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Obamas Amtseinführung Kein freier Platz in Washington

04.12.2008 ·  Welchen Preis hat Geschichte? Zur Amtseinführung Barack Obamas ist in Washington kein Zimmer mehr frei. Die kostenlosen Tickets für die Feierlichkeiten am 20. Januar sind auf dem Schwarzmarkt längst mehr als 40.000 Dollar wert.

Von Katja Gelinsky, Washington
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Washington ist ausgebucht. Schon vor Wochen fanden Besucher, die zur Amtseinführung von Barack Obama am 20. Januar in die amerikanische Hauptstadt reisen wollen, so gut wie kein Hotelzimmer mehr. Sobald der historische Wahlsieg einigermaßen sicher schien, begann ein beispielloser Ansturm. Reiseveranstalter, Fluggesellschaften, Busunternehmen und Hotels wurden trotz der Wirtschaftskrise mit Anfragen überflutet. Die symbolische Bedeutung der Amtseinführung wird vor allem für schwarze Amerikaner noch dadurch gesteigert, dass das Ereignis unmittelbar auf den Feiertag zum Gedenken an Martin Luther King folgt. Der schwarze Pfarrer Raphael Warnock aus Atlanta (Georgia), in dessen Kirche King einst Pastor war, sagte in einem Interview: „Die Reise nach Washington kommt für viele von uns einer Pilgerfahrt gleich.“

Niemand vermag zu sagen, wie viele Menschen die „National Mall“ zwischen Kapitol und Lincoln Memorial bevölkern werden, wenn Barack Obama unter dem Motto „Eine neue Geburt der Freiheit“ als erster schwarzer Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wird. Das Zitat aus der berühmten Gettysburg-Rede von Abraham Lincoln hat nicht Obamas Team ausgesucht. Die Vereidigung des Präsidenten vor dem Kapitol wird vom Festkomitee des Kongresses organisiert. Mit „A New Birth of Freedom“ soll an den Geburtstag von Abraham Lincoln erinnert werden, der sich im Februar zum 200. Mal jährt.

40.000 Dollar für kostenlose Tickets

Für die Feierlichkeiten zur Amtseinführung Obamas hat das Komitee des Kongresses 240.000 Karten drucken lassen – bei weitem nicht genug für alle, die dabei sein wollen. Im Internet kursierten für die kostenlosen Tickets, die erst im Januar über die Büros der Parlamentarier vergeben werden, schon Angebote von mehr als 40.000 Dollar. Die Vorsitzende des Organisationsgremiums, die demokratische Senatorin Diane Feinstein, ist über diesen Handel so empört, dass sie den Verkauf der Tickets unter Strafe stellen will.

Viel Geld oder viel Glück sind auch für die Beschaffung einer Unterkunft nötig. Selbst wer willens und in der Lage ist, 50.000 Dollar für das Vier-Nächte-Luxuspaket des vornehmen „Ritz Carlton“ zu zahlen, inklusive Chauffeur, Modeberater, Karten für die Parade vom Kapitol zum Weißen Haus und Tickets für einen der Präsidentenbälle, kommt zu spät. Donnette Dunbar und Larry English, beide begeisterte Obama-Anhänger, bemühten sich schon im Juni um eine Unterkunft, gleich nachdem Hillary Clinton sich im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur geschlagen gegeben hatte.

„Welchen Preis hat Geschichte?“

Für ein Bett im keineswegs luxuriösen „Red Roof Inn“ gibt das Ehepaar nun 700 Dollar die Nacht aus. „Welchen Preis hat Geschichte?“, fragte Dunbar, Miteigentümerin eines Public-Relations-Unternehmens, kopfschüttelnd ihren Mann, als sie hörte, was die Übernachtung kosten sollte. „Nimm’ das verflixte Zimmer“, gab der zurück. Für eine Nacht bekommt man allerdings kaum etwas. Die meisten Hotels knüpften Buchungen für den 20. Januar an die Bedingung, dass die Gäste mindestens drei, wenn nicht gar vier Nächte bleiben.

Auch etliche Washingtonians wollen von dem Ansturm profitieren. Auf Internetseiten wie „Craigslist“ werben sie mit Übernachtungsmöglichkeiten in allen erdenklichen Formen und Preislagen. Ein Ehepaar aus dem Bezirk Prince George’s County (Maryland) an der Grenze zu Washington bietet das Zimmer der Tochter, die aufs College geht, für bescheidene 50 Dollar an, inklusive reichhaltigem Frühstück. Andere vermieten ihre gesamte Wohnung oder sogar ganze Häuser – und quartieren sich und die eigene Familie bei Freunden oder Verwandten ein.

Das nächste freie Zimmer: Zweieinhalb Autostunden entfernt

Im Bezirk Fairfax (Virginia) zum Beispiel, eine halbe Stunde von Washington entfernt, wird ein Haus zum Preis von 18 000 Dollar für die Festwoche angeboten. Mit sieben Schlafzimmern und einem Wohnzimmer, in dem sich die Amtseinführung Obamas angeblich hervorragend mit einem Privatempfang feiern lässt. Den Preis könnte Nikki Lecompte niemals bezahlen. Die alleinerziehende Mutter aus Houston (Texas) verlor im Februar ihren Job, will aber unbedingt mit ihren vier Kindern dabei sein, wenn „Chief Justice“ John Roberts Barack Obama den Amtseid abnimmt. Also bietet Lecompte als Gegenleistung für eine Schlafgelegenheit die Zubereitung kulinarischer Spezialitäten an: frittiertes Hähnchen nach Südstaatenart, Brotpudding mit Rumsauce, Bananenküchlein.

Besonders schwer bei der Suche nach Unterkünften haben es Gruppen, etwa die Musikkapellen, die sich um die Teilnahme an der traditionellen Parade zum Weißen Haus beworben haben. Die nächsten Zimmer, die der Spielmannszug der „Lowndes High School“ aus Atlanta (Georgia) finden konnte, befinden sich in Williamsburg (Virginia), zweieinhalb Autostunden von Washington entfernt – wenn die Straßen frei sind. Der berittenen Polizei aus dem Bezirk Tulsa (Oklahoma) ist es immerhin gelungen, einen Platz für ihre 18 Rösser zu finden. „Zur Not“, so die Stellvertreterin des Sheriffs, Paula Hite, „schlafen wir bei den Pferden im Stall.“

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