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Veröffentlicht: 18.02.2013, 18:40 Uhr

Offizier Petrow im Gespräch „Der rote Knopf hat nie funktioniert“

Am 25. September 1983 meldete das sowjetische Raketenfrühwarnsystem den Abschuss einer amerikanischen Atomrakete. Der damals diensthabende Offizier Stanislaw Petrow entschied, nichts zu tun - und rettete damit die Zivilisation.

© Garbe Mit Besonnenheit und Logik verhinderte Stanislaw Petrow den Atomkrieg

Herr Petrow, 1983 standen Sie für einen Augenblick im Zentrum des Weltgeschehens. Wie lebten und arbeiteten Sie damals?

Ich arbeitete in einem Militärstädtchen, das wie eine normale Stadt funktionierte. Wir hatten Wohnungen, Schulen, Läden und lebten unter sehr annehmlichen Bedingungen, durften aber niemandem erzählen, was wir taten. Alles war streng geheim, wir waren gut getarnt. An der Bushaltestelle stand: „Zentrum für die Beobachtung von Himmelskörpern“.

Das war im weitesten Sinne auch Ihre Aufgabe.

Unser Auftrag war es, die Bereiche der Vereinigten Staaten zu beobachten, aus denen uns militärische Flugkörper erreichen konnten. Ich bin Ingenieur und habe mit einer Gruppe von Mathematikern das System dafür mit entwickelt. Unsere militärische und politische Führung nahm die Vereinigten Staaten als Quelle möglicher Aggression sehr ernst, schon wegen der wirtschaftlichen Möglichkeiten Amerikas. Wenn heute gesagt wird, dass die Sowjetunionen aggressive Absichten hegte, sage ich Ihnen: Das stimmt nicht. Wir haben das nur getan, um uns zu schützen.

Was machte die Lage im Jahr 1983 so gefährlich?

Die Situation war schon das ganze Jahr über angespannt. Der damalige Präsident Ronald Reagan hatte uns als „Reich des Bösen“ beschimpft. Dann stationierten die Amerikaner in Westeuropa Pershing-II-Raketen, die auf Moskau zielten, im Gegenzug haben wir unsere Raketen in den „Volksdemokratien“ Osteuropas aufgebaut.

Und dann schoss die Sowjetunion am 1. September 1983 eine koreanische Passagiermaschine mit 269 Menschen an Bord vor der Küste der Insel Sachalin ab.

Ich kann mich daran gut erinnern. Wir haben die internationale Lage aufmerksam beobachtet. In unseren Tagesbefehlen wurde auf die außerordentliche Situation hingewiesen. Wir sollten besonders wachsam sein, da jeder Fehler zu unabsehbaren Folgen führen könnte.

Und was war los am 25. September?

Für mich war das ein ganz normaler Dienst, nur dass ich in jener Nacht in Vertretung zum operativ Diensthabenden ernannt wurde. Ich war im Gefechtsführungszentrum sozusagen der Schichtleiter. Wir Spezialisten mussten das ab und an tun, weil unsere militärische Führung lieber die Tagesschichten übernahm.

23269184 © AP Vergrößern Die Atomwaffen blieben am 25. September 1983 dank Stanislaw Petrow in den Silos.

Wie sah Ihr Arbeitsplatz aus?

Das Gefechtsführungszentrum war ein zweistöckiges Gebäude. Ich befand mich im oberen Stockwerk in der Kommandeursgruppe mit Sichtkontakt in den ersten Stock, wo die Führungsgruppe saß, etwa 200 Mitarbeiter, darunter Chef-Operateure an den Steuerpulten für die Raketen. Ich saß an einem Steuer- und Informationspult mit dem berüchtigten roten Knopf. Der war allerdings abgedeckt.

Warum?

Ehrlich gesagt: Der rote Knopf hat nie funktioniert, er war nirgends angeschlossen. Unsere Militärpsychologen hatten entschieden, dass man einem einzelnen Menschen nicht die Aufgabe übertragen kann, den Krieg gegen ein anderes Land per Knopfdruck zu beginnen. Meine Aufgabe bestand also darin, die Informationen, mit denen mich der Computer versorgte, zu bewerten und weiterzuleiten.

Was passierte in jener Nacht?

Der Alarm ging gegen 0.15 Uhr los, vollkommen unerwartet. Wir hatten das oft geprobt, aber nun war es ernst. Die ganze Festbeleuchtung ging an, die Sirenen heulten, und auf den Bildschirmen blinkte in großen, roten Buchstaben: „Raketenstart“ mit maximaler Wahrscheinlichkeit. Es war ein Schock, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Ich war der Diensthabende, der Älteste und vom Dienstgrad her Ranghöchste, die anderen waren jüngere Offiziere, die dafür zuständig waren, die Raketen scharf zu machen. Sie waren durcheinander und blickten mich an. Alle warteten auf meine Entscheidung.

Was taten Sie?

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