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Noomi Rapace : Die Kraft des Willens

Knallhart: Noomi Rapace als Lisbeth Salander Bild: AP

Der Schauspielerin Noomi Rapace gelingt ein Zugang zu Stieg Larssons verstörender Ermittlerin Lisbeth Salander - weil sie sich ihr nahe fühlt. Dabei wusste sie, dass die Rolle für sie eigentlich nicht in Frage kam.

          Sie wusste, dass sie für die Rolle eigentlich nicht in Frage kam. Wenn im Filmgeschäft besonders schräge Charaktere besetzt werden müssen, geht es oft um Äußerlichkeiten, und Lisbeth Salander, die verstörendste Ermittlerin der zeitgenössischen Kriminalliteratur, ist magersüchtig, hässlich und gerade mal 1,50 Meter groß. Noomi Rapace ist weder klein noch dürr. In früheren Filmen hat sie lange Locken und einen mädchenhaften Charme. Ihre großen Augen sind ausdrucksstark. Der Regisseur winkte ab: zu weiblich, zu hübsch. Aber Noomi Rapace war überzeugt, das richtige Gespür für die Rolle mitzubringen, und sie versprach, sich zu verändern. Sie sei bereit, bis an die Grenzen des Möglichen zu gehen.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Schauspielerin schnitt sich die Haare kurz. Sie stach sich Silberringe durch die Nase und durchlöcherte ihre Ohrläppchen. Sie lernte Motorradfahren und nahm Unterricht im Kickboxen. Viermal die Woche trainierte sie, sieben Monate lang, bis ihr Körper aussah wie der eines Jungen. Gerade Silhouette, flache Brust, muskulöse Arme. Sobald Lisbeth Salander im Film die nietenbesetzte Lederjacke auszieht, wirkt sie, als hätte sie weder Alter noch Geschlecht. Nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht Mann, nicht Frau. Ungewohnt. Aufregend.

          Eine computerkundige Punkerin als Pippi-Langstrumpf-Update

          Lisbeth Salander ist die heimliche Hauptfigur der sogenannten Millennium-Trilogie des schwedischen Journalisten und Rechtsextremismusexperten Stieg Larsson. Drei schwartendicke Bände einer auf zehn Teile angelegten Serie hatte der Autor gerade fertig, als er im Alter von fünfzig Jahren an einem Herzinfarkt starb. Diese Tragik hat zum Hype um die Bücher beigetragen, die mit 15 Millionen verkauften Exemplaren schnell zum Bestseller wurden. Aber das eigentliche Erfolgsgeheimnis dieser finsteren Geschichten, die die Schattenseite der schwedischen Gesellschaft ausleuchten und die Verwicklung von Politik und Kapital in übelste Verbrechen zum Thema haben, ist die ungewöhnliche Frau, die die Recherchen des Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist nach vorne bringt: Lisbeth Salander.

          Oft wird die computerkundige Punkerin als Pippi-Langstrumpf-Update bezeichnet, als erwachsen gewordene zeitgenössische Version von Astrid Lindgrens rotbezopfter Göre. In der Tat ist die Ermittlerin auf ihre Weise so unabhängig und unkonventionell, so unermesslich reich und fast so stark wie Pippi Langstrumpf. In „Verdammnis“, dem zweiten Teil der Trilogie, der von Donnerstag an im Kino zu sehen ist, hat der Autor sich zudem einen Spaß erlaubt: Lisbeth Salander befestigt an der Wohnungstür zu ihrer Luxussuite über den Dächern von Stockholm ein Messingschild mit der Aufschrift „V. Kulla“. Die Verbindung zur schwedischen Villa Kunterbunt, der „Villa Villekulla“, liegt nah. Aber anders als Pippi Langstrumpf ist Salander geradezu autistisch. Sie zeigt keine Gefühle, pflegt keine Freundschaften und gibt nie etwas von sich preis. Klar, dass sich unter dieser schroffen Oberfläche Abgründe verbergen. Aber selbst das Wissen um eine von Gewalt geprägte Kindheit und Aufenthalte in der Jugendpsychiatrie reichen nicht aus, um die Widersprüche und Kanten dieser intelligenten Hackerin zu erklären.

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