 3. Juni 1941, ins KZ Dachau verschleppt, weil er sich als Priester öffentlich für verfolgte Juden einsetzte. Bei der Ankunft im Lager nahmen ihm die Nazis die persönlichen Gegenstände ab. Die Ordensmedaillen werden nach Angaben seines Ordensbruders Maß vermutlich als Berührungsreliquien des künftigen Seligen verwendet werden. Pater Unzeitig hielt im KZ am Glauben fest und kümmerte sich um andere Häftlinge. Er teilte seine Essensrationen und betreute Mitgefangene als Seelsorger. Als 1945 im Lager Typhus ausbrach, meldete er sich freiwillig zur Pflege der Kranken, infizierte sich und starb am 2. März an der Krankheit. Nach ITS-Angaben kam die Urne mit seiner Asche über Umwege zu den Mariannhillern nach Würzburg. Seit dem Jahr 1968 habe sie dort ihren Platz in der Herz-Jesu-Kirche.

          Der Internationale Suchdienst in Bad Arolsen bewahrt in seinem Archiv nach eigenen Angaben noch etwa 3200 Effekten auf, persönliche Gegenstände, die den Verfolgten bei ihrer Ankunft im KZ abgenommen wurden. Sie stammten vor allem aus den Lagern Neuengamme und Dachau.

          Quelle: F.A.Z.

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